Kein Püppchen

Dass ich letzte Nacht ziemlich gut drauf war, kann man eindrucksvoll im letzten Eintrag nachlesen. Ich hatte heute Morgen erst überlegt, ob ich ihn eventuell deaktiviere oder lösche. Allerdings finde ich ihn, trotz der einen oder anderen etwas konfusen oder heiklen Stelle, ganz unterhaltsam. Seht mir ernsthaft die Rechtschreibfehler nach - ich hätte nie gedacht, dass die das/dass-Rechtschreibregel so schwierig ist, wenn man genug getrunken hat.


Jetzt gerade fühle ich mich in erster Linie richtig arg müde. Um 8 Uhr am Morgen war ich fit und munter und an weiterschlafen war in dem Moment nicht mehr zu denken. Inzwischen habe ich gefrühstückt, geduscht, mich äußerlich darauf vorbereitet, das Haus heute zu verlassen und die Freundin, mit der ich gestern unterwegs war, schon drei Mal angerufen, um dann beim dritten Mal zu resignieren und ihr auf die Mailbox zu sprechen (ich glaube, das habe ich zuvor noch nie getan...).
Es ist ein bisschen eigen, dass ich, wenn ich getrunken habe, nicht allzu lange schlafen kann. 5 Stunden. Das ist schon echt mau. Woran genau das liegt, dass ich zum Frühaufsteher mutiere (etwas, was ich sonst nie tue), wenn ich getrunken habe, weiß ich zwar nicht, aber noch ein weiterer guter Grund, das nicht allzu oft zu machen.


Ich vermisse mein Handy. Ja, das Handy, das im Auto der Freundin liegt, die ich offensichtlich nicht erreiche. Irgendwie traurig, zu spüren, wie sehr es mir fehlt. Allein in der letzten Stunde war ich mindestens fünf oder sechs Mal die Situation, dass ich dachte "Oh, ich könnte mal schnell auf dem Handy nachschauen, ob..." oder "Ah, ich könnte mal wieder schauen, ob mir jemand geschrieben hat" und jedes Mal ging der Gedanke weiter mit "Oh Mist, geht ja nicht, stimmt ja". Ich glaube, dass es etlichen Menschen so geht und diese Art von Sucht nervt mich.
Gleichzeitig ist es auf meinem Handy im Moment eben auch selten still und es gibt die eine oder andere Nachricht, auf die ich hoffe oder warte.


Ob ich hoffe, dass eine von dem Typen dabei ist, mit dem ich mich gestern getroffen hätte? Ja. Und ja, ich weiß, wie dämlich das ist.
Vielleicht könnte ich sogar so tun als wäre der Typ nicht zu unreif, aber nach dem gestrigen Eintrag habe ich mir da jede Möglichkeit geraubt, mir selbst etwas vorzumachen.
Gestern, als ich noch nüchtern war, erzählte ich der Freundin von mir die gesamte Geschichte und erzählte ihr auch von meinen Zweifeln mir selbst gegenüber. Ich war tatsächlich recht anstrengend gewesen. Später erreichte mich noch eine Nachricht von ihm. Zu dem Zeitpunkt war ich schon ziemlich angeheitert.
"Du brauchst jemanden, der klare Ansagen macht und der sich festnageln lässt. Ich bin da schwierig."


Im ersten Moment musste ich lachen, weil meine Mutter im Laufe meines Lebens schon sehr sehr oft den Satz gesagt hat "Du versuchst mich wieder festzunageln".
Ja, stimmt schon. Ich suche Verlässlichkeit. Jemand, dessen Wort Bestand hat. Jemand, der sagt, was er denkt, bei dem ich nicht raten muss und bei dem ich mich darauf verlassen kann, dass er das in zwanzig Minuten auch noch so sieht.


Und so ist er eben tatsächlich nicht. Er versucht sich aus allem herauszuwinden. Schön unverbindlich bleiben. Bloß keine Aussage treffen, die man ihm übelnehmen oder später vorhalten könnte.
"Männer lässen sich nicht gern festnageln, das mögen die gar nicht",
sagte meine Mutter und hatte damit vermutlich vollkommen Recht.


