Ungeduldig

Übermorgen.
Hm.


Zeit vergeht irgendwie nicht mehr so langsam, wie das vor Jahren noch der Fall war. Wo ist die Ungeduld hin, die ich sonst empfunden hatte, wenn ich wusste, ich muss noch fünf Tage warten? Fünf Tage. Vier Tage. Drei Tage. Und jeder einzelne zieht sich wie Kaugummi.


So ist es längst nicht mehr. Und trotzdem vergeht keine Stunde, in der ich nicht nachrechne. Noch zwei Tage. Hm, okay. Wie viel waren es noch mal? Ah, zwei, ja, stimmt ja. Moment mal. Und ich bin angeblich nicht ungeduldig? Okay. Erwischt. Ich platze innerlich vor Ungeduld.


Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht. Heute habe ich ein wenig den Kopf geschüttelt angesichts der Gedanken, die mir dort begegnen.
Ich schaffe es, mir immer wieder alles nichtig zu reden. So plumpse ich immer wieder und wieder auf den Boden. Ohne mir ernsthaft weh zu tun. Aber das will ich ja auch nicht. Ganz im Gegenteil. Ich will einfach nicht, dass ich mir am Ende weh tue. Oder ein anderer. Also lieber erstmal nicht zu hoch schweben. Schadet nicht.


 

Auf der Arbeit hat gestern jeder Schokolade bekommen. Zum Nikolaus. Ich war ganz aus dem Häuschen, als ich das mitbekommen hatte und hatte direkt in mein Fach gesehen. Leer. Ehrlich gesagt habe ich mich mehrmals vergewissert, dass meine Schokolade nicht versehentlich zwischen den Papierstapeln darin gerutscht war. Nichts. Immer noch leer.
Eine Kollegin betrat den Raum und ich sprach sie vorsichtig darauf an.
"Was? Du hast keine bekommen? Das kann gar nicht sein. Ich hatte mitbekommen, wie der Chef extra noch welche besorgt hatte, damit es für alle reicht. Hm, magst du meine haben?"
Tatsächlich gab es mehrere Kollegen, die mir ihre Schokolade angeboten hatten. Echt lieb, aber ich habe es natürlich ausgeschlagen, obwohl Schokolade bei mir eine ähnliche Reaktion auslöst als wenn man einem fünfjährigen Kind welche anbietet (--> pure Glücksgefühle).


Heute schenkte mir dann ein Kollege (der aber selbst wohl versehentlich vergessen worden war) einen Schoko-Weihnachtslolly mit dem Kommentar, dass das vielleicht nicht die Schokolade von gestern ersetze, aber ich mich hoffentlich daran auch erfreuen könne. Und ob, den habe ich mit einem großen Lächeln in der Pause verspeist. Ich bin wirklich nicht allzu schwer glücklich zu machen.

7.12.17 21:13, kommentieren

Das Leben und das Chaos und die Dramen und die Katastrophen

Nun. Es gibt Menschen, aus denen werde ich einfach nicht schlau. Ich weiß nicht, was diese Menschen denken, fühlen, geschweige denn, was sie eigentlich von mir wollen. Jedes Signal scheint dem vorherigen zu widersprechen und jeder Versuch, eine deutliche Antwort zu bekommen, führt dazu, noch mehr Fragezeichen geschenkt zu bekommen. Vielen Dank auch, kannste behalten.


Ehrlich gesagt bin ich das nicht gewohnt. Ich bin es nicht gewohnt, so gar keinen Eindruck, rein gar keine Vorstellung davon zu haben, was in meinem Gegenüber vor sich geht. Ich bin es nicht gewohnt, aus einem anderen Menschen nicht schlau zu werden und über jemanden sagen zu müssen "kann ich nicht einschätzen". Menschen, die ich nicht einschätzen kann, haben für gewöhnlich auch gar nicht erst meine Neugier geweckt.


Ich will nicht zu diesen Menschen gehören, die von sich behaupten, eine gute Menschenkenntnis zu haben oder jemand zu sein, der so unheimlich viel wahrnimmt und Dinge bemerkt, die anderen Menschen verborgen bleiben. Klar, sicher denke ich das auch manchmal über mich, aber ich denke, da unterscheide ich mich nicht von fast jedem anderen Menschen auf diesem Planeten.


Früher habe ich mich oft in Menschen getäuscht. Ständig. Immerzu. Ich habe schon den Eindruck, dass es im Laufe der Jahre besser geworden ist, aber sicher, das gehört auch zum Älterwerden dazu.
Ich nehme viele Dinge nicht wahr und ich glaube, vieles geht tatsächlich schlichtweg an mir vorbei. Beispielsweise ist es mir schon ehrlich oft genug passiert, dass Menschen sich über die Eigenarten eines Mitmenschen unterhalten, irgendwelche auffälligen Merkmale, Gesten, Wortwiederholungen...,, und ich bin völlig erstaunt, weil mir das noch nie aufgefallen ist.


Gleichzeitig habe ich aber schon den Eindruck, ungefähr zu wissen, wie ich einen Mitmenschen einzuschätzen habe. Es ist vor allem meist das Bauchgefühl. Es gibt viele Menschen, bei denen ich von Anfang an kein Interesse an irgendeine Art von menschlichem Kontakt verspüre. Und dann suche ich diesen für gewöhnlich auch nicht. Vielleicht bin ich da manchmal doch recht kritisch.


Und jetzt ist mir jemand begegnet, der in kein Muster richtig reinpassen will und mich damit schier wahnsinnig macht.


Ich verstehe sein Verhalten nicht, verstehe seine Aussagen nicht, nicht mal seine Witze. Ich verstehe nicht, ob hinter seiner Art schlicht Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit stecken oder ob ich es in Wirklichkeit mit einem interessanten Menschen zu tun habe. Und während die eine Möglichkeit für gewöhnlich bewirkt, dass ich das Weite suche und die andere Möglichkeit normalerweise den Effekt hat, dass ich mich erst so richtig für jemanden begeistere, bewirken beide Möglichkeiten zugleich, dass ich irgendwo zwischen gehen und bleiben immerzu pendel und mich dafür rüge, mich nicht festlegen zu können. Nicht, weil ich es nicht wollen würde, sondern weil man mich eben nicht lässt.


Mein Kopf sagt ganz klar, was ich davon zu halten habe: Kein gutes Zeichen. Weil soetwas generell kein gutes Zeichen sein kann. Oder? Oder doch? Aber wie will ich jemals für etwas Verständnis zeigen, das ich nicht verstehe?
Und nein, ich verstehe dieses Verhalten nicht. Ich habe so manch fiese Erklärung dafür, warum jemand sich so verhält. Und manche davon tun erstaunlicherweise wirklich weh.


Ich kann es kaum erwarten, dass ich eine Antwort finde. Dass man mir eine gibt. Ich bin so unendlich gespannt und gleichzeitig habe ich ehrlich große Angst. Ich will nicht, dass irgendwer mit mir seine Spielchen treibt und ich das naive Schaf bin, das es irgendwann merkt, wenn das Spielchen fast zu Ende ist.


In den letzten Tagen habe ich mich immer und immer und immer wieder und wieder daran erinnert, wie ich mich am Sonntag gefühlt habe. Was ich gedacht habe. Und was einfach nur mein Eindruck war. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, weil das, was ich in den letzten drei Tagen empfunden habe, so rein gar nicht zu dem gepasst hat und ich verstehe es schlichtweg nicht.


Das kann nicht gut gehen. Kann es einfach nicht. Oder? Oder doch? Vielleicht doch, ja?
Nun ja. Ohne heute noch 2, vielleicht auch 2 1/2 Tage. So eine Woche geht viel schneller rum, als ich befürchtet hatte. Vielleicht bekomme ich dann eine Antwort. Und ja, selbst wenn sie mir nicht gefällt, geht es dann eben auf einem anderen Weg weiter. Zumindest sage ich mir das immer wieder. Und wieder.


Bäh. Leben. Du hast mich eindeutig wieder zurück. Du und dein Chaos und deine Dramen und deine Katastrophen. Jaja. Ich gebe zu, ich habe dich und all das ehrlich vermisst. Es ist schon okay, wie es ist. Ich jammere auf hohem Niveau. Ich finde es langweilig, wenn ich nicht ein wenig dramatisieren kann und kann nicht so zugeben, dass meine Abscheu in Wirklichkeit pure Lust auf dich ist. Kennst mich doch. Alles gut. Ehrlich. Ich weiß schon, alles wird sich zeigen und fügen und damit kann ich leben, liebes Leben. Ich bin nur so neugierig, du hast mich auf deiner Spur, ich bin gerade deine eifrigste Verfolgerin und das allein nur deshalb, weil du es spannend für mich machst. Es ist als hättest du mir die ersten spannenden Kapitel eines Buches geschenkt und ich will wissen, wie es jetzt weitergeht. Auf jeden Fall. Unbedingt. Sofort und jetzt und überhaupt.
Du enttäuschst mich mal wieder nicht. Ich bin mir sicher, du hast in der nächsten Zeit noch die eine oder andere Überaschung und die eine oder andere dramatische Wendung parat. Ich bin gespannt, was du dir einfallen lässt. Und was ich daraus mache. Mach ruhig weiter so, bisher hast du mich nicht enttäuscht, liebes Leben.

6.12.17 23:07, kommentieren

Spielchen

Okay. Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich habe jemandem etwas gesagt, dass dieser mir, wenn er vernünftig ist, komplett übelnehmen wird. Keine Ahnung, ob es die richtige Entscheidung war. Meine Mutter sagt "Nein" und meine Mutter ist für gewöhnlich da die Vernünftigere von uns Beiden. Aber ich bin für Ehrlichkeit. Ich hätte sonst das Gefühl, Spielchen zu spielen und das will ich nicht.


Mir ist klar, dass ich gerade niemandem Rechenschaft schulde, aber ich selbst bin es mir schuldig, das zu tun, was sich für richtig anfühlt und ich denke, bei all den Möglichkeiten, die ich hatte, war das gerade am ehesten die, die sich halbwegs richtig angefühlt hat. Vermutlich werde ich das schon gleich bitterlich bereuen.

5.12.17 22:22, kommentieren