Eine Menge Vielleichts und ein Abschied

"Was soll ich sagen, kann eigentlich nicht klagen nur,
das Denken an Dich schlägt mir langsam auf den Magen,
Du bist kein Stein im Bauch, sondern mehr so
wie eine Mauer drum,
(...)
Ich frag mich leise, führt das alles hier zu nix,
und wäre es besser, verschwände ich jetzt fix. (...)"

(Mark Forster - Karton)


"Ich hab oft nichts gesagt
Doch wenn's mal wichtig war
Und kam's drauf an
Dann war ich nicht da
Menschen, die ich mag
Lass ich an mich nicht ran
Ey, ich genieß' das Tamtam
Ich nehm' das volle Programm
Doch fühl mich verlor'n
Wird's mal still dann und wann
Und wenn man glaubt, mich zu kenn'
Dann bin ich einfach gegang' "

(Ebenfalls von Mark Forster - Flüsterton)



Dieser Eintrag gehört allein dir. Nur dieser eine und dabei bleibt es dann.
Naja, so ganz stimmt das nicht. In Wahrheit gehört dieser Eintrag vor allem mir. Dir bin ich das hier nicht schuldig, absolut nicht. Mir jedoch schon.


Du gibst mir nicht die geringste Chance im Reinen mit der Situation einen anderen Weg zu gehen als du. Ich sagte mal, ich würde das hier nicht auf diese Art machen. Aber ich habe es ja bereits vor ein paar Tagen schon auf eine andere Art gemacht. Ein Versprechen breche ich also nicht wirklich.
Und nachdem wir all die Dinge, die wir uns gesagt und versprochen haben, ohnehin nicht einhalten - du allem voran nicht - wüsste ich auch nicht, warum ich das hier nicht tun sollte.
Ich verzichte auf sämtliche künstlerische Freiheit. Nimm jedes Wort, wie es ist. Oder lass es. Ich möchte nicht, dass das für mich eine Rolle spielt.


Ich muss ein wenig aufpassen, möglichst jedem Gedanken in meinem Kopf eine würdige Rolle in diesem Eintrag zu schenken. Es ist nicht wirklich einfach und so ist der Eintrag das Ergebnis von Tagen.
Es wäre einfacher, wüsste ich, wie die Dinge sind. Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Nicht zu wissen, wie sie sind, gestaltet das schwierig. So wechselt mein Kopf hin und her, ist mal auf Krawall gebürstet und im nächsten Moment findet sich doch wieder eine große Kiste Verständnis. Auch wenn ich denke, dass mein Vorrat an Verständnis-Kisten allmählich aufgebraucht sein sollte.
Diese Wechsel bekommen mir nicht. Genau das passiert, wenn man mich im Unklaren lässt.
Und so werde ich auch in diesem Eintrag keine gerade Linie fahren können. Das geht vielleicht auch gar nicht, denn er richtet sich gleichermaßen an den gutmütigen, gutherzigen, liebenswerten Menschen, den ich kennengelernt habe, wie den scheinbar recht feigen, ignoranten, wohl gleichgültigen Menschen, als den du dich mir im Moment präsentierst. Ich weiß nicht, ob das wirklich du bist. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß, dass du mir drei, vier Monate lang wirklich gefallen hast und ich weiß, dass beide Seiten ein Teil von dir sind. Ich weiß, was ich glauben möchte.


Sicher könnte ich all meine Energie darin investieren, zu spekulieren und mutzumaßen, was eigentlich überhaupt passiert ist. Vielleicht bin ich dir schlicht egal. Vielleicht ist dir klar geworden, dass du den Menschen, der ich bin, nicht wirklich magst oder dass dich zu viel an mir stört. Vielleicht bin ich dir gewissermaßen lästig geworden.
Vielleicht hast du gemerkt, dass es besser für dich, für mich wäre, getrennte Wege zu gehen. Vielleicht hast du auch einfach Depressionen (ich ziehe alles in Erwägung). Vielleicht bist du festgefahren in deinen Denkmustern, vielleicht auch einfach nur gedankenlos. Vielleicht brauchst du einfach Zeit, um Dinge in deinem Leben zu regeln. Vielleicht sabotierst du dich selbst. Vielleicht erträgst du auch gerade wirklich einfach nicht die Intensivität, die Zuneigung, die unser Kontakt bedeutet hat.
Aber vielleicht bist du auch einfach nur ein Idiot.
Ich denke, du kannst nicht erwarten, dass ich dich verstehe, auch wenn ich es ehrlich versucht habe. Vielleicht verstehst du mich auch nicht, dann wirst du diese Worte hier aber wohl auch nicht verstehen.


Am naheliegendsten ist für mich, dass dir der Kontakt offensichtlich nichts mehr bedeutet und du mich eigentlich nicht in deinem Leben haben möchtest. Nicht wirklich. Wenn es so ist, ist es doch okay. Sag es doch. Meine Güte. Dass Menschen oft so ein Affentheater machen statt einfach mal Klartext zu sprechen. "Ich will den Kontakt nicht mehr", "Ich brauche Zeit, lass uns eine Pause machen", "Ich habe gemerkt, dass das für mich nicht so passt.". Oder auch ein "Ich mag dich zwar, aber ich brauche etwas Zeit für mich".
Wäre das echt so schwierig, mir zu sagen, woran ich bin? Offensichtlich.
Stattdessen lässt du mich in der Luft hängen und ich weiß nicht, woran ich bei dir bin.


"Du bist nicht so leicht zu vergraulen, oder?",
waren deine letzten Worte und ich habe mich gefragt, wer dir das recht gibt, soetwas zu fragen. Vermutlich hast du es gar nicht so gemeint, doch hat es mich mehr getroffen als ich zugeben wollte, es hat mich in meinem Stolz verletzt. Ich habe mich in dem Moment wie ein Straßenköter gefühlt, der immer wieder weggetreten wird und trotzdem zu bescheuert ist, um sein Glück woanders zu suchen.