Daraufhin kam ich heute ins Grübeln. Ja, habe ich vielleicht doch zu viel erwartet? Überreagiert? Hab ich eventuell einfach falsch gehandelt?
Meine Bereitschaft, alles zurückzunehmen und mich zu entschuldigen, nachzugeben und zu sagen, dass mir das alles leid tut, war in den vergangenen 24 Stunden immer wieder recht groß. Ich wollte doch, dass das was mit uns wird und irgendwie hat das jetzt alles schneller sein Ende genommen als ich gedacht hätte.
"Ja, aber sei doch mal ehrlich, willst du mit so einem zusammen sein? Wenn es jetzt schon so anstrengend ist?",
fragten zwei Freundinnen mich - völlig unabhängig voneinander. Und klar haben sie Recht.


Ich mein, wo ist denn bitte das Problem, wenn man sagt "Hey, ich hab mich gerade echt geärgert". Und dann muss man sich anhören, dass man zu anstrengend ist? Als wir uns kennengelernt haben, hat er mir gesagt, er finde es toll, dass ich "kein Püppchen, das zu allem Ja und Amen" sage, sei und ich war froh über diese Worte, weil ich danach das Gefühl hatte, wirklich so sein zu können, wie ich bin. Das sagen zu können, was ich denke.


Mir ist erst gestern klar geworden (auch durch eine völlig andere Situation), dass ich im Umgang nicht immer so bequem bin, wie ich es über mich manchmal denke. Nein, ich habe doch ziemlich meinen eigenen Kopf.
Und es hatte mich eben tierisch verletzt und aufgeregt, dass er sich mit mir spontan verabredet und mit mir abmacht, dass wir uns in drei Stunden wiedersehen, um mir dann eine halbe Stunde vorher doch abzusagen, weil er noch mit seinen Freunden unterwegs sei und das lieber gerne noch ausweiten würde. Ich war wütend, weil ich der Meinung war, dass man soetwas vorher merken kann. Und dass man, wenn man mir dann schon absagen muss, das ganz direkt und klar machen kann und sich nicht über fünfzehn Minuten lang winden muss, bis mir klar wird, dass dieses Um-den-Brei-Rumgerede wohl bedeutet, dass mir gerade abgesagt wird.


Wir hatten uns am Telefon ziemlich gezofft, er und ich. Ich habe es gestern betrunken etwas arg scharf formuliert, als ich sagte, ich habe mich wie eine 45Jährige gefühlt, die mit einem 12Jährigen spricht. Naja, es kam dem Gefühl aber eben doch recht nahe. Ich fühlte mich schlagartig an einen meiner Ex-Freunde erinnert, mit dem ich auch immer wieder diese Art von Gesprächen hatte. Gespräche, in denen ich mich über unreifes Verhalten aufrege.
Es gab zwei Highlights bei diesem Telefonat, die ich letztendlich nicht weglassen möchte:

Ich sagte ihm sehr klar, dass er mich aufgeregt habe, weil er nicht einfach klare Worte gewählt habe. "Weißt du, du hättest gestern einfach sagen können 'Okay, du, es klappt doch nicht, tut mir leid' und auch heute, da hättest du einfach sagen können 'Du, ich will mich nicht mehr mit dir treffen, du bist mir zu kompliziert. Nein, stattdessen sagst du mir 'Ja, du, also ich habe keine Lust. Du gefällst mir, aber ich habe gerade nicht das Bedürfnis dich zu sehen. Nein, keine Ahnung woran das liegt. Nein, ich nehme dir nicht übel, wie du dich gestern verhalten hast'." Ich wurde recht aufbrausend in dem Moment und imitierte die Stimme eines Menschen nach, der sich nicht klar ausdrücken kann.
"Okay, kommt nicht wieder vor. Dann bin ich eben nicht mehr nett.",
sagte er. Mir fiel die Kinnlade herunter. Ähm, tschuldige, Moment mal. Nochmal. Was? Nett? Irgendwer muss zwischendurch die Definition von "nett" im Duden verändert haben, ohne dass ich das mitbekommen hätte.
Er hat es mit seiner Nettigkeit. Er hält sich für einen Kerl, der durch und durch nett ist. Viel zu nett (das hat er im Vorfeld schon mehrmals gesagt). Nun ja, wieder einmal wurde bewiesen, dass verschiedene Menschen völlig verschiedene Vorstellungen bei ein und demselben Begriff haben können.
Ich persönlich differenziere ein wenig und sehe durchaus Unterschiede zwischen nett, unreif und feige. Und vor allem rückratlos.
Letzteres Wort wollte ich erst im Gespräch verwenden und hatte es gerade noch heruntergewürgt und stattdessen erwidert: "Nett? Das hat doch nichts mit Nettigkeit zu tun. Es ist doch nicht nett, wenn du nicht mit der Sprache rausrückst."
"Meinst du? Oh doch, das zeigt einfach, wie nett ich bin, das bin ich dann nicht mehr."
"So ein Blödsinn. Das hat nichts mit Nettigkeit zu tun. Das hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Du kannst doch nett sein und trotzdem mir ehrlich absagen."



