Auto-Momente

Da ich mich gerade auf ein paar aufkommenden Gedanken ablenken will, widme ich mich einem neuen Eintrag. Über meine Gedanken kann und möchte ich zur Zeit hier einfach nicht schreiben.
Aber dafür über ein paar Alltagsmomente meines heutigen Tages. Ich teile sie manchmal gerne und vor allem halte ich sie gerne fest. Als kleine Erinnerungen für die Zukunft.


Ich stand heute mit einer Kollegin im Raum und unterhielt mich über ein paar berufliche Dinge mit ihr, als unser Boss den Raum betrat und sich hocherwartungsvoll zu uns stellte. Als ich sah, dass er in meine Richtung sah, drehte ich mich überrascht zu ihm um und fragte lächelnd: "Wollen Sie zu mir oder zu Frau ... ?"
"Nein nein, ich möchte zu Ihnen!"
, kam als Antwort und ich reagierte ehrlich erstaunt.
"Zu mir? Ehrlich?"
Im Nachhinein wohl nicht so geschickt. Aber ich war mir tatsächlich nicht so sicher, ob er das ernst meinte und meine Kollegin ist die deutlich gefragtere von uns beiden. Das heißt, sie ist von vielen Dingen und Anliegen einfach wesentlich mehr und häufiger betroffen als ich.
"Ja, ich möchte zu Ihnen. Sonst würde ich ja nicht in Ihre Richtung sehen und Sie wartend anlächeln.", erklärte mir mein Boss.
Ich setzte ein breites Grinsen auf und erwiderte nur: "Also ich hatte ja gedacht, Sie wollten mich einfach so freundlich anlächeln."
Er lachte, antwortete "Na das natürlich auch" und irgendwie war es ein guter Moment.


Ein weniger guter Moment war heute mit K-Kollegin. Irgendwie hat sie mich überfordert. Ich weiß nicht, was los mit mir war. Jedenfalls war ich ziemlich abweisend. Als sie später weg war, tat mir das furchtbar leid, aber statt ihr zu schreiben, entschied ich mich dafür, mein schlechtes Gewissen für den Rest des Tages zu ertragen und mit ihr morgen persönlich darüber zu reden. Allerdings weiß ich dennoch nicht, was ich ihr sagen soll, denn ich habe mich in dem Moment selbst nicht so richtig verstanden. Irgendwie hatte sie mich auf dem falschen Fuß erwischt und während sie irrtiert feststellte, dass ich nicht mitlachte, stellte ich irritiert fest, dass ich mich nur mit Mühe beherrschen konnte. Und das, obwohl sie, soweit ich mich erinnere, nicht mal etwas Falsches gesagt hat. Vielleicht gehen gerade mit mir manchmal einfach die Emotionen durch, was nicht heißt, dass das okay gewesen wäre.
K-Kollegin weiß, was mich zur Zeit bewegt. Und ich weiß, dass sie es nicht wirklich versteht. Das wiederum sorgt dafür, dass meine Gedanken irgendwie zwischen uns stehen, weil ich sie zwar als Freundin betrachte, aber gleichzeitig nicht mit ihr über diese Dinge reden kann. Manchmal habe ich, wenn ich ehrlich bin, schon das Gefühl, dass ich ihr nicht mehr zu sehr zeigen darf, wie sehr mich das alles bewegt, weil es die Kluft zwischen uns nur noch etwas größer macht.


Einen schrägen Moment hatte ich außerdem heute im Auto. Ich weiß wirklich nicht, warum mir das immer wieder passiert. Ich werde - und das habe ich in letzter Zeit hier wirklich oft genug betont - normalerweise nicht angesehen und auch nicht angesprochen. Vor allem Letzteres passiert mir nie. Nie.
Umso absurder ist es, dass ich irgendwie, wenn ich im Auto sitze, mit Menschen in Kontakt komme. Mittlerweile könnte ich schon ein halbes Buch schreiben über diese Auto-Momente, in denen irgendwelche Autofahrer oder Beifahrer auf mich aufmerksam werden. "Aufmerksam werden" hat irgendwie eine Wertung in sich, die es in dem Fall nicht trifft. Ich meine damit nicht, dass die Menschen in den Autos nicht die Augen von mir losbekommen oder so. Sie schauen nur eben. Und manchmal nicht nur das.


So fuhr ich heute durch eine verengte Straße. Ein Wagen hielt und ließ mich vorbeiziehen. In dem Wagen saßen einige Männer, wie ich unschwer erkennen konnte und irgendwie war das ein dermaßen witziger Anblick, dass ich trotz meines konzentrierten Gesichts - weil es relativ eng an der Stelle war -, es leicht zum Schmunzeln verziehen musste. Manchmal mach ich diese Sache mit dem Mund beim Grinsen, da ziehe ich irgendwie nur den einen Mundwinkel hoch und verkneife mir insgesamt mehr das Grinsen als dass ich es gerade ausübe. Das sieht ziemlich sicher ziemlich komisch aus.
Der Fahrer sah mich jedenfalls und sah, dass ich gerade in seine Richtung schaute, lächelte breit (ich war im ersten Moment ein wenig abgelenkt von diesem Lächeln) und begann, mir auf eine so übertriebene Art zu winken, dass er sich ziemlich sicher sein konnte, sich meine Aufmerksamkeit zu sichern und dass ich mir ziemlich sicher sein konnte, dass er tatsächlich mich meinte. Und nein, das ist mir nicht zum ersten Mal passiert. Erst im April ist mir eine ganz ähnliche, quasi identische Situation passiert.


Und ich reagiere in solchen Momenten immer gleich: Ich fahre weiter und schaue unauffällig in den Rückspiegel, um zu schauen, ob ich irgendwas im Gesicht habe. Für gewöhnlich ist da aber eben nur mein Gesicht und das erklärt diese Reaktion wirklich nicht. Ich habe auch schon überlegt, ob es an meinem Kennzeichen liegt oder daran, dass ich irgendwie witzig aussehe. Es fällt mir auch schwer, es nicht als sicheres Zeichen dafür zu nehmen, dass ich ziemlich doof schaue. Dennoch lächel ich am Ende, weil es sich gut anfühlt. Zumindest solange ich mir das nicht nichtig und kaputt rede.


Naja. Mein Auto ist irgendwie ein sicherer Ort für mich. Ich kann da sehr viel besser sein, wer ich bin. Und da ertrage ich es auch ein wenig besser, wenn jemand auf mich aufmerksam wird. Damit kann ich sonst nicht so gut umgehen, weil es mich für gewöhnlich komplett aus dem Konzept bringt.


Es war heute kein schlechter Tag. Ein mittelguter, würde ich sagen.

5.7.17 23:40

Letzte Einträge: zukommen lassen , Wahrheiten , Abschied, Wie die Dinge sind

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