Wo ist das Problem?

Hallo "Sören"!
Ich weiß gerade gar nicht, worauf ich am besten zuerst reagiere. Ich nehme deinen Kommentar ehrlich ernst, allerdings trieft er mir an mancher Stelle zu sehr von all den Klischees, die sich darin finden. Also gut, chronologisch:


Ja, über eine App. Nicht Tinder, nein. Das Prinzip ist ein ähnliches.
Nein, ich sage es den Männern nicht. Und mir ist auch nicht ganz klar, warum ich es jemandem sagen muss, dass ich nächste Woche vielleicht einen anderen treffe? Entscheidend ist doch, dass ich nicht mehrere Männer gleichzeitig immer wieder treffe, meinst du nicht? Dass ich verschiedene Dates schon innerhalb kurzer Zeit jetzt hinter mir habe, habe ich bei dem einen oder anderen bereits thematisiert. Eben wenn es  irgendwie im Gespräch angerissen wird, denn ich sehe nicht ein, warum ich das verheimlichen sollte. Ich bin doch aber niemandem Rechenschaft schuldig oder sehe ich das falsch? Ich steige bisher mit niemandem in die Kiste, knutsche nicht mal wild rum und verspreche auch sonst niemandem etwas. Wo also ist das Problem? Wäre jetzt einer dabei, bei dem ich merke, dass sich da ein gutes Gefühl einschleicht, dann date ich nicht weiter. So habe ich das beispielsweise mit Wochenendtyp gemacht am Anfang.


Keine Ahnung, wie du dazu kommst, soetwas über den Wochenendtyp zu sagen. Glaub mir, ich sehe ihn durchaus teilweise recht kritisch, aber deine Einschätzung teile ich weniger.


Witzig, in welche Ecken du mich abdriften siehst. Vielleicht behältst du Recht. Dann Glückwunsch fürs Rechthaben, aber ich sehe das gerade nun wirklich nicht. Ich neige zu einem grundsätzlichen Misstrauen und habe ganz offensichtlich auch etwas an mir, das die meisten Männer davon abhält, zu stürmisch oder zu schnell zu sein. Selbst ein Wochenendtyp, der offenbar ja zehn Frauen an jedem Finger hat und wohl kaum treu sein kann (nach deiner professionellen Einschätzung), traut sich offenbar auch nach fünf 'Dates' nicht, irgendeine Art von Schritt in diese Richtung zu wagen (und ich meine wirklich irgendeine Art). Aber vielleicht will er ja auch nur was Platonisches? Deine Einschätzung passt dann aber trotzdem irgendwie nicht recht. Oder ist das eine Masche? Aber ganz ehrlich... mit dieser Masche kann er wohl kaum zehn Frauen an jedem Finger haben. Also auch das passt nicht.


Und so sehe ich dann auch den Rest deines Kommentars. Ich rede schon lange gerne über Brüste oder Sex oder Körper. Ist ja auch ein interessantes Thema. Und selbst dabei bin ich doch eher vorsichtig und bedacht. Aber grundsätzlich darüber zu reden, halte ich nicht für eine Sünde. Heißt das jetzt, dass ich mir bald die Kleider vom Leib reißen werde, weil ich mich ja ach so toll finde und Sex gut finde? Ich bezweifel es. Ganz arg.


Mal ganz abgesehen davon ist mir auch nicht klar, wo das Problem wäre, würde ich jetzt tatsächlich 'Sexdates en masse' haben. Na und? Dann wäre das so. Wenn ich mich damit wohlfühlen würde? Und wenn ich gerne Sexdates hätte? Meine Güte. Komm mir jetzt nicht damit, wie gefährlich das ist. Zum einen gibt es durchaus Maßnahmen, um das Risiko ein wenig zu senken, zum anderen kann es das immer sein, wenn man mit jemandem intim wird. Ich bin nicht so doof zu denken, dass mir soetwas nicht passieren kann. Aber um das komplett auszuschließen, sollte ich am besten nicht mehr das Haus verlassen. Oder mit Männern reden. Am besten beides nicht.