Mal ganz abgesehen davon finde ich es durchaus kritisch, dass man sich innerhalb so kurzer Zeit umentscheidet und feststellt, dass man mich gerade doch nicht so gerne sehen will. Und dass man am nächsten Tag komplett gar keine Lust mehr hat, nur weil ich gesagt habe, was ich denke.


Oh und dann das zweite Highlight - das war echt so gut, dass die Freundin im Auto sich nicht mehr eingekriegt hat vor lachen, als ich ihr das erzählte:
Er (schon recht genervt): "Naja, das mach ich dann in Zukunft eben nicht mehr."
Ich: "Was soll das heißen? Dass wir uns wiedersehen?"
Er: "Ja, klar."
Ich: "Aha, okay. Aber hast du nicht gesagt, du hast gerade nicht das Bedürfnis mich zu sehen, weil es so anstrengend ist?"
Er: "Ja, schon, aber wir können uns ja wiedersehen, wenn es nicht mehr so anstrengend ist."
Ich lachte laut in den Hörer.
Ich: "Ist das dein Ernst? Aber du hast mir doch gerade erklärt, ich sei kompliziert und anstrengend. Selbst wenn wir uns dann erst in drei Monaten treffen, ändert das doch nichts. Dann bin ich doch aus deiner Sicht immer noch kompliziert und anstrengend."
Er: "Ja, schon, aber dann kennst du mich vielleicht besser."
Ich lachte erneut. Im Nachhinein ziemlich undiplomatisch, aber ich konnte mich echt nicht zurückhalten.
Ich (immer noch lachend): "Aber WIE soll ich dich denn näher kennenlernen, wenn wir uns nicht treffen, weil ich dir zu anstrengend bin und wir uns aber kennenlernen müssen, damit wir uns wieder treffen können, weil ich dir dann nicht mehr zu anstrengend bin? Ey, das macht doch gar keinen Sinn!"


Das Telefonat endete letztendlich recht unglücklich. Er war genervt. Ich war genervt. Ich wünschte ihm einen schönen Abend, bekam ziemlich pampig das Gleiche gewünscht und wir legten auf. Ich rief eine Freundin an, ließ meinen ganzen Ärger in dem Telefonat und als ich danach wieder das Handy in die Hand nahm, hatte ich eine neue Nachricht auf dem Handy.
"Ich weiß, ich bin schwierig. Du bist, was das angeht, so ziemlich das Gegenteil von mir, glaube ich."
Vielleicht war das der Augenblick, in dem mir klar wurde, dass nur, weil jemand so alt ist wie ich, das nicht bedeutet, dass er das gleiche geistige Alter besitzt. Ich meine, ich rechnete es ihm hoch an, dass ihn das offenbar doch beschäftigte. Gleichzeitig wird aber eben auch sehr schnell die ganze Krux deutlich. Eine Beziehung mit ihm würde vermutlich ins Chaos führen. Trotzdem hege ich noch ein Fünkchen Resthoffnung, dass es anders wäre, wenn wir uns dann besser kennen. Aber Hoffnung ist eben nicht immer rational oder logisch oder sinnvoll. Vor allem die Resthoffnung nicht.