Es mag vielleicht unglaublich wirken, aber ich habe Stolz. Wenn du mich fragst, beweise ich durch mein Verhalten Klasse. Bei all meinen Macken und Schwächen bin ich doch immer mehr davon überzeugt, dass es viel für sich hat, mich in seinem Leben zu wissen. Ich habe meine Fehler, weiß darum, und ich besitze viel Herz. Wenn ich die Möglichkeit hatte, etwas zu klären und anzusprechen, bin ich nicht nachtragend, ich bin da und ich glaube fest an das, was ich in einem Menschen sehe. Mich kann nichts so schnell in dem Vertrauen, das ich in einen Menschen setze, erschüttern. Und so emotional ich auch sein mag, so sehr ich mich auch von Gefühlen mitreißen lasse, verliere ich doch nie ganz den Halt.


Siehst du es? Ich komme in diesen Rechtfertigungsmodus, weil vor allem eines an mir nagt: Vielleicht glaubst du ja, ich bin so gutmütig, jedem mein Herz hinterher zu schmeißen als wäre es nichts wert? Nur in der Hoffnung, dass irgendwer es auffängt statt darauf herumzutrampeln?


Nö. Ein weiteres Mal: Absolut nicht. Verdammt noch mal, es ist gar nicht so einfach, meine Zuneigung zu gewinnen. Ich schenke sie nicht jedem. Vor allem nicht in den Maßen, wie du sie dir in den letzten Monaten erschlichen hast. Da war ein gutes Gefühl und mein Gefühl täuscht mich nicht so oft, nicht wenn es um Menschen geht. Ich habe noch nie meine Energie, meine Zeit und meine Emotionen in eine Geschichte, in einen Menschen investiert, der es nicht wert gewesen wäre. Noch nie.
"Du bist noch jung, irgendwann ist immer das erste Mal"
, sagte eine Freundin gestern. Mag sein. Aber vergiss es. Ich lass es nicht zu. Ich bereue nicht. Ich werde diesen Kontakt nicht bereuen und ich werde nicht bereuen, dass du mir wichtig geworden bist und ich so viel von meinem Leben mit dir geteilt habe.


Klar, sicher hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht. Ich hätte mir überhaupt ein Ende gewünscht. Das hier ist kein Ende, es ist nur eine Geschichte, bei der der Autor versagt hat und einfach mitten in der Geschichte das Schreiben unterbricht und die Geschichte unbeendet lässt. Ich hasse unbeendete Geschichten. Wesentlich mehr als die, die ein Ende haben, das mir nicht gefällt, denn die sind wenigstens in sich irgendwie rund. Man kann sie als Leser oder Zuschauer zur Seite legen und seinen Frieden damit finden. Man muss sich nicht ständig fragen, wie sie weitergegangen wäre.
Gut, vielleicht überwindet der Autor unserer Geschichte irgendwann seine Schreibblockade. Ich wünsche es uns. Aber ich kann mich nicht darauf verlassen und das werde ich auch nicht.


Es ist neu für mich, so behandelt zu werden, wie du es gerade tust. Oder getan hast. Kann man überhaupt noch davon sprechen, dass du mich irgendwie behandelst, wenn du mich einfach komplett ignorierst?


Du hattest gesagt, du ziehst dich zurück, wenn es dir mies gehe. Okay. Ist es denn noch so? Oder kann das sein, dass du dich einfach nur mir gegenüber zurückgezogen hast? In meiner Vorstellung, denn genau so kam es bei mir an, lebst du dein Leben genau so weiter, wie du es schon vor zwei oder drei Monaten getan hast. Du verfolgst deine Ziele, du unternimmst Dinge, du verbringst deine Zeit mit den Menschen, die du magst, du hängst deinem Herzschmerz nach. Nur hast du mich herausgeschnitten. Als hätte ich gar nicht erst wirklich Platz gehabt. Vielleicht willst du mich ja auch einfach nur vergraulen und darin bestätigt werden, dass ich auch nur wie alle anderen bin?


Ich habe förmlich vor Augen, wie du mir entgegnest, dass du mir gesagt hast, du könntest mir gerade nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ich verdient hätte. Darum geht es mir doch gar nicht. Es ist okay, eine Weile nicht so intensiv miteinander zu tun zu haben. Aber ich muss wissen, woran ich bin. Ich habe jeden Stich, egal, ob er bewusst oder unbewusst kam, ignoriert. Ich habe darüber hinweg gesehen, dass du mir plötzlich auf viele entscheidende Fragen nicht mehr geantwortet hast und mir immer dann, wenn es für mich entscheidend gewesen wäre, dass du mir etwas erwiderst, ausgewicht bist. Dass du jeden Hauch von Tiefe sofort abgeblockt hast. Pff, ich denke noch immer daran, wie du mir gesagt hast, ich würde alles ausdiskutieren wollen, nachdem ich deine Aussagen hinterfragt habe und froh war, mal nicht nur über Sport zu reden. Fast hätte ich geschrieben, ich fände das fast witzig, aber in Wirklichkeit war das ein ziemlicher Stich und ich habe das Gefühl, ich werde immer empfindlicher. Nicht, weil ich tatsächlich so empfindlich wäre. Da hat sich einfach zu viel angestaut, was ich mit dir nicht klären kann.
Teilweise hast du ja nicht mal mehr reagiert. Ich kann sehr viel geduldiger sein, als du es mir manchmal unterstellt hast, weißt du? Ich hätte das hier noch Wochen oder Monate ausgehalten. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass du das überhaupt möchtest. Vielleicht willst du auch einfach nicht, dass ich das aushalte. Ach, ich weiß es doch auch nicht. Ich möchte dich nicht als rücksichtslosen Egoisten in Erinnerung haben. So hab ich dich nicht kennengelernt und so sehe ich dich an sich auch nicht. 

 

Ich finde nicht, dass ich zu viel erwartet habe. Aber vielleicht war es bereits mehr, als von dir zu erwarten ist. Ich habe dich ein paar Mal gefragt, ob du mich überhaupt in deinem Leben haben möchtest. Du hast es ignoriert. Und ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass du mir offenbar nicht mal mehr das beantworten kannst. Nicht mal ein "Ich weiß es nicht", einfach nichts. Als würde sich die Welt da draußen auflösen, nur weil man die Hände vor die Augen legt. Also ehrlich, entschuldige, aber das nennt man feige.


Was soll ich in dem Leben eines Menschen, der offenbar gar nicht weiß, ob er mich darin haben möchte? Sollte ich mir selbst dafür nicht zu schade sein? Mein Stolz sagt, ich darf nicht zulassen, mich so unter meinem Wert zu verkaufen.
Mir hätte es gerade ganz schlicht gereicht, hättest du mir einfach mal gesagt, dass dir der Kontakt an sich wichtig ist. Nein, "Ich schätze dich" ist nicht das Gleiche. Und nein, manchmal genügt es nicht, dass man die Dinge eigentlich wissen müsste. Nach den letzten vier Wochen bin ich immer mehr davon überzeugt, dass ich dir (plötzlich) einen Dreck bedeute. Aber ich will fair bleiben: Es gab immer wieder mal kleine Momente, die sich gut angefühlt haben, in denen ich dachte, dass ich dir doch nicht ganz egal sein kann. Ein klares Wort hätte mir aber einfach geholfen.
Es wäre wohl etwas anderes, hätte ich den Eindruck, du würdest andere Menschen in deinem Leben gerade genauso behandeln, aber ich habe immer mehr das Gefühl, da Sonderrechte zu haben, was diese gefühlte Gleichgültigkeit angeht. Es wäre etwas anderes, könnte ich mir sicher sein, dass du gerade einfach in deinem Leben generell so strauchelst. Aber aus der Entfernung kommt es bei mir nicht so an und hey, ich kann nicht Gedanken lesen. Vor allem nicht aus der Ferne.
Ich bin nicht der erste Mensch, der dein Verhalten als Desinteresse und Gleichgültigkeit interpretiert. Da bin ich mir sicher und das ist mir klar. Auch das weckt Hoffnung, dass es vielleicht gar nicht so ist und ich denke mir immer, dass das etwas ändert. Aber tut es das tatsächlich?


Es gibt so unheimlich viel noch für mich zu sagen. Mein Kopf ist voll mit den Gedanken, die einfach nur noch raus wollen. Raus, damit es für mich weitergehen kann.
Wenn du mich verletzen wolltest, hast du das wohl geschafft. Versteh mich nicht falsch: Wirklich verletzt hat mich, dass du jetzt zum Schluss, als ich mich von dir verabschiedet habe, nicht ein Wort dazu gesagt hast. Nicht mal ein "Mach's gut", kein "Tschüss". Nichts. Das hätte doch irgendwie gereicht.
So fühlt sich das an, als wäre ich dir nicht mal mehr das wert. Und gleichzeitig lässt du mich auch dadurch völlig im Unklaren. Vielleicht hast du ja vor, dich irgendwann mal wieder zu melden. Vielleicht musst du dir noch Gedanken machen (aber ganz ehrlich - sonst hast du mir wenigstens Bescheid gegeben, damit es mir nicht unnötig schlecht geht). Vielleicht hast du dich aber auch schon längst von mir verabschiedet und hast nicht den Anstand, es auch anzusprechen.
"Wir haben mal gesagt, wir verabschieden uns persönlich voneinander, wenn es dazu kommen sollte", hast du beim letzten Mal so oder so ähnlich gesagt, als ich dir von meiner Sorge erzählt habe, es würde zu Ende gehen. Was soll ich denn noch glauben? Hat das wirklich noch Bestand?


Vielleicht habe ich mir etwas vorgemacht. Vielleicht habe ich mich einfach an einen Gedanken geklammert. Eine Seifenblase. Eine Illusion, die mir so echt, so naheliegend erschien. Die sich so gut angefühlt hat.
Ich denke, das müsstest du kennen, auch wenn du das vielleicht gerade anders siehst. Aber du jagst doch selbst immer und immer zu noch deiner Illusion hinterher, von der du dir so viel Glück versprichst und drehst dich dabei nicht weniger in Mordsgeschwindigkeit um deine eigene Achse wie ich es in den letzten Monaten getan habe. Naja gut.
Ich schätze, diese Geschichte war  vielleicht einfach zu kompliziert. Geschichten, die so kompliziert sind, gehen meist nicht so aus, wie man sie sich erhofft.
Wenn zwei Menschen sich mögen, dann mögen sie sich. Dann braucht es kein Hin und Her, kein Wenn und Aber. Kein Hickhack und kein Kindergartengetue. Und wenn es das doch gibt... nun, dann macht es die Sache interessanter, aber nicht unbedingt echter.


Ich erinnere mich nicht daran, dass ein Mensch, der einmal meine Zuneigung gewonnen hat, es jemals geschafft hätte, es sich mit mir so derartig zu verderben, dass ich ihm unter keinen Umständen jemals noch mal eine Chance gegeben hätte. So bin ich nicht. Dafür finde ich doch immer irgendwie etwas Verständnis, etwas Mut. Meine Tür steht normalerweise immer ein wenig offen für jeden Menschen, der mir mal etwas bedeutet hat.
Bisher hat es niemand geschafft, mich mit seinem Verhalten so zu verletzen, dass das anders gewesen wäre.
Und ich werde dir verdammt noch mal nicht das Privileg geben, da eine Ausnahme darzustellen.


In meiner Erinnerung bist du schon jetzt zwei Personen. Der Mensch, den ich so ins Herz geschlossen habe, der mich berührt hat. Mit dem ich eine Pseudo-Beziehung hatte. Der Mensch, mit dem ich reden und lachen konnte, dem ich von meinem Alltag erzählt habe und der mir das Gefühl gegeben hat, ein Teil seines Alltags zu sein. Jemand, bei dem ich die leise Hoffnung hatte, es könnte etwas Längeres daraus werden. Keine Eintagsfliege. Jemand, der mich ein wenig zum Lächeln gebracht hat, wenn ich an ihn gedacht habe.
Und dann diese Person der letzten Wochen. Als ich mir dein Verhalten noch damit erklären konnte, dass das Leben dich einfach komplett überrollt und lähmt, war das noch alles hinzunehmen. Erwarte nicht von mir, dass ich dich verstehe, wenn du mir keine Chance gibst, es zu tun.


