Wie viel will ich?

Vielleicht ist nicht die Frage, was ich will, sondern wie viel ich will.


Eine Frage, deren Antwort sich im Grunde immerzu ändert, sodass ich seit einiger Zeit die meiste Zeit über zu einem alles- und nichtssagenden "Ist mir egal" komme. Es wird ein wenig mein Anker. Ähnlich wie mein "Aber das ist nicht mein Problem" oder mein "Ich muss mir darüber keine Gedanken machen".


Ich weiß nicht, was das hier ist. Alles und nichts. Eine Eintagsfliege. Ein Sommernachtstraum. Ein flüchtiger Moment. Eine Geschichte, die einem so klaren Muster verläuft, dass ich als nicht sehr erfahrener Leser mir vielleicht noch Gedanken mache, wie das Ganze enden könnte, obwohl das Ende durch die eigentliche Geschichte schon so klar vorgegeben ist, dass es mir als Leser klar sein müsste.


Jeder mag da unterschiedlich ticken, aber ich persönlich mag es nicht, eine Geschichte mehrmals zu lesen. Das Ende zu kennen, macht das Ganze für mich langweilig und uninteressant. Es geht um den Weg dahin, nicht um das Ende an sich.




Ich war fest davon überzeugt, dass es das war. Ich bin mit der festen Erwartung hingegangen, dass ich mich darauf einstellen muss. Die letzten Tage waren eine gute Vorbereitung darauf gewesen und ich hatte gemerkt, wie ich mich allmählich von all dem löse, auf Abstand gehe, das Ganze distanzierter und reflektierter betrachte. Wie oft habe ich in den letzten Tagen Dinge gedacht wie "Das gibt mir auf Dauer nichts" oder "Es wird Zeit, das zu beenden"? Und wie oft hatte ich das Gefühl von Akzeptanz? Dass es okay ist, nun weiterzugehen? Nachdem ich am Wochenende noch ein paar Tränen verdrückt hatte, war ich soweit. Und nicht nur das, ich hatte gemerkt, wie ich nicht nur rational, sondern auch emotional weiterziehe und mein Herz allmählich wieder seine sieben Sachen packt.



Umso weniger verstehe ich, was passiert ist und so sehr ich das auch alles Revue passieren lasse, es ändert nichts. Anfangs war da dieses Gefühl, nicht berührt zu werden. Dieses Gefühl, das man hat, wenn man irgendwann, nach längerer Zeit zum Beispiel, auf einen Menschen trifft, bei dem man mal eine Verbundenheit gespürt hat, die man plötzlich nicht mehr wahrnimmt. Egal, wie sehr man sich bemüht. Genau so hat es sich für mich angefühlt und mit jeder Minute wurde ich sicherer, habe mich immer mehr darin bestärkt gefühlt, dass ich mich nun verabschieden kann.


Vielleicht war das ein Fehler. Mich sicher zu fühlen. Ich wurde flappsig, sagte frei heraus, was ich dachte und machte mir keine Gedanken mehr darum, wie ich wirken könnte. Das wurde mir erst später klar. Im gleichen Moment, als mir klar wurde, dass ich ohne Mühe sein konnte, wer ich bin. Es veränderte nichts. Und sicher, ich war schon die ganze Zeit über, wer ich bin. Aber wenn mir alles egal ist, bin ich es noch ein wenig mehr.


Irgendwann im Laufe des Abends kippte das Ganze. Aus Gleichgültigkeit, Distanziertheit und Abschiedsgedanken wurden Nähe, ein Lächeln und innere Zerrissenheit. Ich hatte damit umgehen können, sich erstmal nicht mehr zu sehen, weil ich wusste, es würde mir helfen, um das Ganze zu beenden. Damit umgehen zu können, sich erstmal nicht mehr zu sehen, mit dem Wissen, dass es noch nicht das Ende ist, machte es mir schwer. Und obwohl mir auch das wahnsinnig schwer fiel, sagte ich es. Ich seufzte und äußerte mit belegter Stimme, dass ich merke, wie schwer mir das gerade fällt. Ich fühlte eine Hand auf meiner. Und bei aller Kühlheit und Distanziertheit wusste ich, wie ich diese Geste zu nehmen habe. Mein Herz schwoll ein wenig an und ich fühlte mich verstanden.


Vielleicht geht's mir auch deshalb gerade so gut damit. Weil es ein Abend war, der dem Abschied genauso würdig wurde wie dem Weitermachen. Ich sage nicht, dass das gerade alles gleichwertig okay für mich wäre, aber wenn das hier das Ende war, dann ist es so. Dann wird es weitergehen. Anders eben.
Ich war, wer ich bin. Fühlend und wünschend. Ich sagte, was ich denke und ich sagte, was ich will und ich bin stolz darauf, dass ich einfordere, was ich brauche, wenn ich etwas brauche.
Der Moment, in dem ich fest gedrückt wurde, und ich in ein lächelndes Gesicht sehen konnte, das mir sagt "Wir schaffen das schon" war ein guter Moment, um sich zu verabschieden. Es ist egal, wie echt das alles ist. Nein, das ist es natürlich nicht. Aber egal, wie viel ich darüber nachdenke, es ändert nichts. Denke ich, es ist nicht echt, betrübt es mich. Denke ich, es ist echt, macht es mich verzweifelt. So oder so ändert es aber gerade nichts.
Ich frage mich, ob ich die Einzige bin, die so empfindet. Zumindest bin ich vermutlich die Einzige, die diesen Gefühlen eine Beachtung schenkt.



Ich bin heute wieder innerlich so zerrissen. Nicht nur deswegen. Ich sollte schlafen und jetzt gerade fällt es mir schwer, weil ich wieder mal all diese Baustellen in mir spüre und dann frage ich mich, wie das besser werden soll.
Allgemein.
Aber ganz im Speziellen weiß ich es auch nicht, denn das hier bringt auch auf ganz anderen Ebenen allmählich Probleme mit sich.

17.5.18 00:08

Letzte Einträge: Alles ist offen, nichts ist festgefahren, Vormachen, Loslasskummer, Mein Herz, Bäh-Tage

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


. (17.5.18 17:07)
Aber ja, du kennst die Konsequenz. Sie entspricht dem Trend eigenständiger Personengesellschaften. Partnerschaften sind stets etwas fragiles und man braucht eine Menge Emotionsinstrumente um sie beständig zu erhalten. Du bist auf dem Weg der Erkenntnis, diese Dauerhaftigkeit nicht haben zu wollen und können.


PP / Website (18.5.18 16:26)
Ich muss meinem Vorredner Recht geben. Aber ich glaube, dass man Emotion nicht lernen kann, wenn das Hirnareal für Empathie fehlt oder unterentwickelt ist. Das ist ein angeborener Hirnfehler und ich berufe mich da auf die neueste Hirnforschung. Und es geht darum, die Ursache zu finden für Psychopathen.

LG PP

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