Ich vermisse ein wenig diese sich entwickelnden Verknalltheitsgefühle der letzten sieben Tage. Dieses Hüpfen in der Magengegend. Ich habe jede Sekunde in seiner Gegenwart genossen und mich einfach unglaublich gut gefühlt mit ihm. Das war alles ziemlich intensiv und ich fühlte mich wieder daran erinnert, wie intensiv diese Art von Gefühlen ist. Ich merke dieses Hüpfen noch immer, wenn ich daran denke, dass er mir geschrieben haben könnte (was ich gerade nicht nachprüfen kann), nur dass mein Magen noch etwas von meinem gestrigen Alkoholerlebnis angeschlagen ist und dieses Hüpfen gerade in erster Linie Übelkeit und weniger Glücksgefühle auslöst. Und Übelkeit hatte ich in den letzten fünf, sechs, sieben Tagen wirklich genug.


Auch darüber habe ich viel nachgedacht. Warum war das so? Ich mein, ich hab die ganze Woche über ziemlich schlecht geschlafen. Am Freitag war es so dermaßen arg, dass ich einige Male wach wurde, weil mir schlecht wurde. Den gesamten Freitag über hatte ich puren Säuregeschmack auf der Zunge und am Ende schmeckte alles nach Pfeffer. Ich kenne mich mit diesen Magengeschichten mittlerweile gut genug aus, um zu wissen, dass ich das habe, wenn mich etwas emotional arg aufwühlt. Dass ich das das letzte Mal hatte, ist aber rund sieben Jahre her (was ich betone, damit klar wird, dass der emotionale Stress schon recht hoch sein muss, damit das bei mir auftritt).
Ich denke, das Problem, das mir so zugesetzt hat, war die Frage, wie ernst das alles ist. Und woran ich eigentlich bei ihm bin. Ich mein, selbst jetzt ist das eigentlich nicht klar. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt sehr wohl weiß, was ich von der ganzen Situation halte.
Ich kann es offenbar nicht leiden, woran ich bei jemandem, den ich mag, bin und kann nicht damit umgehen. Schlecht, wenn der jemand, den ich mag, ungern zeigt oder sagt, was er denkt.


Nun. Ich habe es gestern bereits geschrieben, als ich betrunken war und ich habe mich über diese Worte heute Morgen tatsächlich etwas gefreut (obwohl sie von mir selbst kommen): Ich bin keine schlechte Partie. Aber ich bin eben auch tatsächlich kein Püppchen. Ganz und gar nicht. Nur muss man bei mir nicht raten, was los ist oder wie es mir geht oder was ich denke. Ich sage nicht "Ist okay", wenn etwas gar nicht okay ist. Aber ich sage oft genug, dass etwas in Ordnung ist - weil ich viele Dinge dann doch wieder recht locker aufnehme. So sehe ich mich jedenfalls.


So. Nun werde ich es nochmal bei der Freundin versuchen. Ich muss außerdem noch ein paar Dinge richtigstellen. Ich habe da das eine oder andere gesagt, das ich vielleicht nicht hätte sagen sollen. Daran muss ich definitiv arbeiten.

2 Kommentare 10.12.17 11:33, kommentieren

Absolut ehrlich

Nun. Ich bin ziemlich dicht. Seit langem wieder mal. Und das aus aktuellem Anlass. Also bitte. Meine aktuellen Rechtschreibkenntnisse sagen nur etwas darüber aus, wie gut sie sind, wenn ich zwei Cocktails getrunken habe (was ziemlich viel ist angesichts der Tatsache, dass ich seit über zehn Monaten rund keinen Tropfen Alkohol getrunken habe und auch davor äußerst sparsam damit war). Ich schwöre mir gerade, auch morgen, wenn ich diesen Eintrag lese, keinen Fehler zu verbessern. Aber versprechen kann ich nichts.


Das war ein so lustiger und fröhlicher und aufschlussreicher Abend. Und das ausgerechnet nachdem es danach aussah, dass er nichts davon werden würde.
Ich bin gerade recht abgelenkt von all den Reizen um mich herum. Ich höre Musik. Ich schreibe. Ich esse Chips. Und ich habe das Bedürfnis, all das, was ich gerade fühle und denke, aufzuschreiben. Auch wenn das gerade viel zu viel ist. Denn beim Schreiben habe ich gerade doch sehr das Gefühl, dass meine Finger über der Tastatur mehr Stolpern als Schweben.
Aber: Mein betrunkenes Ich ist im Vergleich zu meinem nüchternen Ich in vielerlei Hinsicht sehr viel klüger, ehrlicher, offener. Und hat einen klareren Überblick. Das bedeutet nicht, dass ich oft betrunken sein sollte. Ich denke da an jemanden, dem diese Worte ein absoluter Dorn im Auge sein dürften. Nein nein, so mein ich das sicherlich nicht. Ich habe mich ständig im Griff, ständig unter Kontrolle und deshalb tut es mir gut, das vielleicht ein, zwei, höchstens drei Mal im Jahr (dieses Jahr ist es übrigens erst das zweite Mal) nicht zu haben. Und selbst betrunken war ich bisher viel zu kontrolliert, um Dinge zu tun, die ich am nächsten Tag zu sehr bereuen würde.


Ich habe mich quasi immer Kontrolle. Selbst betrunken habe ich noch den Eindruck. Man kann darüber spekulieren, woran das liegt, aber darauf habe ich gerade kein Bock. Ich habe meine Antwort darauf und alle anderen können sich ihre Antworten ausdenken.
Ich denke, das verunsichert manche Menschen aber auch. Manche Menschen gewinnen dadurch den Eindruck, ich wäre sehr taff, sehr kopflastig, sehr ernst. Manche Menschen schätzen mich wohl sogar als bieder und spießig ein. Ich bin nichts von alldem und ich weiß das. Trotzdem fühlt es sich oft wie eine Lüge an, wenn ich versuche, andere Menschen davon zu überzeugen, dass ich all das in Wirklichkeit nicht bin. Weil ich verstehe, wie sie zu diesem Eindruck gelangen. Und weil ja auch das, was ich nach außen ausstrahle, ein Teil von mir ist.


Wie auch immer. Ich weiche ab. Ich merke, dass ich allmählich nüchterner und müder zugleich werde und es gibt ein paar Dinge, die ich festhalten muss, ehe ich zu klar im Kopf bin, um sie mir gegenüber nicht mehr klar zu benennnen:


Die letzten Einträge handelten überwiegend und sofern ich mich gerade halbwegs erinnere von ein und derselben Person.
Ich habe jemanden über eine Dating-App kennengelernt (ja, kaum zu glauben, dass ich mal sowas nutzen würde, oder?). Eigentlich mehrere Jemande. Aber nur zwei davon habe ich persönlich getroffen. Einer von den beiden ist nicht weiter erwähnenswert (zumindest nicht jetzt gerade für die folgenden Zeilen). Aber der Zweite... uiuiuiuiuiui, der hat mich komplett durcheinander gebracht.
Er hatte genau das Gefühl in mir hervorgerufen, das ich mir so sehr gewünscht hatte. Mir war tagelang schlecht, weil ich mich so sehr auf ihn gefreut hatte (okay, Übelkeit hatte ich mir nicht gewünscht, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine). Ich konnte die letzten sieben Nächte kaum richtig durchschlafen, habe viel an ihn gedacht, viel daran gedacht, wie ich ihn näher kommen würde. Und heute - eigentlich gestern schon - ist das entsetzlich arg gekippt.


Nun, ich habe absolut voll gar keine Lust das jetzt alles noch mal von vorne aufzudröseln. Also mache ich das in der Betrunkene-Exhausted-Version. Quasi die Version, die nur das wiedergibt, was aus Sicht der betrunkenen Exhausted wirklich entscheidend ist:
Ich fand ihn gut. Er fand mich gut. Offensichtlich. Wir haben uns ein paar Mal gesehen. Gestern haben wir uns spontan getroffen. Er hat mir vorgeschlagen, am Abend was zu machen. Dann hat er mir ebenso spontan einen Korb gegeben. Umständlich und auf den letzten Drücker und ohne gerechtfertigen Grund. Ich war verärgert und ich sagte ihm das. Am nächsten Tag (heute) wartete ich lange auf seine Nachrichten - wir waren eigentlich verabredet. Er sagte mir, er habe keine Lust, sagte aber nicht, woran das liege. Ich ärgerte mich erneut. Wir telefonierten. Er erklärte mir, ich sei anstrengend. Daraufhin wurde ich tatsächlich anstrengend. Am Ende des Telefonats beendete ich es frustriert in der Annahme, dass er nur denke, ich sei anstrengend, obwohl ich gar nicht anstrengend sei, aber mit dem leisen Zweifel, vielleicht doch anstrengend zu sein.
Ich sprach mit mehreren Freunden darüber. Unterschiedliche Meinungen begegneten mir.