Ich weigere mich, zu denken, ich hätte mich in dir getäuscht. Meinetwegen kannst du noch deine größten Idiotenseiten raushängen lassen, es ändert nichts daran, dass ich weiß, dass es da mindestens eine Seite in dir gibt, die mir wirklich gefallen hat. Ich finde nicht gut, wie du dich mir gegenüber verhalten hast und ich finde es nicht in Ordnung, aber ich werde nicht anfangen, zu glauben, ich hätte mich in meinem Gefühl geirrt.


Ich verabscheue dich nicht. Nur damit du es weißt, ich verabscheue dich nicht, ich lehne dich nicht ab und ich bin nicht mal wütend. Enttäuscht bin ich wohl, ja. Ich finde nicht, dass man sich Menschen gegenüber so verhalten sollte, wie du es tust.
"Sei mal ehrlich", sagte die Freundin gestern, "jemand, der sich Menschen gegenüber so verhält... Möchtest du mit so jemandem wirklich befreundet oder sogar zusammen sein?" Ist schwer, das zu entkräftigen und allmählich fühlt sich das Argument, dass ich aber ja schließlich deine Beweggründe nicht kenne, dass ich nicht weiß, was bei dir los ist, und es vielleicht für alles eine verständliche Erklärung gibt, auch immer mehr wie eine Ausrede vor mir selbst an.
Manchmal, in guten Momenten, sage ich mir, dass ich dir vielleicht doch etwas bedeute, dass das vielleicht einfach nur eine Phase ist und dass du einfach Zeit brauchst, um dein Leben zu regeln. Und dann erinnere ich mich daran, dass es genauso gut möglich ist, dass du einfach nur ein Idiot bist.


Ich wünsche dir alles Gute. Ich wünsche dir, dass du das, was in deinem Leben passiert, für dich sortieren kannst und dass du irgendwann von deiner Illusion loslassen kannst. Und sie von dir - statt dich immer wieder und wieder bei der Stange zu halten und die Hoffnung neu in dir aufflammen zu lassen. Hoffnung ist ein listiges Biest. So lebensnotwendig sie oft auch sein mag, so fies ist sie auch, denn sie sorgt dafür, dass wir etwas, was mit unserem Herzen in Berührung gekommen ist, nicht ganz loslassen. Nicht, bis auch das letzte Stückchen Hoffnung zerstört ist.
Genau so ist es mir in den letzten vier Wochen gegangen. Ich habe gehofft, dass wir das hinbekommen würden. Ich hatte immer wieder diese Bilder im Kopf. Bilder, wie wir, du und ich, gemeinsam etwas essen, wie wir gemeinsam Gameboy spielen und Retro-Zockertage einlegen. Wie wir durch deine Stadt gehen und wir einfach zwei Menschen sind, die einander gut tun. Gute Bekannte, Freunde, vielleicht mehr. Ich hatte mich da nicht festgelegt. Diese Bilder waren einfach hell, voll Licht und Lachen.
Ich war davon überzeugt (und bin es immer noch, so schnell kann ich das nicht ändern), dass wir einander bereichert hätten. Ich war mir sicher, dass wir beide die Eigenschaften haben, die wir an anderen Menschen schätzen, die uns wichtig sind und die wir oft genug vergeblich suchen. Ich war mir da nicht nur sicher, ich bin es immer noch.


Vielleicht denkst du jetzt erstrecht, dass wir uns nie diese Menschen hätten sein können. Vielleicht fühlst du dich durch meine Worte erst darin bestätigt. Aber hey. Sei fair. Ich brauche Raum, um das alles irgendwie zu verabschieden, abzuhaken, zu verstehen. Du hast mal gesagt, wenn es dir schlecht geht, schweigst du. Wenn es mir schlecht geht, sprudeln die Worte geradezu, sagtest du. Wir haben alle unsere eigene Art, mit den Dingen, die uns bewegen, umzugehen. Deine ist es vielleicht, mich auszusperren aus allen. Das hier ist meine und sie wirkt kompliziert und zerdenkend. Für den Moment ist sie es auch und das ist okay.
Vielleicht tust du dir auch ein wenig leid und denkst dir, ich bin besser dran ohne dich und das Chaos in deinem Leben. Ich würde dir das momentan glatt zutrauen.

 

Ich verabschiede mich trotz allem, denn ich kann so nicht weitermachen. Nicht in der Luft hängend, in der Hoffnung, dass du dich irgendwann wieder meldest. Ich sehe förmlich vor mir, wie du dich bestätigt fühlst. Wieder ein Mensch, den du vergrault hast. Wieder ein Mensch, der dein Verhalten nicht versteht. Wieder jemand, der dein Leben verlässt.
Nein, mein Lieber. Ich lasse mich nicht vergraulen, nicht von dir, nicht von sonst wem. Du hast mich nicht vergrault. Ich beende hier ja nicht mal wirklich etwas. Ich flüchte nicht und ich suche nicht das Weite. Nicht ich. Du. Ich werde dir nur einfach nicht mehr hinterher rennen, während du ziellos umher tingelst und mich offenbar gerade nicht an deiner Seite ertragen kannst. Ich bleibe einfach hier sitzen. Ich werde nicht warten, aber ich habe keinen Grund, meinen Platz zu verlassen. Du wirst also immer wissen, wo ich zu finden bin.


Ich weiß nicht, ob du diesen Kontakt möchtest oder nicht. Ich stelle mich, wie du lesen konntest, immer mehr darauf ein, dass du ihn nicht mehr möchtest, auch wenn ich mir wünschte, ich könnte das wenigstens nachvollziehen. An jedem Tag in der letzten Zeit habe ich mich ein wenig mehr darauf eingestellt, mich von dir zu verabschieden und dich ziehen zu lassen.
Ich erwische mich im Alltag noch oft genug, wie ich daran denke, dass ich dir etwas unbedingt erzählen muss oder wie ich vor Augen habe, wie du auf etwas reagieren würdest, würde ich dir davon berichten. Du bist mir irgendwie so vertraut geworden und obwohl wir seit Wochen keinen richtigen Kontakt mehr haben, fühlt es sich für mich in meinen Gedanken immer noch so an als hätte sich nicht viel geändert. Du bist in meinen Gedanken immer noch da, ganz nah. Ich würde mir wünschen, dass es für dich ähnlich ist. Aber auch davon verabschiede ich mich nun.


Das alles macht es schwierig. Das macht es schwierig, jetzt wieder nach vorne zu sehen und dir nicht mehr hinterher zu blicken. Das macht es fast unmöglich, mir die wahrscheinliche, wahre Endgültigkeit meiner Worte zu verstehen, zu realisieren und nicht hier auf der Stelle jetzt einen Rückzieher machen zu wollen. Aber immer dann, wenn ich daran denke, dass wir das vielleicht doch hinbekommen können und ich nur hartnäckig genug bleiben muss, kommen all diese Momente in mir hoch, in denen ich das Gefühl hatte, dass du das eigentlich nicht möchtest.


Weißt du, es wäre nicht zu spät, mir Tschüss zu sagen. Mach's gut. Alles Gute. Servus.Vielleicht auch ein Auf Wiedersehen. Aber ich werde nichts mehr von dir erwarten. Nicht mal mehr das.


Vielleicht war es also das jetzt endgültig. Vielleicht auch nicht. Ich möchte, dass du das weißt, dass ich hier bin. Du hast genug Möglichkeiten, meinen Weg zu kreuzen. Ich werde nicht auf dich warten, ich werde nicht hoffen, nicht erwarten und nicht darauf spekulieren. Ich konzentriere mich darauf, davon auszugehen, dass unsere Wege sich nun endgültig getrennt haben.
Doch solltest du in zehn Tagen, acht Wochen, vier Monaten oder meinetwegen auch in einem oder gar drei Jahren den Mut, den Wunsch, das Bedürfnis, die Kraft oder den Drang haben, mal einen Schritt auf mich zuzugehen: Okay.


Ich verspreche dir - und das hat für gewöhnlich Wert (Hey, ich habe sogar das Versprechen mit den Waden gehalten!), denn ich bin verlässlich und aufrichtig -, ich werde dich nicht zurückweisen, solltest du dich jemals wieder melden.
Wenn etwas nicht jetzt seinen Zeitpunkt hat, dann vielleicht irgendwann in der Zukunft. Vielleicht auch nie.


Ich kann und werde das nicht mehr beeinflussen. Es liegt an dir. Du hast das in der Hand, du kannst diesen Schritt irgendwann gehen. Oder komplett lassen.


Vielleicht wirst du ja hin und wieder mal an mich denken. Vielleicht wenn der Radiomoderator am Morgen mal wieder ein Foo Fighters Lied spielt. Oder eines von Bastille. Oder wenn du irgendwo den Namen dieser entsetzlichen Gegend hörst, in der ich lebe, so wie ich das immer tue, wenn ich deinen Ortsnamen im Radio morgens höre oder auf einem Kennzeichen entdecke. Oder wenn du dich über einen neuen Erfolg freust auf deinem Weg zu deinem Ziel, so wie ich das am Sonntagmorgen meist tue.
Du hast mir mal versprochen, ich würde für dich wohl immer das Mädchen mit den magischen Worten bleiben, auch wenn du da schon meintest, dass es für dich bitter sei, würde ich nur das bleiben. Vielleicht könntest du wenigstens dieses Versprechen einhalten - dass ich wenigstens das für dich bleibe. Und selbst wenn nicht, vielleicht kann ich das hier einfach in der Vorstellung beenden, dass es so ist.


Du wirst mir fehlen.


Mach's gut!/Auf Wiedersehen!


(Schwer zu realisieren, wie ernst ich das meine, auch für mich selbst - und mit diesem letzten, schweren Gedanken werde ich nun auf "Bloggen!" klicken, denn diese Worte hier warten schon viel zu lange darauf, endlich ernstgenommen zu werden und ihren Weg in die Welt da draußen zu finden. Sie werden nicht besser und auch nicht weniger. Ich weiß nicht, ob du das hier überhaupt lesen und dann auch noch komplett lesen wirst. Das werde ich vermutlich auch nicht erfahren. Ich will nicht, dass es für mich eine Rolle spielt, auch wenn es das tut. Ich würde dir noch gerne so viel sagen, aber damit werde ich nun leben. Mach's gut. Auf Wiedersehen. Wie auch immer.)

1 Kommentar 23.6.17 21:53, kommentieren

Was wirklich wichtig ist

Am Computer, hinter diesem Eintrag, sitzt eine komplett aufgelöste, tränenverschmierte, leichenblasse Exhausted. Nicht, dass ich nicht gelegentlich mal weinen würde, aber das, was ich gerade erlebt habe, war neu.


Nach der heutigen langen Fahrt quer durch Deutschland zu meiner Wohnung hatte ich mich später am Abend noch ins Fitnessstudio begeben. Danach wollte ich Dinge für morgen vorbereiten, noch ein wenig meine Sachen verstauen und meine Mutter anrufen.


Meine Mutter und ich telefonieren ziemlich viel und ziemlich oft am Tag. Mr. Nevermind und später auch der Nachbarjunge haben sich oft darüber lustig gemacht. Mr. Nevermind fand das nach 3 1/2 Jahren allerdings nicht nur witzig (vermutlich bis dahin sogar eher weniger witzig) sondern auch etwas irritierend. Solange ich außerhalb einer Beziehung bin, kann ich sagen, dass meine Mutter der absolut wichtigste Mensch in meinem Leben ist. Ich finde nicht alles gut an ihr, sie geht mir manchmal ganz ungeheuerlich auf den Keks (so wie kein anderer Mensch das schafft) und nach zwei Wochen Urlaub daheim sind wir beide froh, wenn wir dann nicht mehr die ganze Zeit gemeinsam im gleichen Haus sind, aber: Sie ist immer für mich da, wir sind uns ähnlich und wir haben eine enge Bindung zueinander.


Viele der Anrufe sind in den Alltag eingebaut. Morgens telefonieren wir beispielsweise kurz, bevor ich zur Arbeit fahre.Manchmal telefonieren wir lange und viel, manchmal kurz und wenig. Für gewöhnlich telefonieren wir auch abends kurz, bevor eine von uns schlafen geht.


Mir ist klar, wie verrückt das auf viele Menschen wirken muss. Mutterkind. Ja, mag sein. Ich rechtfertige mich an der Stelle gerne damit, dass die Bindung eines Kindes zu seiner alleinerziehenden Mutter einfach eine andere ist, auch im Erwachsenenalter. Ich hatte immer mit Verlustängsten zu kämpfen und tue es gewissermaßen noch immer, da mir heutzutage einfach besonders bewusst ist, wie vergänglich alles ist. Manchmal überkommt mich durch manche meiner Gedanken der Verdacht, dass ich - und das muss dann auch als Kind schon so gewesen sein - immer eine gewisse Verantwortung gegenüber meiner Mutter und ihrem Glück empfunden habe.


Nun. Ich kam also in meiner Wohnung an, räumte ein paar Sachen weiter aus, griff zum Hörer. Und erreichte sie nicht. Ich zuckte die Schultern, setzte mich an den Computer, ging ein wenig ins Internet, versuchte es ein paar Minuten später erneut. Und erneut. Ich wurde allmählich stutzig, dachte mir aber noch nicht viel dabei. Manchmal schläft sie dann eben doch schon früher. Normalerweise bekomme ich dann aber eine Nachricht. Oder sie ist spontan eingeschlafen. Normalerweise geht dann aber meine komplett müde, brummige Mutter ans Telefon, weil es dennoch in Reichweite liegt. Sie hat einen recht leichten Schlaf.


"Was ist",
meldete sich dann eine ziemlich hässliche Angst in meinem Kopf, "wenn es einen anderen Grund hat, warum du sie nicht erreichst?"


Allein bei diesen Worten schießen mir wieder die Tränen in die Augen.
Innerhalb einer Dreiviertelstunde habe ich sie wohl etwa zwanzig Mal angerufen (allein auf dem Handy waren es neun Mal). Bis zu dem Zeitpunkt war ich noch relativ ruhig, auch wenn ich mit jedem Anruf ein wenig nervöser wurde, etwas zittriger.


Ich sah vor Augen alle möglichen Szenarien. Gestürzt. Bewusstlos. Schlimmeres. Und mit jeder weiteren Szene in meinem Kopf nahm ich erneut den Hörer in die Hand. Sie ist doch alleine in diesem Haus. "Der Hund würde Alarm schlagen", kam mir in den Sinn. Mit Sicherheit kann ich das aber nicht sagen und so zerschlug ich den Gedanken wieder, ehe er mich richtig beruhigen konnte.


Genau das ist nämlich - tut mir leid - die Scheiße mit dieser Entfernung. Mein Kopf ratterte, ich überlegte, was ich tun könnte. Zuerst schrieb ich einer Freundin meiner Mutter per Whatsapp. Keine Reaktion (vermutlich schlief sie schon oder hatte das Handy nicht in Reichweite).
Danach schrieb ich meinen Cousin an, um zu erfragen, ob meine Tante vielleicht noch wach sei. Auch der meldete sich nicht und ich wurde immer panischer. Die Hilflosigkeit und die Panik wurden immer mehr.


Dann setzte ich mich wieder an den PC, suchte im Online-Telefonbuch die Telefonnummer unseres Nachbarn. Netter Mann Ende 60, der sich immer freut, wenn er etwas von mir hört. Normalerweise reden wir aber persönlich miteinander, nicht am Telefon.
"Ja?", schnauzte er in den Hörer - klar, ich rief zu einer eher unchristlichen Uhrzeit an.
"Hallo ...", sagte ich mit zittriger Stimme und versuchte, mir nicht zu sehr meine Panik anmerken zu lassen, "...hier ist ... ."
Sofort grüßte er mich überschwänglich und ich bemerkte erleichtert die Veränderung in der Stimme - es war okay, dass ich anrief. Und selbst wenn nicht, ich sah keine andere Möglichkeit. Hätte ich ihn nicht erreicht, hätte ich bei seinem Sohn (ebenfalls über Telefonnummer aus dem Telefonbuch) angerufen (oh, der wäre begeistert gewesen... mit Sicherheit... ich denke, er ist nicht unbedingt gut auf mich zu sprechen, aber egal).


Ich erklärte ihm die Situation und versagte jämmerlich bei dem Versuch, mir nicht zu viel anmerken zu lassen.
"Oh, es ist bestimmt alles gut", sagte er, "sie meinte vorhin noch, sie sei so müde und sie sei so geschlaucht von der Hitze"
Ich versuchte ein Geräusch zu machen, das sagen sollte, dass er bestimmt recht habe und versagte dabei ebenso kläglich.
Er versprach mir, mal nach ihr zu sehen und legte auf.


Und dann ging's erst so richtig los bei mir. In den fünf Minuten, in denen ich nichts hörte, hatte ich eine astreine Panikattacke. Ich hyperventilierte auf eine Art und Weise, wie mir das noch nie passiert ist, sodass ich am Ende schwummrig durch meine Wohnung torkelte und versuchte, mich zusammenzureißen, um nicht noch wegen Sauerstoffmangel umzukippen. Es gibt da diese Atemtechnik beim Hyperventilieren, die man anwenden kann (nutze ich öfter mal, wenn Kinder auf der Arbeit hyperventilieren...), doch als ich mich gerade halbwegs beruhigt hatte, sah ich zufällig in den Spiegel und stellte fest, dass ich plötzlich schneeweiß war, weil mir sämtliche Farbe (ist eh nicht so viel) aus dem Körper gewichen war. Daraufhin wurde mir wieder bewusst, wie ernst sich das alles für mich anfühlte. Also wieder von vorne. Ich schluchzte, heulte und schmiedete schon Pläne, ganz viele B-Pläne für den Fall, dass mein Nachbar unrecht haben könnte und es doch etwas Schlimmes wäre. Ich sah mich schon innerlich ins Auto steigen und machte mir Gedanken, wo ich um die Uhrzeit hier in der Gegend noch tanken könnte. Gedanklich befasste ich mich damit, dass ich das irgendwie auf der Arbeit würde erklären müssen. Ich sagte es bereits ein paar Mal hier... ich bereite mich innerlich immer auf einige Eventualitäten vor.