Und jetzt noch mal etwas ganz Allgemeines:
Ich habe, jedenfalls nicht dass ich mich daran erinnern würde, bisher nicht ein einziges Mal gesagt, dass ich mir erhoffe "den Richtigen" dort zu finden. Sicher, wäre schön, wenn sich etwas Ernstes ergeben würde, aber es war nicht mein Ziel, als ich mich dort angemeldet hatte.
Ich bin hier in den vergangenen 12 Monaten fast eingegangen, zum einen weil es hier so wenig Möglichkeiten gibt, ernsthaft raus und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Und zum anderen weil ich mich selbst nicht mehr ertragen habe, in der Überzeugung, eine hässliche Abscheulichkeit zu sein. Man kann sich da ziemlich gut reinsteigern.
Mir haben diese Dates geholfen. Und zwar nicht, weil ich jetzt denke, "wie angenehm" meine "Erscheinung überkommt". Sondern weil es mir geholfen hat, aus meinem Schneckenhaus rauszukommen, mit Menschen (insbesondere mit Männern) in Kontakt zu kommen und ja, auch zu sehen, dass ich auf andere Menschen nicht so wirke, wie ich dachte, dass ich es tun würde. Ich habe das hier gebraucht. Und auch hier: Ich sehe das Problem nicht. Es hat etwas Positives bei mir bewirkt.


Mal abgesehen davon - und das macht diese App so interessant - habe ich übrigens echt ein paar interessante Leute kennengelernt. Vielleicht bin ich aber ja auch nur so naiv, sie für interessant und sympathisch und gutherzig zu halten? Aber auch hier ganz ehrlich: Das kann mir da draußen in dieser Welt auch passieren, dass ich auf jemanden reinfalle. Auch ohne App.


Letztendlich verstehe ich wirklich nicht, was das Problem ist. Dein Kommentar wirkt auf mich ein wenig festgefahren und starr. Ich schrieb übrigens bereits im letzten Eintrag, dass ich gemerkt habe, dass das für mich nicht so das Wahre ist. Und dass ich festgestellt habe, dass mir selbst Sexdates nicht so recht liegen wollen. Aber mit jemandem essen zu gehen, sich nett zu unterhalten und einfach etwas über einen anderen Menschen zu erfahren - das ist ganz ehrlich eine tolle Sache und ich staune darüber, wie unterschiedlich die Persönlichkeiten sind, denen ich so begegne (zugegeben, wäre es Tinder, wäre das wohl möglicherweise anders).


Sollte ich es jemals zur Gewohnheit machen, nach dem (ersten) Essen auf eine Tasse Kaffee "mit hoch" zu gehen, werde ich an dich denken und dich darüber informieren. Aber ich mag Kaffee nicht sonderlich. Und auch der Rest davon gefällt mir gerade nicht sonderlich. Ich will nicht mal eben 'ne schnelle Nummer und dann den nächsten Typ daten. Das wollte ich auch beim letzten Date nicht. Ich möchte etwas mit jemandem, den ich mag, der mir sympathisch ist und der mir zusagt. Nur habe ich dieses "Etwas" nicht genau definiert. Es sollte nur ein Etwas sein, das ein wenig anhält.


Wie auch immer. Dieser Kommentar hat es nicht mehr in das Kommentarfeld geschafft und für einen Eintrag ist er eigentlich viel zu wüst und zu chaotisch.


Also dann: Viel Spaß beim Schreiben deiner Geschichte!
 

12 Kommentare 25.1.18 23:18, kommentieren

Egal

Hm. Ich habe jetzt eine halbe Stunde lang an einem Eintrag geschrieben, den ich dann doch wieder Zeile für Zeile gelöscht habe, um ihn dann wieder neuzuschreiben, anschließend wieder zu löschen und diesen Vorgang insgesamt mehrmals zu wiederholen.


Ich habe gelernt, Worte nicht zu veröffentlichen, wenn ich mich offenbar so unwohl mit ihnen fühle.

 

Ich habe den gestrigen Eintrag bereut. Weil er ein Bild gezeichnet hat, das so nicht stimmig ist. Gestern, als ich frustriert war, weil auch das neuste Date nicht anders lief als all die Dates davor, da war es für mich die Wahrheit.