Mein betrunkenes Ich ist sich ziemlich sicher, die Wahrheit zu kennen und ja, das ist so ziemlich das Einzige, was ich daran schätze, betrunken zu sein. Ich neige sonst dazu, alle Sichten, alle Perspektiven, alle Wenn und Abers einzubeziehen und versuche immer allem und gerecht zu werden, dass auch meine Meinungen immer mit einigen Vielleichts und Unter Umständen und Wenn man das so sieht bestehen.


Aber die ganz ehrlche schonungslose Meinung (Und das, liebe nüchterne Exhausted, gestehst du dir gefälligst ein, wenn du es morgen liest - völlig im Unglauben, dass du das tatsächlich so geschrieben hast):


Ich habe mich in diesen Typ leicht verknallt. Diese Ausstrahlung, diese Augen, dieses Lächeln. Die Art, wie er mich ansieht und wie es in mir kribbelt, weil ich merke, dass er irgendetwas in mir anspricht. Nicht nur meine Libido. Mein ehrliches Interesse. Ich habe mich ehrlich für ihn interessiert.
Und gleichzeitig war mir in den letzten fünf Tagen ständig kotzübel und ich habe kaum Schlaf gehabt, weil ich das Gefühl nicht loswurde, mir etwas vorzumachen. Wie oft habe ich mich gefragt, ob er mir reif genug sein würde? Ob er in der Lage sei, Dinge auch mal ernst zu nehmen? Und ob er mir am Ende das geben könnte, was ich wirklich brauche?
Was du wirklich brauchst, fragst du dich, Exhausted? Entschuldige mal, das fragst du dich doch viel zu oft, obwohl du die Antwort längst schon weißt. Du brauchst jemanden, der da ist, der dir zeigt, dass du ihm wichtig bist, dass du ihm alles bedeutest und der dir trotzdem so viel Freiraum lässt, dass du immer das Gefühl hast, insgeheim die Wahl hast, ob du gehst oder bleibst. Wir wissen beide, dass du dieses Gefühl von Freiheit benötigst, weil du dich viel zu sehr in die Enge getrieben fühlst. Du brauchst niemanden, der dir sagt, du seist anstrengend, weil du sagst, was du denkst. "Manche Männer wollen einfach eine Frau, die zu allem ja sagt, keine eigene Meinung hat und am besten - tschuldige - einfach die Beine breit macht", sagte heute eine Freundin. Aber ganz so wirkte dieser Typ auf mich nicht.
Nö. Er wirkte eher wie eine klügere, aber nicht wesentlich reifere Version meines Ex-Freundes. Mich hat das enttäuscht, festzustellen, dass es so ist. Am Telefon habe ich mich gefühlt wie eine 45Jährige, die mit ihrem 12jährigen Sohn spricht. Ich sage das nicht aus Gehässigkeit, ich sage das aus Ehrlichkeit.


