Das hier wird kein langer Eintrag, denn ich bin müde und erschöpft, habe viel Arbeit im Kopf und trotzdem weiß ich, ich kann nicht schlafen, ehe ich das hier aufschreibe. Weil ich auch dich gerade in meinem Kopf habe und den Eindruck habe, wenn ich diese Worte nicht aufschreibe, dann wird das Gefühl an mir nagen, dass ich es hätte tun sollen.


Es sind mittlerweile so viele Jahre, dass mich die Zahl traurig macht. So viele Jahre bist du nicht mehr da und ich kann dir kaum sagen, was das für mich bedeutet, was fremde Erinnerungen an dich und die Worte anderer über dich für mich bedeuten, mir bedeuten. Vieles stimmt mich traurig. Der Gedanke, dass wir uns nie besser kennen werden. Dass ich so vieles nie mit wirklicher Gewissheit sagen können werde. Dass du vermutlich über manches traurig, verärgert oder zumindest wenig erfreut wärst. Dass es Mama immer noch weh tut und für sie immer schwierig sein wird.


Ich habe diesen Tag verbracht wie die meisten anderen auch. Und jetzt, im letzten Moment, da erschien es mir falsch. Natürlich habe ich tagsüber an dich gedacht, natürlich hattest du Platz in meinen Gedanken, das hast du immer. Ich glaube nicht, dass es einen Tag gibt, an dem ich nicht an dich denke und an dem nicht doch ein Teil von dir bei mir ist.


Während ich das hier schreibe, kämpfe ich mit meinen Gefühlen. Gefühle, die ich die meiste Zeit über nicht spüre und im Griff habe, auch wenn das nichts daran ändert, dass sie da sind. Gefühle, über die ich mit niemandem reden werde. Jemand hat mich heute gefragt, wie ich damit klar komme. Ich habe gelächelt und gesagt, dass das für mich alles kein Problem sei, weil ich schließlich in diesem Wissen und mit diesen Gefühlen groß geworden bin.


Natürlich ist es, wie bei allen anderen Dingen auch, nur ein winziges Stück einer großen Wahrheit. Ein anderes Stück davon ist, dass ich manchmal den Eindruck habe, all das, was ich um mich herum wahrnehme, wenn es um dich geht, mitzufühlen. Ich empfinde, was dich angeht, nicht nur meinen eigenen Schmerz und ich ahne, dass meiner im Vergleich zu denen der anderen denkbar klein ist.


Nicht, weil du mir nichts bedeutet hättest. Aber vielleicht habe ich manchmal den Eindruck, dass meine Gefühle, was dich angeht, weniger Platz haben. Oder zumindest weniger Raum einnehmen.


Vorhin, als ich müde und erschöpft ins Bett gefallen bin und nur noch schlafen wollte, kam mir der Gedanke, was wäre, hättest du mich heute sehen können. Fröhlich und unbeschwert, beschäftigt und vergnügt. Während Mama vermutlich all das nicht war. Mir kam der Gedanke, was wäre, könntest du mein Leben sehen und wer ich geworden bin. Irgendwo, von einer großen Wolke aus, wie ich es mir als Kind immer vorgestellt habe. Ich weiß nicht, wie du das, was du sehen könntest, bewerten würdest. Ich möchte glauben, dass du stolz und froh wärst, aber ich ahne, dass auch das wieder nur ein Stück der wirklichen Wahrheit ist. Manches würdest du sehr kritisch sehen, aber vielleicht hättest du auch Vertrauen, dass alles seine Wege gehen wird und dass ich vor allem meinen gehen werde. Ich würde es mir wünschen und ich frage mich, ob du all die Ähnlichkeiten zwischen uns sehen würdest, von denen es immer heißt, dass sie da sind und von denen ich nie wissen werde, ob dem wirklich so ist.


Ich brauche nicht diesen Tag, um an dich zu denken, um zu spüren, dass ich nicht immer damit im Reinen bin oder um zu wissen, dass es Menschen um mich herum gibt, für die du immer noch sehr bedeutsam und präsent bist. Ich habe mich oft genug gefragt, was gewesen wäre, wäre alles anders gekommen.

7.9.18 23:40

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


. (9.9.18 14:01)
Warum solltest du in irgend welcher Form um Verzeihung bitten müssen in dieser causa!ß.
Du lässt der Erinnerung Raum.
Solange du dich damit nicht pathologisch behaftest ist das vollkommen eigen.
Solltest du krankhafte Züge ausmachen, könntest du dir heilsame Anwendungen zugute kommen lassen.

Ich nimm dich virtuell in den Arm.


PP (12.9.18 06:47)
Der Kommentar ließt sich wie ein Text, der aus einer anderen Sprache ins Deutsche übersetzt wurde. So spricht und schreibt kein normaler Mensch, es sei denn er möchte eine gekünstelte Vornehmheit karikieren. Fällt mir immer wieder auf. Willkommen im Irrenhaus Myblog ..


. (14.9.18 13:13)
Na, PP, das tut mir aber leid, dass du dich überfordert fühlst normale deutsche Worte als normal zu erfassen.
Aber, niemand ist gezwungen etwas zu lesen - etc. pp

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