Aber jetzt?
Jetzt bin ich doch wieder deutlich vorsichtiger mit meinen Worten. Oder meinen Gedanken.


Mich führt das alles gerade nicht zum Ziel.  Zumindest nicht zu dem Ziel, das ich ursprünglich vor Augen hatte.


Dinge sind so lange in Ordnung, wie man sich nicht von ihnen abhängig macht. Das hier funktioniert nur, solange es mir egal ist. Und dabei will ich doch genau das Gegenteil. Ich will etwas, was mir so ganz und gar nicht egal ist.

22.1.18 23:13, kommentieren

Date-Erfahrungen - Oder: Nur ein einziges Mal...

Date Nr. 6 also.
Wenn ich "Nr. 6" schreibe, dann spreche ich nicht von sechs Dates mit dem gleichen Typ sondern von sechs Dates mit sechs verschiedenen Typen. In einem Zeitraum von etwa 1 1/2 Monaten.
Zeit, um mal ganz im Allgemeinen und auch im Speziellen etwas zu diesen Dingen zu schreiben.


Im Grunde läuft das alles jedes Mal gleich ab.
Ich schreibe mit jemandem, ein paar Tage, eine Woche, manchmal auch länger und irgendwann kommt die Frage nach einem Treffen. Ich sage nie "Nein". Bisher zumindest nicht. Weil ich immer denke, dass es sein könnte, dass sich jemand persönlich als sehr interessant herausstellt.


Wir machen ein Date aus. Trinken oder essen gehen. Etwas anderes kam bisher nicht vor und wäre beim ersten Date wohl auch eher kontraproduktiv.
Der Ort ist unterschiedlich. Teilweise fahre ich eine längere Strecke. Teilweise nimmt jemand anderes für mich eine längere Strecke in Kauf. Bisher waren die Dates alle in einem Umkreis von etwa einer Stunde.


Dann kommt der Date-Tag. Die Tage zuvor denke ich wenig oder kaum daran. Ich schreibe weiter mit demjenigen als wäre nichts. In meiner Wohnung mache ich mich dann fertig. Fast immer ziehe ich das Gleiche beim ersten Date an (zumindest zu dieser Jahreszeit): grüner Rock mit schwarzer Thermostrumpfhose, schwarzes Top, dunkles Jäckchen dazu. Kleidungsstücke, mit denen ich mich wirklich wohl fühle, die ein wenig was von meiner Figur verraten und trotzdem immer noch die Exhausted präsentieren, die ich bin. Keine Kleidung, die meiner Figur extrem schmeichelt oder mit der ich mich optisch zu einer anderen Person mache als ich eigentlich bin.
Auch Haare und Make-up sind jedes Mal gleich und unterscheiden sich nicht davon, wie ich sonst rumlaufe. Einziger Unterschied ist gelegentlich ein Spritzer Parfum, der so minimal ist, dass man ihn vermutlich eh kaum wahrnimmt.


Wenn ich zu einem Date fahre, bin ich für gewöhnlich immer spät dran. Bei sechs Dates war ich vier Mal zu spät. Ein Mal ganz erheblich, bei einem Mal hatte ich ziemliche Parkplatzprobleme, bei einem anderen Mal war ich vielleicht fünf Minuten zu spät, doch mein Date hatte schon Panik, ich würde nicht auftauchen. Ein einziges Mal war ich früher dran und ebenso nur ein einziges Mal war jemand später dran als ich. Letzteres war der Wochenendtyp.
Während der Fahrt zu einem Date muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich gleich einem fremden Menschen begegnen werde und mit diesem Zeit verbringen werde mit dem Ziel, ihm vielleicht körperlich und emotional mal näher zu kommen. Bei dem ersten und zweiten Date hatte ich noch wesentlich mehr Respekt vor dieser Tatsache. Der Anteil einer gewissen Gleichgültigkeit ist aber größer geworden. Natürlich bin ich neugierig und sicherlich auch irgendwo aufgeregt, aber meist kommt es mir doch eher vor als würde ich jemanden treffen, den ich im Grunde schon kenne. Das hält mich allerdings nicht davon ab, während der Fahrt mindestens zwei Dutzend Mal in den Rückspiegel zu sehen und zu kontrollieren, ob mir mein Gesicht noch gefällt. Und ob meine Haare noch sitzen. Naja, manchmal bin ich auch bloß eine Frau.