Exhausted, wir wissen beide, wie viel Fehler an dir haften, wie viele Macken. Klar doch, es gibt so viele Dinge, die an mir besser sein könnten. Aber ich bin mir auch völlig darüber im Klaren, dass so viele Dinge so verdammt richtig an mir sind.
Der Typ, der mit mir zusammen ist, hat das Glück, eine wirklich gutmütige Frau an seiner Seite zu haben, die das Herz am rechten Fleck hat, oft ein schlechtes Gewissen hat, weil sie doch alles aus tausend verschiedenen Sichtweisen sieht und gleichzeitig nicht so dumm ist, dass sie sich alles gefallen lassen würde. Ich sage, was ich denke. Ich bin geradlinig, die meiste Zeit jedenfalls. Ich habe mich erst vor ein paar Tagen in einer Situation befunden, in der ich jemandem etwas ehrlich gestanden habe, obwohl genug andere Menschen gesagt haben, dass sie keinerlei Anlass dafür sehen würden. Ich habe das gemacht, weil es sich für mich richtig anfühlt und weil ich zumindest überwiegend tue, was sich richtig anfühlt.
Der, der mit mir zusammen ist, ist mit jemandem zusammen, der seine Gefühle wirklich auslebt. Ich lebe das Glück, ich lebe die Traurigkeit, ich lebe das Lachen, das Weinen. Ich koste jedes Gefühl aus und gleichzeitig wirke ich wie jemand, der seine Gefühle nicht allzu oft fühlt. Vielleicht bin ich einfach wesentlich mehr als man es von mir erwarten würde. Ja, ist halt so. Ich denke nicht, dass es zwangsläufig etwas Schlechtes ist.


Natürlich bin ich ungeduldig. Ich will, dass mich jetzt sofort der Typ erwischt, der zu mir passt, der das zu schätzen weiß und der das gut findet, was ich bin und nicht das, was ich vielleicht sein könnte oder vorgebe zu sein. Ich weiß, dass es diesen Typen da draußen gibt. Ganz sicher. Den gibt's. Klar, den gibt's mehrfach, aber einen davon werde ich doch sicher mal treffen. Irgendwann.


Der Typ von heute, von gestern, vom letzten Wochenende, der ist es offensichtlich nicht. Ich weiß das. Mein nüchternes Ich weiß das. Auch gestern schon. Vielleicht sogar letztes Wochenende schon. Aber manches lässt sich so wunderbar ignorieren. Wie das beispielsweise.
Trotzdem will ich ihn nicht aufgeben. Ich will mal seine Hand gehalten haben, ihn mal geküsst haben. Kurzzeitig mal dem Gefühl nachgegangen sein, das da in meinem Bauch schlummert und immer wieder hüpft, wenn ich an ihn denke oder wenn er mir schreibt. Oder ich ihn sehe..


Was ich an ihm finde? Dieses Leuchten in den Augen. Diese Art, wie er mich ansieht. Viel zu wenig Männer sehen mich (oder sonst wen) auf diese Art an. Wenn er mich ansieht, habe ich das Gefühl, dass alles um uns herum verschwimmt und er wirklich nur mich ansieht. Keine Ahnung, wie es mit uns weitergeht. Vermutlich nicht sehr weit. Ich, mein betrunkenes Ich, ist sich viel zu klar darüber, als dass mein nüchternes Ich am Ende viel zu enttäuscht darüber sein dürfte. Gleichzeitig war es mein nüchternes Ich, dass heute ein paar bittere Tränen gelassen hat, nachdem er mich recht rücksichtslos und hohl fallen gelassen hatte. Trotzdem war er es, der später wieder den Kontakt gesucht hatte. Ich weiß, dass das noch nicht zu Ende ist.
"Du hast aber nicht ernsthaft vor, noch was mit dem anfzufangen, oder?",
fragte meine Freundin mich, die sich schonungslos über ihn lustig gemacht hatte, nachdem ich ihr die gesamte Geschichte erzählt hatte.


Nein, nicht ernsthaft. Trotzdem hat er eben etwas an sich, dass ich an vielen Männern vermisse. Schade, dass er offenbar nicht zu mir passt. Und daran ändern auch keine Worte etwas. Ich habe schon einmal eine Beziehung geführt, in der ich das Gefühl hatte, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht zu mir passt. So gar nicht. Nicht nochmal. Ehrlich nicht. Egal, was da zwischen uns funkte und blitze und vibrierte. Völlig Wurscht. Zumindest sag ich mir das. Auch wenn ich dieses Gefühl, wenn die Luft zwischen einem und einem anderen Menschen gespannt ist, viel zu sehr genieße und vermisst habe, um es nun zu ignorieren.