Nach etwa fünf ewiglangen, unendlichen Minuten klingelte das Telefon. Ich stellte erleichtert fest, dass es meine Heimat-Festnetznummer war.
"Kind, was ist denn los?", fragte meine Mutter mit zerknitterter und müder Stimme in den Hörer.
Und dann schluchzte ich erst richtig los, konnte nicht mal mehr richtig sprechen und allein bei der Erinnerung daran, wie das gerade alles gelaufen ist, kommen mir wieder die Tränen. Meine Mutter war dadurch natürlich auch recht betroffen. Sie war ungewollt eingeschlafen und hatte das Telefon einfach nicht gehört, weil sie es ausnahmsweise nicht in der Nähe hatte.


So ist das mit der Angst. Sie überwältigt. Ich weiß, wie seltsam das alles klingen muss, aber das ist mir noch nie passiert. Dass ich mich mal wundere, weil meine Mutter gerade nicht direkt erreichbar ist, ja... Aber dass sich das so hochschaukelt, dass ich am Ende das Gefühl habe, gleich selbst zusammenzuklappen, passiert mir normalerweise nicht. Normalerweise ist es aber auch nicht so schwierig, sie zu erreichen...


Jetzt muss ich immer noch die Dinge vorbereiten für morgen. Aber es ging gerade einfach nicht. Ich musste das hier zuerst festhalten. Mir geht gerade noch so viel durch den Kopf. In mir sitzt so tief die Angst, was ist, wenn irgendwann wirklich etwas sein sollte. Die Situation hat mir gerade noch bewusster gemacht als es ohnehin schon war, wie schnell etwas sein kann und wie hilflos ich dann bin. Am anderen Ende Deutschlands.


Und so wurde aus einem Geht-so-Tag ein richtig fieser Abend. Ich bin gerade wirklich fertig mit den Nerven.

18.6.17 23:39, kommentieren

Für mich

Gerade war der Irland-Freund noch da. Er ist noch nicht lange weg und obwohl ich eigentlich wirklich nun schlafen sollte, möchte ich schreiben. Ich muss. Unbedingt. Jetzt ist genau der richtige Moment und ich bin so dankbar dafür, endlich mal wieder das Gefühl zu haben, dass etwas das Richtige ist und nicht einfach nur das Falsche. Das war in letzter Zeit nicht so oft.


Jetzt gerade, in genau diesem Moment, höre ich "Sowieso" von Mark Forster. So passend. Ich hab's heute im Radio gehört und wollte es unbedingt ein zweites Mal hören.


Irland-Freund
hatte viel zu erzählen. Vielleicht hätte er sich von mir mehr Reaktion gewünscht. Wenn Menschen mit mir über Persönliches reden, passiert so viel in mir, da passiert so viel in meinem Kopf und ich bin mit jeder Pore innerlich bei diesem Menschen. Es berührt mich, viel über das Leben, über die Gedanken und Probleme eines anderen Menschen zu erfahren. Aber ich glaube, ich bin mieserabel darin, das zu zeigen. Und während ich innerlich nur gefüllt war mit dem, was ihn gerade beschäftigt, was ihn umtreibt, nickte ich, hörte zu und äußerte mich nicht allzu sehr. Ich komme mir immer aufdringlich vor, wenn ich frage. Also tue ich das für gewöhnlich nicht so sehr. Ob ihn das wirklich gestört hat, weiß ich allerdings nicht.


Heute war ich außerdem noch kurz unterwegs und lief dabei an einer Gruppe von Männern vorbei, die teilweise rauchend und teilweise einfach nur aufeinander wartend vor einem Gebäude standen. Sie waren etwa Mitte 30. Ich lächelte freundlich und grüßte die Männer, ehe ich ins Gebäude ging und quittierte dabei ebenso freundliche Erwiderungen.
"Hallo", sagte ich auch zu den zwei Männern, die direkt am Eingang standen. Einer von Beiden schaute gerade auf sein Handy und murmelte ein "Hallo" zurück. Gerade lief ich an ihm vorbei, hatte ihm schon den Rücken zugedreht, als er plötzlich aufsah und rief "Hey, dreh dich bitte mal kurz um!". Ich drehte mich etwas irritiert um und lächelte ihn zögerlich an. Ein breites Lächeln kam zurück und ein überschwängliches "Hallo".
Lachend ging ich ins Gebäude und fühlte mich ein wenig geschmeichelt. Ich wertete das so, dass er vielleicht einfach hatte sehen wollen, ob ich möglicherweise ein ansprechendes Gesicht haben könnte und hatte dem Lächeln entnommen, dass das aus seiner Sicht vielleicht sogar so war.
Nun, er entschuldigte sich später und meinte, dass mir das hoffentlich nicht unangenehm gewesen sei und er einfach nur hatte wissen wollen, ob wir uns vielleicht kennen könnten (der Ehering an der Hand hat das auch nahegelegt). (Meine Mutter, die einen Teil der Geschichte mitbekommen hatte, wollte das allerdings nicht so recht glauben.) An sich ist das völlig egal. Es war einfach eine Situation, in der ich mich gut gefühlt habe, unbeschwert.


Nun. Ich drücke mich vor dem, was ich eigentlich schreiben wollte. Dabei ist es, denke ich, wichtig, dass ich schreibe, was ich schreiben wollte.


Heute war ein guter Tag. Und gestern auch. Zwei gute Tage von fast zwei Wochen. Morgen fahre ich wieder quer durch Deutschland, weg von meiner Heimat für die nächsten Wochen.
Ich sollte dankbar dafür sein, diese Zeit daheim zu haben. Sollte sie genießen, nutzen, froh sein.


Und schon beim letzten Mal, als ich hier war, habe ich es innerlich sehr bereut, dass ich das nicht getan habe. Und jetzt wieder das Gleiche. Zwei Wochen sind vorbei und ich fühle mich schlecht. Ich würde die Zeit gerne noch mal zurückdrehen, alles besser machen. Aber ich vermute fast, das Ergebnis wäre das Gleiche.


Ich war in diesen zwei Wochen nicht gerade ich selbst. Was genau das bedeutet, möchte ich nicht ausführen. Nicht im Moment. Ich bin viel zu oft in letzter Zeit nicht ich selbst und an manchen Tagen wusste ich ehrlich gesagt nicht mal mehr sicher, was das heißt, ich selbst zu sein. Gestern und heute war das anders. Vielleicht ist es auch ein wenig die Aussicht auf meinen Alltag. Ein Alltag an einem Ort, an dem ich nicht sein will, aber Alltag bedeutet Routine. Routine bedeutet Sicherheit. Halt.


Schlechte, selbstzerstörerische Gedanken können wie ein Zwang sein. Man weiß, dass sie schlecht sind, dass sie einem schaden, dass sie weh tun. Trotzdem gibt man sich ihnen immer mehr hin. Und je nachdem können sie bewirken, dass man sich immer mehr Stück für Stück verliert. Ich habe mich in den letzten zwei Wochen, in denen ich mich so intensiv mit all dem beschäftigt habe, manchmal so gefühlt, als würde ich mich bewusst selbst bestrafen mit so manchem schlechten Gedanken, indem ich mir diesen penetrant immer wieder und wieder und wieder vor Augen gehalten habe. Und das wiederum hat so manches Mal in mir das Gefühl ausgelöst, das so tun zu müssen. Wenn man erst mal in dieser Spirale drin ist, muss man das vielleicht auch. Gewissermaßen. Zumindest glaubt man, das zu müssen.


Als ich den letzten Eintrag schrieb, den, in dem ich die Geschichte mit Mr. Nevermind gewissermaßen als Einstieg nutzte, ging es darum.


Am Donnerstag, als eine Freundin anrief, war da mehr denn je dieses Gefühl, irgendwie plötzlich von den anderen Menschen da draußen getrennt zu sein. Seelisch, nicht körperlich. Und ich erinnere mich an das Gefühl und den Gedanken "Niemand versteht, was mit mir los ist und wie es mir geht". Ein erbärmliches Gefühl, denn ich verachte Selbstmitleidsgedanken dieser Art. Egal, ob sie von mir oder von sonst wem kommen. Es ist jämmerlich, im Selbstmitleid zu baden. Für den Moment okay, aber dann bitte damit aufhören und anpacken, was es anzupacken gilt. Ansonsten findest du da nie heraus und ertrinkst am Ende in deinem eigenen Mitleid, was einfach nur erbärmlich ist. Es ist keine gute Art zu enden.
Ich erinnere mich daran, wie die Freundin meinte "Ich komme gar nicht mehr richtig an dich heran. Egal, was ich sage". Und ich schnaufte in den Hörer - denn andersherum hatte ich in dem Moment das gleiche Gefühl. Das Gefühl, ich kann sagen, was ich will, ohne dass man versteht, was ich sage.
Aber gleichzeitig haben diese Worte auch etwas in mir gelöst. Mir wurde klar, was ich den Menschen, denen ich wirklich etwas bedeute, damit wirklich antue.


Ich könnte noch so viel darüber schreiben. Aber ich mag nicht. Ich habe das alles in letzter Zeit viel zu oft mit mir mitgemacht. Gestern ging es mir gut. Heute geht es mir gut. Aber das gab es in letzter Zeit häufiger. Und dann wurde ich bisher doch wieder unerwartet von dieser Gedankenwelle überrollt und mitgezogen, unter Wasser gedrückt. Ich kann mich nicht erinnern, soetwas schon mal derartig erlebt zu haben. Da ist, wie mir klar geworden ist, einfach zu viel, was geklärt werden muss. Zu viel, mit dem ich mich endlich auseinandersetzen muss.
"Weißt du, meistens steckt viel mehr dahinter als man selbst denkt", sagte die Freundin, "und dann ist das, worum es dir gerade geht, eigentlich nur ein Aufhänger für etwas ganz anderes."
Ich nickte, wohlwissend, dass sie das gar nicht sehen könnte. Dennoch. Ich ahne schon, wie lang der Rattenschwanz ist und wie genau er aussieht, vermute ich auch bereits. Es erscheint mir zu offensichtlich, um es nicht sehen zu können.


Und sicher. Ich kann noch ganz oft sagen, es muss sich etwas ändern. Nun. Muss es ja auch. Ich werde in der kommenden Woche ein Termin für ein Gespräch ausmachen. Ich brauche einfach jemanden, jemand Neutralen, mit dem ich mal über all diese Dinge reden kann. Es macht mich sonst noch wahnsinnig. Die letzten zwei Wochen haben mir einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie das sein kann, wenn man dabei ist, sich zu verlieren. Dabei bin ich doch der einzige Mensch, von dem ich sicher sein kann (oder es zumindest sein sollte), dass er mir mein ganzes Leben lang erhalten bleibt.


Ich gelte wohl nicht als sonderliche Optimistin. Aber im Grunde meines Herzens bin ich jemand, der fest daran glaubt, dass alles gut wird und doch immer die Kraft findet, etwas Gutes zu sehen. Das hat sich nicht geändert. Ich weiß, dass alles wieder besser werden wird und dass da dieser Punkt sein wird, an dem ich mit all dem, was mich gerade belastet, zurecht kommen werde. Ich weiß das.


Ich weiß aber auch nach den letzten zwei Wochen, dass es nicht mehr so lange dauern darf. Irgendwann ist der Punkt, an dem man sagen muss, dass es genügt. Für sich selbst.

18.6.17 02:24, kommentieren