Zwei Seiten

Du sitzt unmittelbar neben mir. Ich spüre gelegentlich dein Knie an meinem. Du schaust mich an, doch ich lasse mir nichts anmerken. Warum auch? Wir sind so viel weiter als zwei Knie, die sich berühren. Und trotzdem fühlt es sich gut an, dich so nahe bei mir zu wissen. Natürlich. Als wäre das alles hier völlig natürlich.
Wir essen in einiger Stille. Um uns herum dudelt Musik, Menschenstimmen sind zu hören. Es ist egal, ob das hier natürlich ist. Es ändert nichts. Ich lasse meine Gedanken ein wenig treiben, genieße den Geschmack des guten Essens und überlege gelegentlich, ob ich etwas sagen sollte. Aber warum? Es fühlt sich nicht unangenehm an. Eher bin ich froh, auch mal mit dir schweigen zu können.


Irgendwann berührt deine Hand meinen Oberschenkel. Vorsichtig, sanft, fragend. Ich schaue dich nicht an, lasse dich aber sehen, wie ein Lächeln über mein Gesicht huscht. Es ist so eine unschuldige Geste, wie du mich Richtung Knie streichelst und mich ein Mal mehr nicht vergessen lässt, wie nahe du bist. Näher kommst du mir nicht, aber näher könntest du mir in diesem Augenblick auch kaum sein.



Und trotzdem. Trotzdem könnten wir kaum weiter voneinander entfernt sein. Wir sind zwei Träumer in der gleichen Dimension. Zwei Seelen, die einander kurzzeitig das sind, wonach sie sich sehnen. Zwei Menschen, die sich ihre eigene Welt in den schönsten Farben ausmalen. Nur bis sie es irgendwann leid sind und desillusioniert aufwachen und weiterziehen.


Wir verzaubern uns. Immer wieder. Mit Worten und mit Gedankenspielen. Mit Fantasien. Ich weiß, dass das Ganze niemals die Realität sein wird, von der wir uns jetzt wünschen, dass es so sein könnte. Wir versprechen, versichern, sichern uns ab.


Bin ich deswegen traurig?
Manchmal. Ich wäre gerne das für dich, von dem du sagst, dass ich es für dich bin. Oder überhaupt für jemanden. Glaube ich dir nicht, obwohl du immer sagst, dass du jemand bist, der meint, was er sagt? Vielleicht. Wie viele Menschen, die selten meinen, was sie sagen, behaupten etwas anderes über sich? Zu viele.


Ich träume mit dir. Lasse mich eine Weile verzaubern und versuche mein Bestes, genau die gleiche Wirkung auf dich zu haben.


Was erhoffe ich mir?
Nicht zu viel. Weil alles andere weh tun könnte. Ich mache mich jederzeit darauf gefasst, alleine weitergehen zu müssen. Das macht es einfacher, mich nicht zu sehr fallen zu lassen in diesem Augenblick.
Die Fronten sind geklärt und manchmal bedauere ich, dass es gewissermaßen tatsächlich welche sind. Wir stehen auf zwei Seiten vom Leben.
Wenn ich mich für eine davon entscheiden müsste, würde ich gerade nach einer dritten fragen.

16.4.18 23:42

Letzte Einträge: Mit Gefühlen ist das so, Richtig und nicht so richtig, Gefährten, Am Ende wird alles gut. Sowieso.

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sören (18.4.18 13:52)
Ne dritte? Mal abwarten: Ich bin ja auch noch im Spiel .. Kannst ja schonmal ein Foto schicken ^^

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