Nur ein einziges Mal war ich im Vorfeld so nervös, dass ich dachte, ich würde mich noch während des Autofahrens übergeben. Das ist wirklich nicht übertrieben, nachdem mein Herz wirklich stark raste und ich anfing, Selbstgespräche zu führen, in denen ich mich beruhigte und mir immer wieder einredete, dass es eh darauf hinauslaufen würde, dass ich den Typ nicht mögen würde und er mich nicht. Es half aber wenig. Das war der Wochenendtyp.


Das Date selbst beginnt für gewöhnlich damit, dass ich mit energischen Schritten, wehendem Schal und einem breiten Lächeln auf mein Date zulaufe und mich mit viel Energie und Selbstbewusstsein für meine Verspätung entschuldige und über das ganze Gesicht strahle. Bisher habe ich eigentlich bei fast allen Dates in diesen entscheidenden Sekunden die gleiche Reaktion wahrgenommen: Erstaunen, etwas Ungläubigkeit und soetwas wie Begeisterung
Nur ein einziges Mal habe ich das so gar nicht sehen können - das war bei dem Date, bei dem ich zu früh war. Und ein einziges Mal war ich es, die genau diese Dinge in den Augen gehabt haben dürfte. Und schon wieder: Wochenendtyp.


Anschließend folgt eine Umarmung. Ich bin nicht mehr so blauäugig wie beim allerersten ersten Date im Dezember, bei dem ich ganz brav meinem Gegenüber die Hand schütteln wollte und mein Gegenüber mich direkt in eine Umarmung gezogen hat. Als auch das zweite und das dritte Date so gehandelt hatten, habe ich mir angewöhnt, es auch so handzuhaben. Beim fünften Date bekam ich direkt einen Kuss auf jede Wange (vielleicht bedingt durch eine andere Kultur) und jetzt beim sechsten Date war es eine Kombination aus Handschütteln und Umarmung.

Dann betreten wir die Bar oder das Restaurant. Ich bin zu dem Zeitpunkt für gewöhnlich plötzlich aufgeregt, meist zittere ich leicht und brauche erst ein paar Minuten, um richtig anzukommen. Irgendwie brauche ich jedes Mal ewig, bis ich mich endlich hinsetzen kann - Tasche ablegen, Schal ablegen, Jacke öffnen, Jacke ausziehen, Sachen irgendwie so verstauen, dass ich nichts umschmeiße und trotzdem noch Platz finde, um mich hinzusetzen. Für gewöhnlich schaue ich in der Zeit vor allem auf meine Sachen und versuche dabei dem Mann ein, zwei Momente geben, mich abzuchecken. Keine Ahnung, ob man das so machen sollte, aber schließlich ist das bis zum Aufbrechen am Ende des Abends die einzige Gelegenheit für ihn, meine Figur so richtig zu sehen (außer ich gehe auf die Toilette) und vielleicht auch wahrzunehmen, ob ich überhaupt seinem Geschmack entspreche.


Wir sitzen uns gegenüber, bestellen uns etwas zu trinken, vielleicht auch etwas zu essen. Gemeinsam haben sie fast alle, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon denke: Und wieder nichts. Nur ein einziges Mal war dem nicht so. Ihr ahnt es. Ja: der Wochenendtyp. Jetzt hätte ich gerne diesen Whatsapp-Smiley, der die Augen verdreht und nach oben sieht. Stellt euch den einfach vor.


Wir unterhalten uns über die unterschiedlichsten Dinge. Ein paar Themen tauchen eigentlich immer auf: Hobbys, meine Arbeit, meine Heimat, meine Zukunftspläne. Überwiegend langweiliges Geplänkel, bei dem ich zuhöre oder erzähle und meinen Gegenüber ebenso wie mich selbst stinklangweilig finde.
Nur ein einziges Mal... Jaja. Der Rest sollte jetzt schon klar sein. Mit ihm war das einfach anders. Wir haben Witze gemacht, ich war ganz schön frech und er hat jedes Mal noch etwas frecher gekontert. Ich bin noch immer aufgeregt, wenn ich daran zurückdenke.


Ein paar Dinge habe ich nun im Allgemeinen während der Dates festgestellt und gelernt. Mein Gegenüber findet mich in der Regel gut. Ich bin dankbar für Langweiler-Themen, bei denen ich mich auf sicherem Terrain bewege (beispielsweise irgendwelche Sitcoms). Und ich kann mir selbst gegenüber noch so oft betonen, dass der Mensch vor mir gut aussieht, sympathisch wirkt und ein angenehmer Kerl ist. Es ändert nichts. Der Witz ist: Ich versuche mir selbst das nie einzugestehen und ich merke es jedes Mal daran, dass mein Gegenüber irgendwann irritiert zur Seite sieht, weil ich im Laufe eines Dates immer weniger meinem Gegenüber in die Augen sehe sondern stattdessen zur Seite blicke.
Normalerweise halte ich generell recht viel Augenkontakt mit meinen Mitmenschen. Aber je mehr ich unterbewusst spüre, dass ich bei einem Date nicht das finde, was ich suche, halte ich den Blickkontakt immer weniger aus. Liegt vermutlich daran, dass ich da das Gefühl habe, ich könnte sonst falsche Signale senden. Nur ein einziges Mal war das anders... Wie gehabt.


Das Date endet dann für gewöhnlich damit, dass wir nach der Rechnung verlangen. Bisher wurde ich immer eingeladen, was mir gleichzeitig auch unangenehm ist. Ich hätte kein Problem damit, mein Getränk oder mein Essen selbst zu zahlen. Nur ein einziges Mal habe ich selbst gezahlt... Wie gesagt.


Wir verlassen die Bar oder das Restaurant. Meistens werde ich noch zum Auto gebracht. Heute hatte ich das abgelehnt, weil mein Auto wirklich nicht weit weg stand. Ansonsten bin ich dankbar dafür, weil ich abends oder nachts wirklich nicht gerne alleine durch die Gegend laufe.


Bei der Verabschiedung werde ich nach meiner Handynummer gefragt oder ich werde vorsichtig darauf angesprochen, dass eine Wiederholung schön wäre. Oder ich bekomme später eine Nachricht mit einem derartigen Inhalt.
Einzige Ausnahme war auch hier der Wochenendtyp. Er hatte direkt meine Handynummer klar gemacht, was für den nächsten Tag ausgemacht und noch während des Dates einige Unternehmungen vorgeschlagen. Unkonventionell. Sollte man vielleicht eher nicht machen, wenn einem das Mädchen gegenüber nicht eindeutig zeigt, dass sie unbedingt will.


Sobald ich dann in meinem Auto sitze, bemerke ich, wie irgendwas von mir abfällt. Es sind jedes Mal ähnliche Gedanken und ähnliche Gefühle. Keine sonderlich guten. Nur ein einziges Mal bin ich mehr zur Wohnung geschwebt als gefahren.


Am Anfang hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, mehrere Männer zu daten. Mittlerweile denke ich, es ist okay. Ich lerne ja nur Menschen kennen. Das Date endet nicht mit einem Kuss, mit Gefummel oder sonst was. Nicht mal mit Händchenhalten oder anderem Körperkontakt (abgesehen von der Umarmung). Kein einziges Mal war es anders. Leider.


Zwei der sechs Männer habe ich wiedergetroffen. Einer davon dürfte jetzt schon offensichtlich sein. Mit dem zweiten war dies von Anfang an so ausgemacht, dass wir uns zwei Chancen geben würden. Das zweite Date endete allerdings ziemlich bescheiden, nachdem er komplett entnervt war, weil ich quasi nur noch aus dem Fenster gesehen hatte. Ich hielt diesen erwartungsvollen Ausdruck in seinen Augen nicht mehr aus.
Die vier anderen haben mich um weitere Dates gebeten, bisher habe ich es mir offen gelassen. Einen davon werde ich sicher nochmal wiedersehen. Ich mag ihn, auch wenn da nicht dieser Funke war, den ich so sehr suche. Naja. Der Funke war bei keinem da. Außer...


Jedes Date habe ich mit dem Gedanken getroffen, dass ich mir eigentlich eine Beziehung erhoffe. Nur ein einziges Mal war das anders. Nein. Falsch. Nicht der Wochenendtyp. Das heutige Date. Wir hatten vorher ausführlich über Sex geschrieben. Wäre es nach ihm gegangen, hätten wir es vermutlich heute schon wild miteinander getrieben. Aber so läuft das mit mir nicht. Trotzdem hatte ich mir vorgenommen, diese Suche nach etwas Ernstem jetzt aufzugeben. Ich bin es wohl ein wenig leid und denke mir, wenn ich schon niemanden finde, mit dem sich etwas Festes ergibt, dann vielleicht wenigstens etwas Spaß. Aber selbst das scheint nicht recht zu funktionieren.


Durch die Dates habe ich viel gelernt. Manchmal fühle ich mich bei den Dates wie ein Sechser im Lotto. Mega attraktiv und begehrenswert. Ich meine, ich habe mich bisher nur mit Durchschnittstypen getroffen wie ich selbst einer bin. Ich bin kein Supermodel und ich bin auch keine Granate im Bett. Ich werde nie einen Nobelpreis bekommen, einen Doktortitel ebenso wenig und auch sonst bin ich in keinem Bereich ein Übermensch. Aber ich merke bei diesen Dates, dass ich durchaus sehr begehrenswert bin. Ich habe Herz, Hirn und Humor. Und ein Paar Brüste. Das scheint eine äußerst begehrenswerte Kombination zu sein.


Heute, als ich dann am Ende des Abends mein Auto abstellte, war ich durchaus ein wenig frustriert und dachte so für mich, dass jeder dieser Typen sympathisch und angenehm war. Selbst der Sex-Typ war ein anständiger Kerl. Ich scheine auf die Idioten, die sich in dieser App sicherlich auch rumtreiben, offenbar keine Anziehung auszuüben.
Aber mein Gedanke war heute, dass ich einfach jemanden finden möchte, bei dem man Gefühl stimmt. Ein impulsiver Gedanke heute: Ich will einfach jemanden finden, der ein wenig wie Mr. Nevermind ist, ein wenig wie der Langhaarige, ein wenig wie der Wochenend-


Moment. Wie der Wochenendtyp?


Gefühl gegen Verstand. Zeigt sich immer wieder.


Keine Ahnung, wie es weitergeht. Ich weiß, was ich will, wie es weitergeht. Und ich ahne, dass das Leben jede erdenkliche Richtung wählen wird. Nur nicht diese. Gemeines Leben. Du tust auch wirklich alles dafür, um interessant zu bleiben und bringst mich fast um den Verstand.


Aber ich werde das hinnehmen. Ich kann nichts erzwingen. Dass das mit uns so eskaliert ist vor einigen Wochen hatte schließlich auch seine Gründe. Ich bin sicherlich nicht verliebt oder verknallt. Aber ich habe da einen Menschen gefunden, der etwas in sich trägt, was ich zu suchen scheine und bei all den anderen Dates schlicht nicht finden oder sehen konnte. Was habe ich mich über diesen Typ aufgeregt in der kurzen Zeit, in der wir uns kennengelernt haben. Aber wisst ihr was? Als ich ihn zwei Wochen darauf zufällig im Auto gesehen hatte - zufällig stimmt so nicht ganz, ich war in seiner Stadt unterwegs und hatte jedes vorbeifahrende Auto bewusst wahrgenommen - hat mein Herz fast ausgesetzt und in meinem Kopf begann alles wieder von vorne.


Werde ich noch weitere Dates haben? Vermutlich, aber ich lege es gerade nicht mehr so darauf an. Ist mir alles egal gerade. Der Sextyp von heute lachte darüber und machte eine wellenartige Bewegung mit den Händen, um mir daraufhin zu erklären, dass das die typischen Schwankungen seien, die man automatisch erlebe, wenn man bei so einer Dating-App-Geschichte mitmacht. Ich glaube, er hat Recht.

21.1.18 22:44, kommentieren