Für den Moment

Ich liege flach auf dem Rücken und spüre die weichen Decken unter mir. Das Gras kitzelt und kratzt gelegentlich meine Füße. Die Sonne scheint mir hell ins Gesicht, wärmt mich, lässt mich lächeln. Ein leichter Windhauch weht mir übers Gesicht, streichelt meine nackte Haut, zerzaust mir zärtlich das Haar. Ich mache die Augen zu, weil ich die Schönheit dieses Moments mit offenen Augen kaum ertragen und aushalten kann.


Ich schnaufe spürbar aus, versuche diesen ganzen Moment aufzusaugen. Du kannst sehen, wie sich meine Brust dabei stark anhebt und ebenso deutlich wieder senkt. Mein Kopf ruht auf deinem Arm. Meine Hand berührt deine Brust, fährt darauf sanfte Kreise entlang. Deine Hand ruht irgendwo an meinem Haar. Ich spüre, wie du es mir immer wieder zärtlich wegstreichst, ganz ohne dass du es bewusst machen würdest. Du küsst mich seitlich auf die Stirn. Es fühlt sich gut an.


In diesem Moment bin ich nur. Nicht anderes. ch spüre deine Nähe, genieße deine Zärtlichkeit und habe das Gefühl, jetzt gerade nur für diesen Moment zu leben. Die Zeit mit dir ist wie eine Momentaufnahme. Es gibt nur diesen einen Moment für uns und wir beide wissen seinen Wert zu schätzen.


Manchmal, wenn du redest, dann betrachte ich fasziniert das Gesicht. Ich versuche mir dein Grinsen, das manchmal leicht frech wirkt, einzuprägen. Deine Haare, durch die ich manchmal gerne strubbel. Dein Profil, wenn du in die Ferne siehst, weil du gerade beim Erzählen überlegst. Deine Augen. Am Anfang fand ich, dass du etwas Trauriges, Tiefes in den Augen hast. Und gleichzeitig mochte ich deine Augen seit unserer ersten Begegnung ganz besonders an dir. Ich habe dir das nie gesagt und ich habe nicht vor, das zu ändern.
Wenn ich über deinen Körper streiche, dann versuche ich, mir jeden Zentimeter davon zu merken. Ich präge mir ein, wie sich deine Haut unter meiner Hand anfühlt. Wie es sich anfühlt, darüber zu streichen. Wie du auf meine Berührungen reagierst.
Weil wir nur diesen Moment haben und weil klar ist, dass dieser irgendwann vorbei sein wird. Ich weiß, dass ich das alles jetzt genießen muss. Ich muss nicht, aber wenn ich es nicht tue, werde ich es bereuen.


Ich weiß, dass dieser Moment nicht zu lange dauern kann. Darf. Weil es nur für Schwierigkeiten sorgt. Bei mir. Bei dir nicht. Ich habe den Eindruck, du kommst gut damit klar, wie die Dinge bei dir sind. Oder vielleicht auch nur damit, dir selbst zu sagen, dass du gut damit klar kommst, wie die Dinge bei dir sind.
So oder so können die Dinge für dich eine Weile so bleiben. Für mich nicht. Du hast mal gesagt, ich könne nur gewinnen. Ich habe Angst, mich zu verlieren. Ich habe Angst, auf der Stelle stehen zu bleiben, um mich an deiner Seite befinden zu können. Im tiefen Wissen, dass ich nur weiterkomme, wenn ich weitergehe. Auf Dauer. Und trotzdem. Es ist schön an deiner Seite, also bleibe ich. Für den Moment. Wir werden uns noch früh genug wieder Lebwohl sagen.

19.4.18 21:34, kommentieren

Am Ende wird alles gut. Sowieso.

Um es mit wenigen Worten zu sagen:


Manchmal brechen diese Momente über mich ein, aus denen die Melancholie und der Pessimismus förmlich tropfen. In letzter Zeit habe ich sie wieder besser im Griff, die meiste Zeit über. Ich weiß, dass ich mich ihnen nicht zu sehr widmen darf, dass ich mich ihnen gedanklich nicht zu sehr stellen darf.
Ansonsten hätte ich keine Chance gegen diese Urängste, die in jedem von uns und vielleicht in mir ganz besonders, schlummern.


Was mir fehlt, ist die Richtung. Perspektive. Das Gefühl, dass alles in eine Richtung geht, die mir mehr gefällt.


