Zwei Arme

Jetzt gerade in diesem Moment hätte ich zwei Arme brauchen können, die mich fest umschlingen und nicht loslassen, ehe es nicht auch ohne sie geht.
In diesem Moment hätte ich zwei Hände brauchen können, die mir liebevoll übers Haar streichen. Einen Finger, der mir die Träne aus dem Augenwinkel wischt. Ein Lächeln, das mich aufbaut. Eine Stimme, die sagt, ich verstehe dich, aber wir schaffen das. Und ein Paar Augen, das mich darin bestätigt.


Es wäre unfair, würde ich sagen, es hätte nichts davon gegeben. Vor allem wäre es gelogen. Aber - und das ist das Bittere - es hat keinen Unterschied gemacht. Keine Arme, keine Hände, kein Finger, kein Lächeln und keine Augen können mir gerade den Schmerz und die Zweifel, die ich empfinde, nehmen. Dadurch fühle ich mich gerade furchtbar alleine.
Wenn wir schon von Fairness sprechen: Kaum auszumalen, wie es gewesen wäre, hätte es das jetzt alles nicht gegeben.


Vielleicht habe ich den Moment zerstört oder den Abend. Ich verabscheue diesen Gedanken, denn er sollte keine Rolle spielen. Ich kann meine Gefühle nicht abstellen und ich kann nicht so tun als würde es mir anders gehen und genau deshalb sollte ich mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich damit etwas kaputt gemacht habe oder nicht. Tue ich aber trotzdem.


Ich weiß nicht, was bewirkt hat, dass ich mich gerade so fühle. Von allem ein wenig, denke ich. Den absoluten Rest hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht einfach alleine weitergehen kann. Weil ich damit jemandem weh tun könnte und jemanden damit verletzen könnte. Selbst wenn ich es nicht für möglich halte. Ich sollte es für möglich halten können, aber es fühlte sich bisher einfach nie so an. Ich bin uns beiden das schuldig, nicht auf der Stelle alles hinzuwerfen und zu rufen "Das war's jetzt!". So fühlt es sich an. Mag sein, dass die Wahrheit simpler ist. Mag sein, dass die Wahrheit ist, dass ich das für mich entscheiden muss und nicht für einen anderen. Eine von vielen Wahrheiten.


Im Grunde dachte ich, es wäre simpel. "Leb wohl", wochenlang kein Kontakt und der Rest würde dann schon irgendwie funktionieren. Einer von uns hat seinen Alltag und die Normalität, der andere die Zerstreuung und die Ablenkung. Und in ein paar Wochen oder Monaten würden wir damit umgehen können. Bestimmt.


Ich weiß, dass das absurd wirken muss. Warum werfe ich etwas in den Raum, was vorher dort nicht rumgelegen hat? Warum mache ich etwas zu einem Thema, das keines hätte sein müssen?
Weil es eines für mich ist. Und immer wieder war.


Ich versuche herauszufinden, was das Richtige ist. Dabei weiß ich es längst. Ich weiß, was das Richtige ist. Aber ich möchte nicht, dass es das ist. Ich möchte, dass das Richtige das Falsche ist.


Da ist so viel Unsicherheit. In mir sind so viele Zweifel. Und Angst. Angst vor dem Unerwarteten und Angst vor dem Unbeeinflussbaren. Angst vor Schmerzen, vor Verletztwerden. Angst davor, einem Menschen wochenlang nachzutrauern und damit nicht zurechtzukommen. Also will ich mich und uns lieber jetzt traurig machen. In dem Gedanken, dass es jetzt vielleicht noch einfacher ist. Aber das ist es natürlich nicht. Das wird es nicht sein, egal. wann.


Ich habe keine Lösung für all das. Jetzt gerade? Jetzt möchte ich einfach zwei Arme, die mich fest umschlingen und drücken, die mich an sich ziehen und mir das Gefühl geben, nicht alleine damit zu sein.

31.7.18 22:56

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


PP (19.8.18 04:16)
An den zwei Armen hängt ein Mensch und wenn du die zwei Arme nicht mehr brauchst, ist auch der Mensch überflüssig und kommt zurück in die Kiste zu den anderen Spielzeugen. Da bin ich mir zu schade. Aber ich sende dir Mut und Zuversicht. Mehr kann ich leider nicht mehr für dich tun. LG PP


PP (6.9.18 10:54)
Ich sorge mich um dich. Mag sein, dass du das Blog gewechselt hast, um woanders weiter zu schreiben. Ich reagiere manchmal paranoide, aber hoffentlich ist nichts passiert und hoffentlich geht es dir einigermaßen gut. Wenn du in ein tiefes Loch gestürzt bist, solltest du gerade weiterschreiben, weil hier jeder zu dir steht und bei dir ist in allen Lebenslagen. Ich reibe mich gern an Menschen, aber wenn es drauf ankommt bin ich da als Freund.

LG <3

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