Loslassen

Ich brauche nur die Augen schließen, spüre dich und habe das Gefühl, du sitzt geradewegs vor mir. Ich sehe das Leuchten in deinen Augen, das mich so sehr in deinen Bann gezogen hat, schon beim ersten Mal, als du mich angesehen hast und mir damit geradewegs in die Seele geblickt hast.


Du hast dieses neckische Lächeln, das mir zeigt, dass der nächste Witz dir schon auf der Zunge liegt. Ich weiß nicht, ob du es jemals gemerkt hast, wie entwaffnend es ist, wenn du mich so anlächelst.
Jedes Mal, wenn du mich so ansiehst, wenn du mich so anlächelst, stehe ich vor dir, völlig schutzlos und habe das Gefühl, keinen Schutz zu benötigen, denn du wirst mir nichts tun. Mein Vertrauen zu dir ist groß und das hast allein du geschafft. Du wirst mir nichts tun, aber der einzige Mensch, der mir gerade wirklich etwas tun könnte, das bist du.


Du gibst mir das Gefühl, als könntest du mir meine Gedanken im Gesicht ablesen, als könntest du mir direkt ins Herz sehen. Du verstehst, was ich meine, selbst wenn ich mich in Mengen unpassender Worte verirre und nicht recht weiß, wie ich ausdrücken soll, was ich denke. Sich mit dir zu unterhalten ist einfach und trotzdem habe ich nie das Gefühl, als würden wir nur an der Oberfläche bleiben, wenn wir miteinander sprechen.

Wenn du im gleichen Raum bist wie ich, kann ich nicht mehr klar denken. Ich weiß, dass du da bist und selbst so zu tun, als wäre es nicht so, ändert nichts an diesem Wissen. Ich sehe dich, spüre deine Anwesenheit und alle meine Sinne scheinen nur noch auf dich ausgerichtet zu sein. Du bist da und alles in meinem Kopf dreht sich nur noch um dich.
Bist du nicht da, ist es einfacher, das auszublenden. Doch bist du wirklich nicht da, so wünsche ich mir, du wärst es.


Wenn wir uns berühren, zufällig und unvorhergesehen, habe ich das Gefühl, mein Körper steht in Flammen. Ich spüre diese Spannung, dieses Knistern und es gibt keine Zweifel für mich: Ich will so viel mehr als nur deine Hand zufällig an meinem Arm zu spüren. Ich will dich an mich heranziehen. Dir nahe sein. Dich spüren. Dich küssen. Ich will dich. Und es geht nicht. 


Ich habe soetwas noch nie empfunden, nicht dass ich mich daran erinnern würde. Nicht vor dir. Und es fällt mir schwer, daran zu glauben, dass es mir nach dir nochmal so gehen könnte. Das macht es wohl erst so schwierig.

Ich sehe, wie du mich ansiehst, und es ist so verlockend einfach, mehr darin zu sehen als vielleicht tatsächlich ist. Es ist so einfach, in deinem Blick die gleiche Sehnsucht, das gleiche Verlangen, zu sehen, das ich spüre, wenn ich dich ansehe, an dich denke. Ich weiß nicht, wie die Wirklichkeit ist. Ich habe den Blick dafür verloren, nachdem alles um mich herum verschwimmt, seit du da bist.


Ich wünsche mir, du würdest das Gleiche empfinden. Der Gedanke, es könnte so sein, macht es schlimmer, denn es ändert nichts. Es ändert gar nichts. Und jeder Versuch, mich selbst daran zu erinnern, dass es besser wäre, dich mir endlich aus dem Kopf zu schlagen, bereitet mir doch nur Kopfweh. Ich kann dich nicht vergessen, kann mich nicht von dir trennen und von dem Gedanken, was wir hätten sein können.


Sag mir, wie soll ich weiterkommen? Wie soll ich weitergehen, wenn ich doch nie ganz die Hoffnung loswerde? Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte wieder frei sein, frei von dir, frei von meinen Gefühlen zu dir. Und doch lassen sie mich viel zu viel spüren, lassen mich zu lebendig und voller Liebe sein, um einfach weitergehen zu können und dich zurückzulassen.


Du lässt mich nicht los. Dabei möchte ich das schon längst nicht mehr. Denn ich weiß, solange es gedanklich immer nur um dich geht, habe ich keine Chance, wirklich glücklich zu werden.


Ich habe wirklich lange genug geglaubt, wir könnten eine Zukunft haben. Ich sah das alles vor Augen, sah dich vor mir, nahe an meinem Gesicht. Spürte deine Lippen auf meinen. Atmete in Gedanken deinen Duft ein. Hielt deine Hand in meiner. Ich sah uns beide, wie wir uns nahe sein würden, wie du für mich dieser Mensch sein könntest, den ich viel zu lange suchte, bis ich dich fand, völlig zufällig.
Wie soll ich so jemandem noch mal begegnen?


Ich habe mich schon so oft von dir verabschiedet, habe die Gedanken an dich schon zu oft gedanklich zerrissen, dass ich das Gefühl habe, mir selbst immer wieder etwas vorzumachen, wenn ich sage, ich würde nun nach vorne blicken, würde jetzt lernen, damit zurechtzukommen. Ich versuche, es mir nicht anmerken zu lassen, versuche deinem Blick zu begegnen als wäre es der Blick eines anderen Menschen. Als wäre es nichts, das so viel in mir auslöst.


Weißt du, in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren werde ich an dich denken und werde lächeln, weil die Erinnerung an dich mich daran denken lässt, wie verliebt ich war. Ich werde daran denken, wie viel ich empfunden habe und werde voller Freude daran zurückdenken, dass ich in der Lage war, so viel zu fühlen. Es wird okay sein, dass unsere Geschichte an diesem Punkt zu Ende war, auch wenn ich mir das heute kaum vorstellen kann.
Es wird der Moment kommen, in dem mir bewusst wird, dass wir beide weiter gehen konnten, unabhängig voneinander, weil wir einander dann doch gehen ließen. Dann wird die Erinnerung an dich schön sein, nicht schmerzhaft, nicht voller Sehnsucht und nicht voll ungestillter Hoffnungen.


Bis dahin brauche ich aber Zeit. Zeit, die ich mir nicht immer zu geben bereit bin, weil ich all das jetzt haben will, was ich erst haben kann, wenn wir beide es geschafft haben, einander loszulassen.

28.2.17 01:58

Letzte Einträge: Nicht mal äußerlich, Trennung, Vierzehn , Schwebezustand

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen