Wahrnehmung

Ich habe es in letzter Zeit hier schon oft thematisiert und es ist für mich wieder Zeit für einen solchen Eintrag: ein oberflächlicher Eintrag.
Für mich ist mein Aussehen in den vergangenen Monaten so ein wichtiges Thema geworden. Das heißt nicht, dass ich nur noch Youtube-Make-up-Tutorials schaue oder unentwegt shoppen gehe oder mich den ganzen Tag mit der Frage beschäftige, welcher Nagellack zu welcher Handtasche und welchem Paar Schuhe am besten passt oder welche Frisur ich mal wieder ausprobieren könnte...


Diese Art von Aussehensfokussierung ist es wohl nicht. Ich schaue keine derartigen Tutorials, shoppen mag ich zwischendurch schon, aber nur ungezwungen und zeitlich begrenzt, Nagellack trage ich keinen und meist trage ich ohnehin zu allem die gleiche Tasche. Und spätestens beim Thema Frisuren bin ich endgültig raus, weil meine Haare im Grunde nur "offen" und "Zopf" kennen und das ist in meinem Fall mehr ein Zustand als eine Frisur.
Egal. Ich will nur sagen: Ich bin keines dieser Modepüppchen.


Ich bin mehr jemand, der mit sich selbst im Unreinen ist und sich in dieser Situation irgendwann zu sehr auf das eigene Äußere und die damit einhergehenden Makel festgebissen hat. Aus meiner Sicht gibt es da genug. Auch genug, das in meinen Augen einfach zu sehr abweicht von der Norm, auf eine unschöne Art, nicht auf eine "Das macht mich besonders"-Art.


Mir ist bewusst, dass diese Gedanken auch Ausdruck meiner Sorge sind, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein. Ich habe mich sehr in den letzten Monaten da reingesteigert und ich habe einigen Menschen in meiner Umgebung einige Nerven gekostet. In letzter Zeit ist es besser geworden. Meine Makel sind immer noch da, die Dinge, die mich stören, haben sich optisch nicht oder kaum spürbar verbessert und das werden sie auch nicht. Das sind Dinge, die sich nicht verändern. Nicht wie die Haarfarbe oder Hautprobleme.


Es gibt einige Wege, wie man sich mit seinem eigenen Aussehen in den Wahnsinn treiben kann. Glaubt mir, ich habe einige davon ausprobiert und ich bin es so leid. Mittlerweile habe ich immer mehr Strategien entwickelt, um mich selbst da ein wenig zu beruhigen und mir den eigenen Wahnsinn ein wenig zu nehmen. Das gelingt oft, nicht immer, aber damit bin ich vorerst zufrieden. Ich arbeite daran und die letzten Wochen waren insgesamt sehr positiv und oft habe ich in den Spiegel geschaut und mich letztendlich angelächelt, weil ich das, was ich sah, okay fand.


Statt mich auf Körpermerkmale zu fokussieren, die ich ohnehin nicht verändern kann, habe ich mich aber stattdessen wohl ein wenig in letzter Zeit auf mein Gewicht festgeschossen und da habe ich in den letzten Tagen und Wochen ein paar Dinge festgestellt, die mich auch durch ein heutiges Erlebnis dazu bewogen haben, darüber zu schreiben. Vielleicht hilft es mir auch irgendwann, wenn ich meine Erinnerung an diese Zeit auffrischen möchte.


Ich weiß mittlerweile, dass es bei Gewicht und Figur unterschiedliche Vorstellungen gibt. Irgendwann vor etwa zwölf, dreizehn Jahren stieg mein Gewicht allmählich und heimlich an. Ich unternahm mehrere Versuche, ein wenig abzunehmen, aber das alles war wohl zu halbherzig, um es wirklich zu schaffen. Es war ohnehin nie kritisch, aber eben auch nicht wirklich schön. In der Beziehung mit Mr. Nevermind gab es dann damals ein paar Jahre, in denen ich eine gute Normalfigur hatte und etwa sieben Kilo weniger wog. Ich fühlte mich schlank und war sehr zufrieden mit meinem Gewicht. An der Ernährung hatte ich nicht viel verändert - es kam wohl einfach durch die Pille.


Nachdem ich die Beziehung beendet hatte und die Pille kurz vorher abgesetzt hatte (was aber sehr unabhängig voneinander passierte), nahm ich stetig und heimlich wieder zu. So schleichend, dass es mir erst richtig auffiel, als ich wieder mein altes Gewicht zurückhatte. Seitdem achtete ich immer wieder mal darauf, nahm zwischendurch ein oder zwei Kilo ab, aber wirklich weniger wurde es nicht. Auch hier: eher halbherzige Versuche.


Ich weiß, dass ich trotz eines BMI von 25 nie als dick wahrgenommen wurde. Dennoch war ich an der Grenze zum Übergewicht - und das nicht etwa mit einer sportlichen Figur. Sicher, als schlank wurde ich auch nicht wahrgenommen, aber viele Personen in meinem Umfeld taten so als wäre es völlig unnötig, abnehmen zu wollen. Allerdings vermute ich, dass das auch daran lag, dass sie selbst nicht mein Gewicht hatten - es ist etwas anderes, wenn man in der eigenen Haut steckt.

 

Es gab auch immer wieder Menschen, die das durchaus ähnlich einschätzten wie ich. Ich denke da an die Mutter des Nachbarjungen, die immer wieder mal betonte, dass ich mal Sport machen könnte. Oder an mehrere Verkäuferinnen im Geschäft, die mich einige Male vor dem Anprobieren unabhängig voneinander sehr penetrant darauf hinwiesen, dass die Größen sehr klein ausfallen und ich lieber eine Nummer größer versuchen sollte (was dann aber nicht mal notwendig war...).


Zu Beginn des Jahres nahm ich mir dann vor, es mal ausdauernd mit Sport zu versuchen. Nicht nur ein wenig Rad fahren, schwimmen oder Ähnliches, wie ich es in den Jahren davor in sehr unregelmäßigen Abständen gelegentlich getan hatte. Ich meldete mich im Fitnessstudio an und gehe seitdem zwei, drei, vier Mal die Woche (manchmal auch mehr, dafür dann aber auch in der Folgewoche mal gar nicht), solang ich nicht gerade daheim bin. Meine Ernährung hätte in der Zeit wohl besser sein können, ich arbeite noch immer daran, aber zumindest achtete ich darauf, nicht zu viel zu essen (und trotzdem genug). Aber gerade meinen Zuckerbedarf überschreite ich im Grunde täglich maßlos (das ist keine Vermutung - ich habe es mehrmals nachgerechnet).


Insgesamt nahm ich seit meinem ersten Besuch im Fitnessstudio vor sieben Monaten zehn Kilo ab. Das Gewicht aus meiner Beziehung mit Mr. Nevermind hab ich mittlerweile um drei, vier Kilo unterschritten und wiege damit so wenig wie ich es das letzte Mal vor etwa dreizehn Jahren tat. Allerdings nehme ich seit ein paar Monaten aus hormonellen Gründen auch wieder die Pille. Iich bin mir jedoch sicher, dass ich auch so abgenommen hätte - denn ich hatte zu dem Zeitpunkt schon gut abgenommen. Zufrieden bin ich dennoch noch nicht. Ich sehe in den Spiegel und sehe noch all die Stellen, die noch nicht meiner Zufriedenheit entsprechen. Ich finde nicht, dass ich im Vergleich zu vorher nun zehn Kilo sehr viel leichter und dünner aussehe. Oder sportlicher. Dabei habe ich in der Zeit immer wieder mal Maße genommen, Fotos gemacht,... Es ist ein Unterschied da, aber ich nehme ihn nicht als so extrem wahr.


Andere Menschen sehen das offenkundig anders. Meine Mutter zum Beispiel zieht es vor, so zu tun als wäre ich bald nur noch Haut und Knochen, was bei meinem Körperfettanteil einfach Blödsinn ist. Da ist noch ziemlich viel Brust, ziemlich viel Po, reichlich Oberschenkel und auch noch genug Bauch. Das darf alles so bleiben - nur das am Bauch, das will ich ändern. Ansonsten finde ich, dass das Kurvige letztendlich auch einfach Teil meiner Figur ist.


Gestern erwähnte ich gegenüber einer Bekannten, dass ich nun zehn Kilo abgenommen habe. "Du bist ja bescheuert" kam als Antwort - was ich wiederum ziemlich bescheuert fand. Nochmal: Ich war an der Grenze zum Übergewicht, da braucht man nicht so tun als wäre es völlig unnötig und wahnsinnig, ein wenig abnehmen zu wollen. Jetzt habe ich einen wirklich akzeptablen BMI von knapp 22. Ich weiß schon, BMI ist nicht zuverlässig. Aber ich habe auch keine Lust, hier genaue Körpermaße und Gewichtsangaben zu machen. Es muss reichen, um eine halbwegs realistische Vorstellung davon zu haben, wie ich aussehe. Oder nicht aussehe.


In letzter Zeit habe ich oft das Thema "Zucker" im Kopf. Weil ich einfach immer noch zu viel davon zu mir nehme und ich meine damit nicht, dass ich mal einen Schokoriegel esse. Oder eine Banane. Wenn es nur ein Schokoriegel am Tag ist, werte ich das durchaus als riesigen Erfolg. Ich kann Unmengen von Schokolade verdrücken... und alles andere, was süß ist. Da kann ich mich nur schlecht zügeln, aber ich arbeite daran. Mit sehr viel Mühe.


Nun. Heute war ich mit meiner Mutter in der Stadt. Es war ein unglaublich schöner Nachmittag. Wir gingen zum Bäcker, setzten uns ans Fenster und aßen ein Stück Kuchen. Anschließend gingen wir noch in ein paar Geschäfte. Dabei fiel mir in einem Geschäft ein etwa knielanger Rock in eine meiner Lieblingsfarben in die Hände. Ursprünglich hatte ich ihn gar nicht anprobieren wollen, weil mir nicht so sehr danach war, aber nachdem ich auch ein Oberteil fand, das zu dem Rock und zu ein paar anderen Röcken gut passte, für die ich noch etwas Passendes finden wollte, entschied ich mich doch für den Gang zur Umkleide. Ich wählte für den Rock zwei Größen - die, die ich seit ein paar Monaten eigentlich gewohnt bin und dann die kleinere Größe. Die im Laden wohl kleinste, verfügbare Größe. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine kleinere Frauengröße gibt. Die letzten Kleidungsstücke, die ich kaufte - eine Hose und ein Rock -, waren bereits in der Größe. Manchmal fallen die Dinge eben größer aus.

"Eigentlich kannst du das direkt lassen, so dünn bist du jetzt auch nicht", dachte ich mir noch, als ich den kleineren Rock betrachtete. "Der ist schon ziemlich schmal."
In der Umkleide probierte ich den kleineren Rock zuerst an, auch weil ich neugierig war. Und erstaunt merkte ich, wie er problemlos über die Beine glitt und sich noch problemloser zumachen ließ. Das Oberteil war eine Größe größer als der Rock, aber immer noch eine Größe kleiner als ich sonst immer genommen habe und er passte recht gut, wenn auch nicht sehr enganliegend. Im Gegensatz zum Rock, da zeichneten sich Oberschenkel und Po schon deutlich ab, was bei vielen Röcken aber eben auch einfach so üblich ist.


Ich verließ die Umkleide, drehte mich ein paar Mal mit dem Outfit im Spiegel. Das mach ich normalerweise nicht, aber ich fühlte mich wohl in den Sachen. Meine Mutter nickte, sagte ein paar nette Worte. Zuerst war ich unsicher. "Kann ich den wirklich anziehen? Sitzt der nicht zu eng?", ich zupfte am Rock herum.
"Nein, gar nicht", meinte meine Mutter, die jedes Mal, wenn ich nach der kleinen Größe greife, betont, wie schlank ich doch offensichtlich bin und dass ich nicht noch mehr abnehmen darf. Mütterliche Sorge, schätze ich.


In dem Moment, in dem ich beschloss, beides zu kaufen, kam die recht schlanke, sympathische Verkäuferin Richtung Umkleide.
"Oh, der ist aber schön", meinte sie mit dem Blick auf den Rock.
"Ja, finde ich auch, der gefällt mir echt gut", sagte ich lächelnd. Ich empfand die Verkäuferin als recht freundlich, unaufdringlich, natürlich. Sonst wäre ich wohl direkt in die Umkleide geflüchtet.
Wir unterhielten uns noch ein wenig über den Stoff und die Rockart. Und dann meinte sie nur: "Aber bei der Figur können Sie ja eh alles tragen."
Es kam so ehrlich und ungezwungen rüber, dass ich ihre Worte sofort glauben konnte und ganz erstaunt war über dieses tolle Kompliment.


Ich ging zurück in die Umkleide. Umkleidenlicht ist so fies und noch während mein Kopf dabei war, ihre Worte auseinander zu pflücken, hörte ich, wie sie nochmal zu meiner Mutter sagte: "Sie hat wirklich eine tolle Figur".


Für den Rest des Tages war ich unheimlich beflügelt. Meine Mutter und ich gingen anschließend noch mal in ein anderes Café für ein zweites Stück Kuchen. Die Auswahl war überwältigend und ich entschied mich für ein mächtiges Stück Himbeertorte. Mhh. Allgemein war heute ziemlicher Süß-Tag. Es ist also nicht so, dass ich wenig essen würde. Oder nur von Rohkost leben würde. Eher im Gegenteil (wobei ich im Moment zusätzlich kaum satt zu kriegen bin).


Was mich nur stutzig macht, ist dieser Wahrnehmungsunterschied. Ich habe Figurfotos, Körpermaße, mein Spiegelbild.... und das alles sagt mir "Ist okay, aber eine Normalfigur mit ein paar Problemzonen". Ich empfinde meinen Körper als wenig definiert und stellenweise speckig. Es ist nicht grenzwertig, aber eben auch keine gute Figur. Normalfigur eben.
Und im krassen Kontrast dazu stehen Äußerungen, wie die der Verkäuferin, die sich sehr aufrichtig anfühlen und Einkaufserlebnisse wie das mit dem Rock. Es passt einfach nicht zusammen, aber mein Verstand schafft es, das Positive so sehr zu entwerten, dass ich mir am Ende wieder sicher sein kann, dass meine eigene Wahrnehmung die richtige, zutreffende Wahrnehmung ist.


Letztendlich war eigentlich der Plan noch ein paar Kilo abzunehmen - zwei, drei Kilo. Nicht nur, dass ich auch einfach merke, dass es vom Gewicht offenbar nicht mehr weniger wird, ich habe auch allmählich keine Lust mehr auf die Anstrengungen dazu. Ja, weiter Sport machen, weiter den Körperfettanteil reduzieren, weil er beim letzten Mal noch im nicht so gesunden Bereich war und dafür sorgen, dass die Stellen, die mir nicht so gefallen, ein wenig schöner sind, aber ich möchte demnächst nicht meine Kleider in der Kinderabteilung einkaufen. Ich verstehe das nur immer noch nicht... Es gibt genug Mädchen da draußen, die meine aktuellen Größen tragen und eindeutig danach aussehen. Ich gehöre nicht zu ihnen, meine Figur wirkt nicht so zierlich oder gar zerbrechlich. Ich sehe mich immer noch als kurvige Normalfigur-Frau, egal wie oft ich auch in den Spiegel sehe.


Ich hatte ja zu Beginn angekündigt, dass das hier oberflächlich wird. Ich musste heute ein paar Mal an eine Reportage über eine Magersüchtige denken, die ich vor zwölf Jahren gesehen hatte. Sie hatte in der Reportage eine Schauspielerin kennengelernt, die dem magersüchtigen Mädchen ihre Hose zum Anprobieren geliehen hatte. Das Mädchen versank anschließend in der Hose, obwohl sie selbst gedacht hatte, niemals hineinzupassen. Ich kann versichern, dass ich zu viel und zu oft Kuchen, Schokolade und anderen ungesunden Kram esse und auch so insgesamt viel zu gerne und viel zu gut esse, dass von einer Essstörung die Rede sein könnte... aber dieses Wahrnehmungsproblem habe ich möglicherweise dennoch. Ich weiß, dass manche Menschen in meiner Umgebung mir das oft in letzter Zeit gesagt haben, auf's Gesamte bezogen, nicht nur auf mein Gewicht. Es fällt mir nur schwer, der Wahrnehmung meiner Mitmenschen mehr zu glauben als meine (negativere) Wahrnehmung.

1 Kommentar 18.8.17 02:11, kommentieren

Spiel mit mir

Wir spielen miteinander, kann das sein?
Wir spielen doch, oder?
Ist das noch ein Spiel?


Ich bin dir schon einmal auf den Leim gegangen. Da dachte ich, dass das unmöglich noch ein Spiel sein kann, dass das auf gar keinen Fall nur Witze sein können. Ich dachte es nicht nur, ich war mir so unglaublich sicher.


In der Vergangenheit habe ich das viel zu oft viel zu spät realisiert und es nie rechtzeitig gemerkt und dieses eine Mal war ich mir so sicher, die Andeutungen, die Witze, die Anspielungen richtig verstanden zu haben. Ich hatte mir Tage lang Gedanken gemacht und als wir uns das nächste Mal gegenüber standen, stand ich komplett unter Strom. Nur um festzustellen, dass das wohl alles nur heiße Luft war. Fehlinterpretationen. Es war als hätte es unsere Worte nie gegeben. Zwei Menschen, die einander nichts zu sagen haben. Ich war enttäuscht, aber ich nahm es hin und ich lebte damit, dass ich mir ohnehin nicht vorstellen konnte, dass du mich auf diese Art sehen könntest.


Und dann wieder von vorne. Deine Witze sind direkter geworden - nun machst du sie schon vor anderen. Das ist ein Spiel, oder? Vor und zurück, hin und her und immer wieder schauen, testen, wie ich reagiere. Ich habe beschlossen, es genau so zu nehmen. Dir so viel zu geben, wie du brauchst, um deine Witze fortsetzen zu können, ohne mich so weit aus dem Fenster zu lehnen, dass ich am Ende stürze. Dabei war es eigentlich genau das, was ich nicht mehr tun wollte. Unverbindlich bleiben. Nicht zeigen, was ich will, wen ich will. Allerdings musst du schon wirklich schwer von Begriff sein, solltest du mich trotz jeglicher Unverbindlichkeit noch nicht durchschaut haben.


Ist dir klar, dass wir über drei Stunden gebraucht haben, um an diesen Punkt zu kommen? Ich dachte, dass es nun offensichtlich sei, dass ich mich geirrt hatte. Ich dachte es nicht nur, ich war mir so unglaublich sicher. Jeder Schritt in eine Richtung, von der ich mur erhoffte, dich aus der Deckung zu locken, führte ins Nichts und ich nahm es als sicheres Zeichen dafür, dass ich recht hatte. Jede Gelegenheit mir zu zeigen, dass ich mich doch geirrt haben könnte, dass es nicht nur ein Spiel ist, hast du ausgeschlagen und ich nahm es als sicheres Zeichen dafür, dass ich recht hatte. Dass jemand wie du mich unmöglich auf diese Art sehen könnte.


Und dann das. Im letzten Moment. Als hättest du für einen Moment alle Karten fallen lassen, nur um auszuprobieren, ob ich das Interesse verliere. Aber nein, mein Lieber. Offene Karten machen es nur etwas einfacher. Nicht uninteressanter.


Vielleicht hast du auch einfach in dem Moment in Wirklichkeit alles auf eine Karte gesetzt, um zu schauen, ob der Gewinn wirklich so sicher ist, wie er es zu sein schien.


Vor ein paar Jahren ist mir mal etwas Ähnliches passiert, weißt du? Ich hatte das ignoriert, weil ich mir sicher war, ich hätte mich getäuscht. Doch egal, wen ich damals fragte, alle sagten mir, die Zeichen seien eindeutig und ich bin mir sicher, sie würden das auch von dir sagen. Würde ich jemanden an meiner Stelle kennen, würde ich diesem Jemand sagen, dass das nun auch jemand mit sämtlichen Sinnesbeeinträchtigungen wahrnehmen könnte. Und trotzdem halte ich es für möglich, dass du einfach nur spielst.


Spiele ich vielleicht auch einfach? Es macht schon Spaß. Dinge sagen und unverbindlich bleiben. Weil reden so viel einfacher ist als handeln. Ich denke, es geht dir ähnlich.


Ich jedenfalls weiß, was ich möchte. Ich weiß nun, dass der Abschied ohnehin kommen wird. Wir werden bald getrennte Wege gehen. Müssen. Egal, ob wir das wollen oder nicht. Und ich weiß, dass ich viel zu oft in letzter Zeit gedanklich dich und mich gesehen habe, um es nicht mal wenigstens für einen Moment ausprobieren zu wollen, sollte ich diese Gelegenheit wenigstens für einen kurzen Moment haben.


Ich mag dich. Und du bist ein Idiot, wenn du das noch nicht gemerkt hast. Ich mag dich. Genug, um traurig über den Abschied zu sein, um sagen zu können, dass du mir fehlen wirst, um mir etwas mit dir vorstellen zu können und um dir wenigstens einen Moment nahe sein zu wollen, aber nicht so viel, dass ich befürchte, mich unweigerlich in dieser Geschichte mit dir zu verlieren und dir am Ende jämmerlich hinterher zu weinen, sollte ich feststellen, dass wir doch nur heiße Luft waren.


Ach was. Was schreibe ich da? Das ist doch keine Geschichte. Es ist ein Spiel. Ich rechne mit nichts mehr, verstehst du? Das nächste Mal, wenn wir uns gegenüber stehen - sollte es überhaupt noch mal ein nächstes Mal geben - werde ich wie immer der Mensch sein, der ich bin. Und wenn du nur eines deiner Worte wirklich ernst gemeint hast, dann wirst du Gelegenheit bekommen, es mir zu beweisen.


Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, wir unterscheiden uns gar nicht so sehr voneinander. Nicht so sehr, wie ich mal gedacht hatte. Wir spielen dieses Spiel, das wir beide doch so sehr mögen. Du spielst mit mir. Und ich mit dir. Und wir trauen uns im Grunde beide nicht, zuzugeben, dass es schön wäre, wäre das nicht nur ein Spiel. Dass es schön wäre, wären es nicht nur Worte.


Witze dieser Art sind nie nur Witze. Das ist das, was ich gelernt habe. Man schreibt jemandem, an dem man kein Interesse hat nicht über Stunden hinweg. Und nicht auf diese Art und Weise.


Du hast dich mehrmals abgesichert. Traust du mir nicht? Verstehe ich. Es geht mir ähnlich. Aber ich glaube, wir sind gar nicht so unterschiedlich. Auf mich kann man sich verlassen.


Ich bemerke all die Zweifel, die ich habe. Vielleicht willst du ja wirklich das, von dem ich will, dass du es willst. Aber vielleicht ist dir ja auch gar nicht klar, dass das, was du willst, so ist wie es ist. Vielleicht stellst du dir das alles besser vor. Vielleicht kann ich einfach nicht mithalten, nicht mit deinen Vorstellungen, mit deinen Ansprüchen. Plötzlich fühle ich mich wieder so unsicher. Aber ich will das nicht. Ich will leben, fühlen, erfahren, sein. Ich will mir nicht darüber Gedanken machen, ob dir genügt, wer und was ich bin, denn ich mache mir schließlich auch keine Gedanken darüber, ob du mir genügen könntest.


Und dabei bleibt es nun. Ich weiß schon. Werden wir uns ein nächstes Mal sehen, werden wir ohnehin so tun als wäre das alles nie gewesen. Ich will das nicht. Ich war viel zu oft in der Vergangenheit unverbindlich, weißt du? Ich will das nicht mehr. Ich will jemand sein, von dem man weiß, was er will. Jemand, der sagt, wonach ihm ist. Jemand, der nicht immer nur subtil ist, um im nächsten Moment doch wieder den Kopf aus jeder Schlinge zu ziehen statt einfach zu den eigenen Gedanken zu stehen.


Spiel mit mir. Es ist okay. Ich mag es. Ich mag es, wie du mich ärgerst und ich mag es, wie du mit mir spielst. Ich mag es, das zu erwidern, dich dabei anzuspornen und dir die Reaktionen zu geben, die du dir wünschst. Ich möchte nur nicht, dass es dabei bleibt.
Sollten wir uns ein nächstes Mal sehen, wird das vermutlich wie beim letzten Mal laufen. Ich erinnere mich. Es war als hätte es diese Witze, dieses Spiel nie gegeben. Ich war enttäuscht, aber ich nahm es hin. Ja, das werde ich auch, wenn es ein nächstes Mal geben sollte. Aber dieses Mal werde ich nicht mehr dieses Spiel mitspielen. Es wird ohnehin wohl das letzte Mal sein, dass wir uns sehen. Ich werde nicht mehr so tun als hätte ich nur so getan als ob. Wenigstens einer von uns beiden sollte das nicht tun.

2 Kommentare 17.8.17 01:53, kommentieren

Was ist, wenn...?

In diesem Jahr wurde ich unzählige Male gefragt, ob ich wieder einen Antrag gestellt habe, um versetzt zu werden. Wenn ich mir das so überlege, kommt mir in den Sinn, dass mich manche Kollegen direkt mehrmals gefragt haben - obwohl die Antwort immer gleich war: Ein zögerliches, ausweichendes "Nein, das werde ich dieses Jahr auch nicht".
- Ausweichend, weil ich mit niemandem meine genaueren Beweggründe dafür erörtern wollte.


Vor allem Domina-Kollege ließ es sich nie nehmen, jedes Mal zu thematisieren, dass er das nicht für allzu klug hält. "Wenn du wirklich hier weg willst, musst du jedes Jahr einen Antrag stellen. Ohne ein Jahr auszulassen, sonst kannst du direkt da bleiben, das wird dann nix."


Mag sein. Aber neben meinen Beweggründen keinen Antrag zu stellen kam irgendwann diese "Was will ich eigentlich?"-Problematik. Eine, die sich bis jetzt nicht erledigt hat. Ich weiß es nicht mehr und ich habe das Gefühl, dass es das erste Mal in meinem Leben ist, dass ich mir darüber im Klaren bin, nicht zu wissen, was ich eigentlich möchte. Das macht die eigene Unschlüssigkeit zwar nicht besser, aber es ist auch ein befreiendes Gefühl, mir das eingestehen und gewissermaßen auch zugestehen zu können. Ich weiß nicht, was ich will - aber ich bin mir dessen im Klaren und kann so am ehesten eine Antwort auf diese Frage finden.


Ich weiß nicht, wie genau es dazu kam, aber vorhin, als ich endlich meinen gigantisch großen Papierkram-Ordner mal wieder aktualisierte, kam mir der Gedanke, dass ich es wagen und einen Antrag stellen könnte, um in die Heimat versetzt zu werden. Die Chance, dass das gelingen könnte (vor allem beim ersten Mal), ist quasi nicht existent, weil ich dafür das Bundesland wechseln müsste. Aber zumindest in der Fantasie gibt es diese Chance. Und in der Theorie auch.


Das letzte Mal, dass ich das ernsthaft in Erwägung gezogen habe, ist schon ein Dreivierteljahr her. In der Zwischenzeit kam mir jemand dazwischen, der den Gedanken, doch noch eine Weile zu bleiben, zumindest kurzzeitig reizvoller gemacht hatte. Der Kontakt brach jedoch ab und ich landete erneut bei meiner Frage. Gut so, denn ich weiß, diese Geschichte hätte unter den Umständen nie ein gutes Ende nehmen können. Ich darf nicht bleiben aus Zuneigung zu einem anderen Menschen. Genauso wenig wie ich wegen einer solchen Zuneigung gehen darf. Andernfalls würde meine Zuneigung für einen Menschen darunter leiden, sobald die Entscheidung, die ich nur wegen ihm getroffen habe, sich als die falsche herausstellen sollte.


Als mir das alles klar wurde, wurde mir auch bewusst, wie sehr ich mich doch immer irgendwie nach anderen Menschen richte. Ich merke, es ist okay, wenn ich bleibe, wo ich bin, vorausgesetzt ich habe einen Menschen an meiner Seite, der bewirkt, dass sich alles etwas glücklicher anfühlt, dass ich mich glücklicher fühle, dass ich jemanden habe, mit dem ich all die Augenblicke erleben kann, die ich mit jemandem erleben möchte. Ich merke, es ist okay, wenn ich in die Heimat ziehe, vorausgesetzt, ich habe einen Menschen, an meiner Seite, der bewirkt, ... . Ich denke, das Prinzip ist klar. Ich bin davon überzeugt, glücklich zu sein, wenn es jemanden an meiner Seite gibt. In der Vergangenheit wurde deutlich genug, dass mich das nicht automatisch glücklich macht.


"Hier müsstest du auch wieder von vorne anfangen.",
pflegt meine Mutter zu sagen, wenn ich erwähne, dass ich zurückziehen könnte.
Ja, aber es ist das, was sich in manchen Momenten richtig anfühlt.
Dort, wo ich lebe, werde ich mich immer fremd fühlen. Nach zwei Jahren dort kann ich sagen: Mir wird alles allmählich vertraut. Die Menschen, die Straßen, die Arbeit, die Kollegen, das Leben dort, meine Wohnung. Es ist mein Leben dort, ich bin es gewohnt und Gewohnheit ist vertraut und angenehm.
Aber ich denke, ich werde mich immer fremd dort fühlen, fremd, wie jemand, der dort eigentlich nicht hingehört. Wie jemand, der nie dorthin wollte, aber zwangsversetzt wurde. Diese Tatsache wird immer zwischen diesem Ort und mir stehen. Das ist ein wenig wie bei einer Zwangsheirat. Wir wollten einander nie, aber wir wurden einander auf's Auge gedrückt. Wir arrangieren uns mit diesem Umstand - das wird halt einfach so gemach, das ist das System, kein Weltuntergang. Aber wir werden nie ehrlich glücklich miteinander. Ich werde wohlmöglich nie so glücklich, wie ich geworden wäre, hätte ich mich frei entscheiden dürfen. Denn das ist wohl die eigentliche Voraussetzung glücklich werden zu können: die Freiheit, die Entscheidung dafür selbst treffen zu können


Und die Heimat? Ach seien wir ehrlich. Hier ist es doch das Gleiche wie dort. Ein anderes Bundesland, ein ein wenig anderer Dialekt, aber vieles ist doch sehr ähnlich. Der Unterschied ist: Das ist meine Heimat. Der eigenen Heimat lässt man viel mehr durchgehen, ähnlich wie einer schrulligen Oma oder einem lästigen Onkel - mit so vielen Eigenarten, die es schwer machen, nur von bedingungsloser Zuneigung erfüllt zu sein, aber sie sind ein Teil von einem und allein das zählt. Heimat ist da nicht anders.


Ich habe hier Familie. Ich habe meine Mutter, meine Tante, meine Cousine, meinen Cousin. Okay, meinen Onkel theoretisch auch, aber da stehe ich meiner Tante (die allerdings angeheiratet ist...) deutlich näher.
Ich habe hier Freunde. Der Freak, der Lebenslustige, der Bruder des Weltenbummlers, der Weltenbummler, Einzelkind, der Verlobte von Einzelkind. Okay, sie zerstreuen sich komplett auf das gesamte Bundesland, jeder wohnt in einer anderen Ecke und nicht jeder Kontakt ist innig und eng, aber ich wäre nicht komplett allein.


Klar, es gäbe etliche Nachteile. Vor allem beruflich. Aber ich bin es so entsetzlich leid, mein Leben so zu führen, wie ich es tue, weil mein Beruf es mir vorgibt. Meine Mutter sieht das anders und ich habe lange gebraucht, um mir darüber im Klaren zu werden, dass das, wie ich die Dinge sehe, mehr ihre Sicht als meine eigene ist. Ja, ich möchte abgesichert sein für die Zukunft, ich möchte die Sicherheiten, die ich habe, nicht aufgeben. Aber ich möchte auch nicht ein Leben führen, das ich mir habe aufzwingen lassen, weil es ein sicheres Leben ist.


Ich denke oft daran, was ist, wenn ich meine Mutter eines Tages verliere. Wird das hier noch meine Heimat sein? Wird es mich noch auf die Art hierher ziehen, wie das bis jetzt der Fall ist? Oder werde ich dann endgültig das Gefühl haben, dass ich nirgendwo so richtig hingehöre?
Ich bin mir sehr sicher, die Antwort zu kennen. Und um so wichtiger ist es, dass ich die Möglichkeit, zurück in die Heimat zu ziehen, nicht ausschließe. Um so wichtiger ist es, dass ich diese Möglichkeit nicht nur zurückschiebe, weil ich weiß, wie schwierig und unangenehm dann alles noch mal sein wird.


Ja, ich müsste hier nochmal neu anfangen. Keine Frage. Es wäre alles ziemlich schwierig, vor allem am Anfang. Aber als ich vor zwei Jahren versetzt wurde, stand von Anfang an fest, dass ich nur auf der Durchreise sein würde und dass ich nicht den Rest meines Lebens dort verbringen will.
"Am Anfang hab ich immer gesagt 'Was wollt ihr, ich bleib eh nicht lang'"
, sagt Domina-Kollege in dem Zusammenhang gern. Dann fängt er in der Regel an zu lachen und erwähnt, dass er nun schon steil auf den Ruhestand zugeht.


Ich bin gerade dabei, in meinem Leben alles wieder ein wenig mehr auf die geregelte Bahn zu schieben. Millimeter für Millimeter. An manchen Tagen fühlt sich das alles so schwierig, so festgefahren und so aussichtslos an, aber ich realisiere schon, was ich da eigentlich für ein großes Projekt im Begriff bin zu stämmen. Ich räume mein gesamtes Leben auf, hinterfrage all die Dinge in meinem Kopf und egal, wie oft ich mich selbst dabei zurückwerfe, habe ich doch nicht das Gefühl, das alles einfach sein lassen zu können. Zu wollen.


Vielleicht habe ich das Leben an diesem ungeliebten Ort gebraucht. Ich hoffe, dass ich irgendwann so darüber denken kann. Aber bleiben will ich dennoch nicht. Ich sehe es mehr als Durchgangsstation. Eine Art Station in meinem Leben, die ich passiert haben muss, um das Leben führen zu können, das ich führen möchte. Das Leben, das ich führen möchte - um das klar zu stellen -, ist wenig abhängig von Materiellem. Es geht da eher um mich selbst und darum, wie ich die Dinge sehe und angehe.


Als mir heute ein entscheidendes Dokument in die Hand fiel (jetzt weiß ich wieder, wie ich darauf kam), kam mir in den Sinn, ich könnte es wirklich versuchen, könnte mich allmählich um alles kümmern. Ich könnte es einfach versuchen, ohne mir überhaupt irgendetwas davon zu versprechen, denn überhaupt den Antrag zu stellen, bedeutet, dass ich der Antwort auf die Frage, was ich will, ein Stück näher komme.


Während ich heute auf dem gefliesten Wohnzimmerboden meiner Mutter saß, der ausgebeulte Papierkram-Ordner vor mir, das Dokument in meiner Hand und dieser hoffnungsvolle Gedanke in meinem Kopf, ließ ich die Fantasie ein wenig spielen.
Und schlagartig fielen mir die Worte dieser Wahrsagerin ein, die ich mit der Pizza-Freundin aufgesucht hatte. Sie sprach davon, dass ein sehr stressiger, anstrengender Umzug auf mich zukäme in den nächsten 1 1/2 Jahren. Wenn ich ihre Trefferquote bedenke, könnte sie damit schon recht haben. Aber selbst wenn sie recht haben sollte, könnte das auch daran liegen, dass meine Vermieter mich aus der Wohnung schmeißen oder dass ich eine schönere Wohnung finde oder dass irgendetwas mit meiner derzeitigen Wohnung passiert, das einen Umzug schlichtweg erfordert. Allerdings ist bisher nichts davon in Sicht - ebenso wie ein tatsächlicher Umzug.


Wenn ich allerdings schon die Worte der Wahrsagerin aufgreife, muss ich fairerweise auch den Teil erwähnen, bei dem sie sagte, dass es da jemanden in meinem Leben geben würde, mit dem ich im Laufe dieser 1 1/2 Jahre zusammenziehen möchte, was auf Grund einer Entfernung sehr schwierig wird.


Da sind wir nämlich dann direkt bei dem, was ich jedes Mal denke, wenn ich darüber nachdenke, ich könnte wirklich zurück in die Heimat ziehen.
Was ist, wenn ich das dann furchtbar bereue? Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, dass ich fast ein Jahr vorher einen Antrag stellen muss, um in einem Jahr woanders arbeiten zu dürfen? In einem Jahr kann so unglaublich viel passieren. Könnte sein, dass ich den Antrag fertig mache und einschicke und am nächsten Tag schon jemandem über dem Weg laufe, mit dem ich mir das volle Zukunftsprogramm vorstellen kann. Was ist, wenn sich ausgerechnet dann die quasi nicht existente Chance, versetzt zu werden, als sehr wohl existent herausstellt?


Aber gleichzeitig bin ich dann auch wieder bei dem, was ich weiter oben sagte: Ich darf Entscheidungen dieser Art nicht von anderen Menschen abhängig machen. Vor allem nicht von denen, die es in meinem Leben bisher nicht mal gibt, die es vielleicht mal geben könnte, aber möglicherweise auch nie geben wird. Es kann doch auch sein, dass ich die nächsten zwanzig Jahre allein bleibe. So viel gebe ich auf die Worte einer Wahrsagerin insgesamt eher nicht.


Manchmal nehme ich mir meine Entscheidung vor acht Jahren, die Heimat zu verlassen, entsetzlich übel. Manchmal denke ich, ich hätte all diese Probleme, diese Krisen mit mir selbst nicht, wenn ich einfach geblieben wäre. Ich weiß, die Wahrheit ist, dass das nicht die Wahrheit ist. Vielleicht denke ich aber, ich könnte alles wieder ins Lot bringen, könnte mir die Vorwürfe nehmen, die ich mir insgeheim manchmal mache, indem ich auf Dauer irgendwann wieder den Weg in die Heimat finde. Auch das ist kein guter Grund, um den Weg zurückzufinden, dennoch tröstet mich der Gedanke, dass vielleicht der Weg raus aus der Heimat ein Weg zu mir selbst war, um anschließend zurückkehren zu können. Hm, das liest sich ausgeschrieben wie ziemlicher Quatsch.


Ich weiß, die Dinge werden sich ergeben. Ich wünsche mir jemanden an meiner Seite, mit dem es deutlicher wird, was ich eigentlich möchte, was ich möchten sollte. Jemanden, mit dem sich alles ein wenig sicherer anfühlt, mit dem es sich ein wenig mehr nach Zuhause anfühlt, völlig egal, wo ich bin. Mir fällt es schwer, davon überzeugt zu sein, dass es so einen Jemanden geben wird. Aber wir werden sehen. Die Dinge werden sich ergeben. Oder eben auch nicht.

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