Für den Moment ist das alles okay. Irgendwie. Ich führe ein solides Leben, ich habe eine gute Arbeit mit Perspektive. Der Ort hier ist nicht der schönste, aber man kann sich mit vielem arrangieren. Ich bin immer noch der Meinung, dass es traurig ist, zu sagen, dass man sich mit etwas arrangiert hat. Aber für mich steht fest, dass es nur eine Zeitsache sein wird. Etwas, was ich für den Moment so hinnehme, ehe ich irgendwann aktiv etwas daran ändern kann. Ich habe Freunde. Hier und da. Gute und welche, die es mal werden könnten.
Ich habe niemanden auf die Art und Weise an meiner Seite, wie ich es mir wünschen würde, zergehe aber längst auch nicht mehr so vor Einsamkeit. Auch hier denke ich: Alles eine Frage der Zeit. Manche Dinge lassen sich finden, indem man sie sucht. Auf manche Dinge kann man schlicht nur warten.


In meinem Leben gibt es manche Abenteuer. Viele spannende, aufregende Momente. Viele Tage, an denen ich abends unglaublich müde ins Bett falle, weil so viel los war. Ich erlebe viel Zuspruch, viel echte Zuneigung und ja, sogar Begehren.


Für den Moment ist das alles okay. Irgendwie. Immer unter der Voraussetzung, dass es nur für den Moment so ist. So, wie man mal für den Moment ohne ein Auto auskommen kann oder es schafft, einen Traum zurückzuschieben zu Gunsten anderer Dinge oder Menschen. Für den Moment geht das alles. Auch wenn mir die Gefahr, dass man sich irgendwann mit dem Moment so sehr arrangiert, dass eine ganze Momentkette daraus wird, unglaublich groß vorkommt.


Ich halte das alles hier nur noch aus, weil ich immer wieder denke, es geht nach vorne. Weil ich immer wieder denke, dass alles am Ende gut wird. Sowieso.

2 Kommentare 19.4.18 00:38, kommentieren

Zwei Seiten

Du sitzt unmittelbar neben mir. Ich spüre gelegentlich dein Knie an meinem. Du schaust mich an, doch ich lasse mir nichts anmerken. Warum auch? Wir sind so viel weiter als zwei Knie, die sich berühren. Und trotzdem fühlt es sich gut an, dich so nahe bei mir zu wissen. Natürlich. Als wäre das alles hier völlig natürlich.
Wir essen in einiger Stille. Um uns herum dudelt Musik, Menschenstimmen sind zu hören. Es ist egal, ob das hier natürlich ist. Es ändert nichts. Ich lasse meine Gedanken ein wenig treiben, genieße den Geschmack des guten Essens und überlege gelegentlich, ob ich etwas sagen sollte. Aber warum? Es fühlt sich nicht unangenehm an. Eher bin ich froh, auch mal mit dir schweigen zu können.


Irgendwann berührt deine Hand meinen Oberschenkel. Vorsichtig, sanft, fragend. Ich schaue dich nicht an, lasse dich aber sehen, wie ein Lächeln über mein Gesicht huscht. Es ist so eine unschuldige Geste, wie du mich Richtung Knie streichelst und mich ein Mal mehr nicht vergessen lässt, wie nahe du bist. Näher kommst du mir nicht, aber näher könntest du mir in diesem Augenblick auch kaum sein.



Und trotzdem. Trotzdem könnten wir kaum weiter voneinander entfernt sein. Wir sind zwei Träumer in der gleichen Dimension. Zwei Seelen, die einander kurzzeitig das sind, wonach sie sich sehnen. Zwei Menschen, die sich ihre eigene Welt in den schönsten Farben ausmalen. Nur bis sie es irgendwann leid sind und desillusioniert aufwachen und weiterziehen.


Wir verzaubern uns. Immer wieder. Mit Worten und mit Gedankenspielen. Mit Fantasien. Ich weiß, dass das Ganze niemals die Realität sein wird, von der wir uns jetzt wünschen, dass es so sein könnte. Wir versprechen, versichern, sichern uns ab.


Bin ich deswegen traurig?
Manchmal. Ich wäre gerne das für dich, von dem du sagst, dass ich es für dich bin. Oder überhaupt für jemanden. Glaube ich dir nicht, obwohl du immer sagst, dass du jemand bist, der meint, was er sagt? Vielleicht. Wie viele Menschen, die selten meinen, was sie sagen, behaupten etwas anderes über sich? Zu viele.


Ich träume mit dir. Lasse mich eine Weile verzaubern und versuche mein Bestes, genau die gleiche Wirkung auf dich zu haben.


Was erhoffe ich mir?
Nicht zu viel. Weil alles andere weh tun könnte. Ich mache mich jederzeit darauf gefasst, alleine weitergehen zu müssen. Das macht es einfacher, mich nicht zu sehr fallen zu lassen in diesem Augenblick.
Die Fronten sind geklärt und manchmal bedauere ich, dass es gewissermaßen tatsächlich welche sind. Wir stehen auf zwei Seiten vom Leben.
Wenn ich mich für eine davon entscheiden müsste, würde ich gerade nach einer dritten fragen.

1 Kommentar 16.4.18 23:42, kommentieren