Ich weiß im Grunde ganz genau, dass ich etwas anderes verdient habe. Vielleicht sogar etwas besseres. Auf Dauer. Also wünsche ich mir, dass ich das auch auf Dauer finde und dass ich bis dahin niemandem mein Herz schenke, der es nicht verdient hat. Ein kleinesbisschen meiner Aufmerksamkeit - ja, das geht.


Okay. Jetzt ist wirklich genug Zeit vergangen. Ich werde mal von vorne lesen (Edit: Keinen einzigen Fehler verbessert, obwohl genug davon da sind!). Wenigstens ein Teil davon, nachdem ich mich schon an meine vergangenen Worte gar nicht mehr richtig erinnere. Ich habe übrigens mein Handy verloren heute. Im Auto der Freundin, mit der ich unterwegs bin. Alles ein wenig doof. Nun muss ich sie morgen erst anrufen, dann das Handy holen, dann das Handy aufladen (es war komplett leer zum Schluss) und dann kann ich die Nachrichten lesen, die mir vielleicht noch geschickt wurden. Ich habe diesem einen Typ noch einige Nachrichten geschickt. An sich also gut, dass ich es gerade nicht bei mir habe. Betrunken schreibt man nur allzu oft Nachrichten, die man nicht schreiben sollte. Selbst mein kontrolliertes Betrunken-Ich macht das.


Ich hoffe, ich kann das hier morgen lesen, ohne mich komplett zu schämen. Übrigens: Kartoffelchips sind nachts und betrunken nicht mal halb so lecker, wie ich es erwartet hätte.

10.12.17 02:50, kommentieren

Zufrieden geben

Zugegeben. Meine Antwort habe ich schneller bekommen als ich gedacht hätte.


Und ja. Zugegeben. Sie gefällt mir nicht. Eigentlich ist das eine Untertreibung. Ich habe nun 2 1/2 Stunden gebraucht, um mich halbwegs wieder abzuregen und mich fern von dem Gefühl, gleich am liebsten loszuheulen oder auszurasten, zu befinden.


Seltsam. Manche Menschen lösen innerhalb kürzester Zeit in einem etwas aus. Es ist ein wenig so als würden sie in einem etwas zu schwingen bringen und man selbst lauscht dem Klang dessen immer noch nach, selbst dann, wenn diese Menschen gerade nicht mal mehr in der Nähe sind.


Ziemlich übertrieben, wenn man mich fragt. Diese Gedanken, diese Gefühle. Diese Worte.


Vor einigen Wochen fragte mich jemand, ob ich eher ein Kopf- oder ein Bauchmensch sei. Mein Magen hat seit gestern schrecklich rebelliert und ich habe seitdem kaum wirklich was essen können. Nicht genug jedenfalls. Auf meiner Zunge brennt seitdem der Geschmack von Säure. Ich muss mich nicht fragen, woran das liegt. Ich nehme mir das all nicht schrecklich zu Herzen - aber es schlägt mir geradewegs auf den Magen. Wortwörtlich.


Nein, ich bin mit der Antwort nicht zufrieden.
Aber bin ich zufrieden, wenn ich mich damit zufrieden gebe? Ich denke nicht.


Ich habe so die Nase voll davon, dass man sich mit etwas zufrieden gibt, was einen nicht zufrieden macht. Menschen haben sich schon mit mir zufrieden gegeben, obwohl sie so viel mehr verdient gehabt hätten als ich ihnen in dem Moment zu geben bereit war. Und nichts anderes habe auch ich immer wieder mit einzelnen Menschen erlebt. Ich mag das nicht mehr.


Ich will jemanden, für den ich viel zu tun bereit bin. Und jemand, der das ebenso erwidert. Jemand, der mir das Gefühl gibt, von Bedeutung zu sein. Wirklich von Bedeutung. Nicht nur in der Theorie.
Jemand, mit dem sich jede Sekunde berauschend anfühlt und der mehr zu tun bereit ist, um unsere Zeit um jede weitere Sekunde zu verlängern. Ich habe mich heute ehrlich gefragt, ob ich überreagiert habe. Aber ich empfinde es nicht so und ich will mich nicht mit etwas zufrieden geben, was mich nicht zufrieden macht.

8.12.17 23:01, kommentieren