gefühlt

Es gibt recht viel, was mir im Moment durch den Kopf geht. Vieles davon ist sehr konfus und immer, wenn ich überlege, ob ich einen Eintrag schreibe, merke ich, dass mein Kopf sich zwar sehr voll anfühlt und da auch dieses Gefühl ist, dass es so viel gäbe, über das ich sprechen könnte, vielleicht auch sollte. Wenn ich aber dann darüber nachdenke, worüber ich schreiben möchte, merke ich, dass es für mich gerade nicht viele Worte gibt. Keine ausdrucksstarken und schon gar keine interessanten. Ich schätze, ich könnte gerade besser ein Gemälde malen, weil es für mich gerade mehr gefühlte als gedachte Dinge gibt. Und ohne dass ich tatsächlich eines male, würde ich sagen, es würde aus vielen Farbspritzern bestehen. Viel viel Gelb, darüber viel Blau, dunkles Blau, und immer wieder dazwischen ein wenig Rot. Keine Mischungen, nur Primärfarben. Satt und jede einzelne eine Aussage für sich. Keine Kleckse, nur langgezogene Spritzer, die sich über das Bild verteilen und die einst weiße Leinwand doch nicht ganz verdecken können. Ja, irgendwie passt das zu dem Gefühl, das ich im Moment habe und ich kann nicht mal erklären, warum. Es sind einfach die Farben, nach denen mir gerade ist.


Da ist einfach so viel Verschiedenes, was ich empfinde und denke im Moment.
Ich fang mit den banalen Dingen an, vielleicht komme ich irgendwie am Ende zu einem Ergebnis. Vielleicht auch nicht.


Auf der Arbeit hatte ich nach dem gestrigen Ereignis, das, mit etwas Glück, im Verborgenen bleibt, den ganzen Tag dieses flaue Gefühl in der Bauchgegend. Ich stellte mich immer wieder darauf ein, dass es doch noch alle mitbekommen könnten. Oder dass es schon jemand mitbekommen haben könnte.
Und mir ist aufgefallen, wie oft man, wenn man ein Geheimnis hat, in beklemmende Situationen kommt. Plötzlich sagen Menschen Dinge wie "Du, hör mal, ich war gestern etwas verwirrt und ich dachte erst, ich hätte das irgendwie falsch mitbekommen" oder "Weißt du eigentlich, dass ich dich gestern voll verteidigt habe?". Oder man bemerkt plötzlich bedeutungsschwangere Pausen in den Worten anderer Menschen und jedes Mal denkt man "Jetzt ist es gleich so weit, jetzt gleich wirst du erfahren, dass es doch jemand mitbekommen hat". Ich weiß nicht, wie viele kurze Herzaussetzer ich heute erlebt habe. Ein paar waren es auf jeden Fall. Ich sollte wirklich nicht unter die Poker-Spieler gehen.


Heute habe ich mich das erste Mal nach Wochen wieder zu K-Kollegin gesetzt. Ich weiß, dass das überfällig war. So überfällig, dass ich heute bereits auf etwas Ähnliches angesprochen wurde und mich für mein Verhalten rechtfertigen musste. Eine Rechtfertigung, die ich nicht liefern konnte, weil ich keine habe. Manchmal macht man Dinge aus einem Gefühl heraus, nicht aus einer Logik. Und manchmal stoße ich die Menschen von mir weg, die es wirklich nicht verdient haben und an denen mir doch eigentlich etwas liegt.
K-Kollegin ist so ein Mensch. Ich gebe zu, ich war überrascht, dass sie keine spöttische Bemerkung oder einen Witz, über den ich nicht lachen könnte, machte. Sie tat einfach so als wäre es das Normalste der Welt, dass ich mich neben sie setze (was es ja auch eine ganze Zeit lang war) und ich rechnete ihr das hoch an. Wahrscheinlich ist es aber, nach dieser Bemerkung, nur eine Frage von Tagen, bis sie irgendeinen Satz äußert, der mich wünschen lässt, ich hätte diese Äußerung hier doch einfach weggelassen.


Ein Kollege, dem ich gestern ein Buch auslieh und davon erzählte, was mich in den letzten Wochen bewegt und aufgeregt hatte, schenkte mir heute Schokolade. Ich entdeckte sie in meinem Fach und war erst überrascht, weil ich mir sicher war, dass es sich um einen Irrtum handeln musste und jemand die Schokolade ins falsche Fach gelegt hatte. Nachdem ich darunter das Buch entdeckte, hellte sich mein Gesicht auf, weil mir klar wurde, dass die Schokolade tatsächlich für mich gedacht war - und ich lächelte breit. Schokolade ist die richtige Geste, um mir eine Freude zu machen. Immer.
Als ich mich zur Seite drehte, um zu sehen, ob der Kollege bereits im Raum anwesend war, sah ich noch, wie er sich schnell wegdrehte. Er hatte auf meine Reaktion gewartet und ich sah noch die Spuren eines Lächelns, als er entdeckt hatte, dass er mir eine Freude gemacht hatte. Das war tatsächlich noch ein wenig besser als die Schokolade selbst. Es ist schön, zu bemerken, dass man für andere Menschen von Bedeutung ist.


Beruflich gab es noch die eine oder andere Sache, die mich heute bewegt hat. Da ich da immer sehr vorsichtig bin, weil ich nicht Dinge äußern möchte, die ich nicht äußern darf, lasse ich das an der Stelle. Was aber vielleicht unverfänglich ist: Ich habe für die nächste Zeit etwas geplant, was offenbar großen Anklang gefunden hat. Das freut mich und das macht mich gerade wieder Feuer und Flamme dafür, das so gut hinzubekommen, wie es in meiner Vorstellung sein könnte.


Supermarktmann
meldete sich heute außerdem. Obwohl ich jetzt meiner Meinung nach schon recht deutlich meine Sicht der Dinge angesprochen habe, scheint es nichts an seinem Verhalten zu verändern. Nicht mal in die Richtung, dass er jetzt daraus schließen würde, dass er seine Chance verpasst hat. Ich schätze, es ist an der Zeit, zu lernen, noch deutlichere Worte zu wählen. Tatsächlich liegt mir das nicht. Nicht bei soetwas.
Aber vielleicht auch, weil ich mir einer Sache nie so richtig sicher bin. Was ist denn, wenn ich feststelle, dass jemand doch zu den Menschen gehören könnte, die ich gerne in meinem Leben haben möchte? Oder auch nicht?
Allerdings reicht das in diesem Fall nicht aus. Wir sind nicht auf der Wellenlänge, die ich suche.


Hm. Ich merke, dass die Luft raus ist aus meinen Worten. Das Leben ist mir gerade dazwischen gekommen und all das, was ich schreiben wollte, hat sich in meinem Kopf aufgelöst als würde es gar nicht existieren. Nur um anderen Gedanken Platz zu machen. Ich mag darüber nicht schreiben, weil ich nicht wüsste, was ich darüber schreiben sollte. Es ist ein wenig wie mit dem erwähnten Gemälde oben. Es ließe sich gerade besser mit Farben als mit Worten ausdrücken.

12.10.17 00:22

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