Trennung

Vor etwas weniger als vier Jahren (in einem Monat werden es vier) scheiterte die Beziehung zwischen Mr. Nevermind und mir. In Wahrheit scheiterte sie viel früher schon, aber im Juni vor vier Jahren gaben wir das voreinander zu.
Ich hatte Wochen und Monate zuvor schon begonnen, mich innerlich darauf vorzubereiten, dass dieser Tag kommen würde, aber es ist immer etwas anderes, wenn der Tag dann tatsächlich kommt.


Wir saßen damals an dem Tisch unserer Küche (den Tisch habe ich noch immer) uns direkt gegenüber und beendeten auf eine sachliche, freundschaftliche Art unsere Beziehung. Ich brach damals in Tränen aus, obwohl ich mir bis zu diesem Zeitpunkt sicher gewesen war, dass es besser für mich und wohl auch für ihn sein würde, würden wir getrennte Wege gehen.


Mr. Nevermind war damals einer meiner Lieblingsmenschen. Er und ich waren über Monate und Jahre zu einem Wir geworden. Er war für mich da, teilweise einfach wahnsinnig süß und aufmerksam. Ich konnte mit ihm lachen, rumalbern, diskutierten und ein wenig philosophieren und vor allem mit ihm Zeit verbringen, ohne dass er mir lästig wurde (oder ich ihm).
Dennoch gab es viele Dinge, die mir in der Beziehung fehlten. Nähe. Oft auch Geborgenheit. Das Gefühl, wirklich geliebt zu werden - er hat es tatsächlich damals manchmal geschafft, dass ich der Ansicht war, dass man mich körperlich offenbar lieben könnte, aber charakterlich vielleicht nicht ganz so begehrenswert bin.
Er ließ mich in unserer Beziehung oft nicht so an sich heran, was ich häufig bedauerte. Ich wäre gerne mehr für ihn da gewesen, spürte damals all die Dinge, die ihn belasteten und beschäftigten, und konnte nicht mehr als zusehen und daneben sitzen, weil er mich immer ein wenig aus seinem Leben aussperrte.


In den letzten Wochen unserer Beziehung hatte ich mir oft gewünscht, dass ich endlich den Mut finden würde, die Beziehung zu beenden und einen anderen Weg zu gehen als er.
Als wir uns dann tatsächlich trennten, brach für mich eine Welt zusammen. Ich hatte einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren.


Ich erinnere mich noch ziemlich gut an die Zeit. Ich bettelte meine damalige Chefin an, meine Arbeit schon eher aufgeben zu können, um bereits heim fahren zu können (ich hatte noch etwa 1 1/2 Monate dort zu arbeiten), aber es ließ sich nur auf eine oder zwei Wochen verkürzen. Ich heulte den ganzen Tag und wälzte mich nachts stundenlang im Bett, ohne einschlafen zu können. Ein paar Mal rief ich meine Mutter mitten in der Nacht an, um am Telefon in Tränen auszubrechen - etwas, was ich mir zuvor nie ihr gegenüber erlaubt hatte, denn es war mir furchtbar unangenehm.
Die Nächte verbrachte ich oft allein in der Wohnung, weil Mr. Nevermind sie damals mit einem Mädchen verbrachte, das er kurz vor der Trennung kennen gelernt hatte. Im Nachhinein war sie wohl der entscheidende Grund gewesen, warum er von heute auf morgen den Mut für die Trennung gefunden hatte, der mir gefehlt hatte - er hatte eine Möglichkeit in Aussicht, nicht alleine zu sein.


Am meisten von all dem erinnere ich mich aber an das Gefühl von Verlust und von unsagbarem Schmerz. Es gibt nur wenige Menschen, die in meinem Leben jemals so ein fester Bestandteil meines Alltags und meiner Gedanken geworden sind, dass ich ihnen gedanklich und tatsächlich so viel Zeit widme. Und wenn ich dann einen dieser Menschen verliere, fühlt es sich ein wenig so an, als würde ich einen Teil von mir selbst verlieren. Ziemlich kitschig. Es passiert einfach nicht so oft, dass Menschen für mich einen derartigen Stellenwert bekommen.


Damals, als ich weinend im Bett lag und nachts nicht mehr einschlafen konnte, dachte ich oft daran, dass ich unbedingt mit Mr. Nevermind reden müsste - der Mr. Nevermind, mit dem ich meine Gedanken und Gefühle teilte, der mir zuhörte und mich gelegentlich tröstend in den Arm nahm. Nicht der Mr. Nevermind, mit dem die Beziehung gescheitert war und der bei einem anderen Mädchen schlief. Und jedes Mal, wenn ich realisierte, dass es den Mr. Nevermind, nach dem ich mich sehnte, für mich nicht mehr gab, brach ich erneut in Tränen aus.

17.5.17 18:29

Letzte Einträge: Auto-Momente , zukommen lassen , Wahrheiten , Abschied, Wie die Dinge sind

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


. (19.5.17 15:11)
Warum nur können wir meist nicht sagen oder gar tun was wir denken, was wir fühlen. Ist es Feigheit, Angst, Sorge, Mangel an Selbst oder nur falsche Gewohnheiten:::::?
Du bist außergewöhnlich fähig Worte zu finden - verwende sie !

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen