Etwas wollen

"When the morning comes
When we see what we've become
In the cold light of day we're a flame in the wind
Not the fire that we've begun
Every argument, every word we can't take back
'Cause with all that has happened
I think that we both know the way that this story ends"

(Happier - Marshmellow feat. Bastille)


Wenn ich vor einer ganzen Eistheke stehe und mich frage, welche Eissorten ich wählen werde. Wenn ein ganzer Tag vor mir liegt und ich darüber nachdenke, wie ich ihn fülle. Wenn Menschen mich etwas fragen und eine persönliche Antwort von mir erwarten. Dann, immer dann, frage ich mich, was ich eigentlich will.


Wenn ich für jemanden aufbleibe, obwohl ich tierisch müde bin und mir die Augen fast zufallen. Wenn ich gedanklich meine Zukunft plane und dabei immer wieder meine Familie und meine Herkunft einbeziehe. Wenn ich mich mit jemandem treffe, während sich in mir etwas sträubt. Wenn ich sage, wie schön es sich für mich anfühlt und ich gleichzeitig alle Zweifel wie Krümmel zwischen den Händen unter den Tisch wische.
Dann, immer dann, frage ich mich, ob ich nicht vielleicht ignoriere, was ich eigentlich will und fühle.


Man sagt immer, viele Menschen wissen gar nicht, was sie wollen. Frauen wissen nicht, was sie wollen. Oder Menschen wollen immer das, was sie nicht haben können. Vielleicht stimmt das alles. Mag sogar sein, dass ein Teil davon auf mich zutrifft.


Während ich immer dachte, zu wissen, was ich will und gleichzeitig in Betracht gezogen habe, es eigentlich gar nicht zu wissen, habe ich in letzter Zeit beim Reinhorchen oft festgestellt, dass ich es offenbar verlernt habe, auf meine eigenen Bedürfnisse zu hören.


Ein Beispiel:
Ein ganzer Tag liegt vor mir und ich weiß nicht, ob ich ihn mit anderen Menschen verbringen will oder allein. Ich weiß nicht, ob ich draußen oder drinnen sein möchte, ob mir nach Ruhe oder Lärm ist. Nach Nähe oder Distanz. Nach Farben oder Grau.
Man sollte Zeit mit Menschen verbringen, das ist Leben. Man sollte draußen sein, Natur ist viel schöner, lebendiger als das Innere meiner vier Wände. Man sollte Nähe vorziehen, weil Nähe so viel mehr berührt. Und warum sollte man ernsthaft bei der Wahl zwischen Farbe und Grau überlegen müssen?
Ich weiß ganz genau, was das Bessere ist. Ich scheine es nicht mehr so richtig zu beherrschen, zu wissen, was ich brauche und was mir gut tut. Was das Bessere für mich in einem bestimmten Moment, im Hier und Jetzt, ist.


Sicher ist das ein guter Zeitpunkt, um es zu erlernen. Und wer weiß, vielleicht ist es das erste Mal, dass ich es am Ende wirklich beherrsche.


Es geht nicht darum, nur auf mich zu hören. Es geht nicht darum, einem Menschen, der mich braucht, die Türe vor der Nase zuzuschlagen, nur weil ich ihn in genau diesen Moment nicht brauche. Es geht nicht darum, in meinen Entscheidungen nicht die Bedürfnisse anderer Menschen zu berücksichtigen. Eigentlich geht es nur darum, auf mein Gefühl zu hören. Nichts zu machen, was sich nicht gut anfühlt und was ich vielleicht nur aus einem anderen Gefühl heraus mache. Man sollte nichts machen, nur um geliebt zu werden, nur um niemanden zu verärgern, nur um niemanden zu verletzen, nur um niemandem zu nahe zu treten. Wenn etwas nur einen einzigen Grund hat, dann ist es zu wenig. Man sollte Dinge aus den richtigen Gründen tun und sonst lieber gar nicht.


Ich habe viel zu oft gedacht, dass es das war. Und wenn ich mir die Einträge der letzten Monate durchlese - und das habe ich heute gemacht -, dann dreht sich mir der Magen um bei all der Theatralik. Ich kann nicht anders, sie tropft auch hier aus jeder Zeile. Allerdings denke ich wirklich, dass ich wieder mehr auf das hören sollte, was ich wirklich will statt in einer Situation Dinge zu machen, die ich immer schon in einer Situation gemacht habe oder statt das zu tun, von dem ich denke, dass ich es tun sollte, weil man es eben so tut, wenn man etwas tun sollte. Selbstbestimmung. Das ist das Zauberwort. Ich bestimme selbst.





30.10.18 22:23

Letzte Einträge: Zwei Arme, Erinnerung, Zu viele Gefühle , verändern, Ein Blick zurück

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


PP (31.10.18 11:13)
Ich les hier nicht mehr, aber der Text gefällt mir

Shakespeare wäre stolz auf dich

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